Aber beginnen wir noch einmal von vorne und beantworten die schon so oft beantwortete Frage: Was ist CrossFit?

What is CrossFit?
...lautet die Überschrift, die auf praktisch jeder CrossFit-Seite immer gleich beantwortet wird, weshalb an dieser Stelle etwas kreativer ausgeholt werden soll.CrossFit stellt ein von Greg Glassman und seiner Ex-Frau Linda zusammengestelltes, namentlich geschütztes Trainingssystem dar, das in Deutschland immer noch einen Geheimtipp-Charakter hat. Aus einem Studio, dass 1995 eröffnet wurde, wuchsen bis 2010 knapp 1700, was den deutlichen Aufwärtstrend dieser Bewegung zeigt. Gleichzeitig konnte Glassman bereits 1995 die Polizei Santa Cruz davon überzeugen, CrossFit als standardisiertes Trainingsprogramm für ihre Beamten zu nutzen, denn CrossFit will die eierlegende Woll-Milch-Sau sein. Gewichtheben, Powerlifting, Sprinten, Rudern, Kettlebells, Turnen, Med-Ball-Übungen.. nichts scheint vor CrossFit sicher zu sein und wie von Borg assimiliert zu werden.
Und so schreibt Glassman selbst in seiner Definition von CrossFit nicht ohne Stolz:
- "Unser Programm führt zu einer Fitness, die durch ihr Design breitgefächert und umfassend ist. Unsere Spezialität liegt darin nicht spezialisiert zu sein. Kampf, Überleben, viele Sportarten und das Leben selbst belohnen solch eine Art von Fitness und bestrafen andererseits die Spezialisten."
Crossfit - Trainieren ohne Sinn und Verstand?
Symptomatisch erscheint folgende Anekdote, die Alwyn Cosgrove zum Besten gab:- "Ein kürzliches CrossFit Training bestand aus 30 Wiederholungen Reißen mit 60kg. Reißen ist eine explosive Übung, die dazu dient, die Kraftentwicklung zu trainieren. Dreißig Wiederholungen sind Ausdauer. Man benutzt keine explosive Übung, um die Ausdauer zu trainieren. Es gibt deutlich effektivere und sicherere Möglichkeiten.
Ein weiteres bestand aus 30 Muscle-Ups. Und wenn man keine Muscle-Ups ausführen kann, sollten es 120 Klimmzüge und 120 Dips sein. Es ist ohne Sinn und Verstand. Das Programm zwei Tage später bestand aus fünf Sätzen zu je fünf Wiederholungen Standstoßen mit maximalen Gewicht. Das schaut nicht allzu gesund für die Schultern aus, wenn man gerade 120 Dips 48 Stunden zuvor durchgeführt hat."
Planlos, unkontrolliert und zu viel auf einmal wollend: Böse Zungen könnten behaupten, Glassmans CrossFit ist wie die meisten Trainingsanfänger und gerade deshalb für unerfahrene Sportler so reizvoll. Die Parodie "Eurotraining": Wie Außenstehende Crossfit wahrnehmen.
Werdet fit, nicht Crossfit
In wenigen Stunden wird es so weit sein. Zusammen mit Freunden, Bekannten, Liebhabern, Kollegen und Personen, die man wenige Minuten zuvor kennen gelernt hat, werden wir alle uns in den Armen liegen und unsere guten Vorsätze für 2014 berauscht vom (Bärchen-)Sekt ins Auge fassen. Nachdem 2013 vielleicht nicht für jeden alles so verlief, wie er es sich gewünscht hätte, gilt es im neuen Jahr sportlich (neu) anzugreifen.Der allgemeine Trend, ein neues, fitteres Leben anzustreben, ist keineswegs verwerflich und niemandem ist es zu verübeln, dass das simple nach oben und unten Bewegen von Gewichten unbefriedigend sein kann. Doch das Streben nach neuen Leistungen, die Jagd nach neuen Endorphin-Ausstößen und das Messen der eigenen Trainingsleistungen mit anderen: All dies scheint auf den ersten Blick wertlos, solange man nicht kurz- oder mittelfristig einen konkreten Wettkampf im Auge hat.
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Die Sinnhaftigkeit entsteht letztendlich für die meisten durch das schier urmenschlichste Bedürfnis des 21. Jahrhunderts in der ersten Welt: Nackt gut oder zumindest besser auszusehen.
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Ein Bodybuilder, der fit werden will, muss mittel- und langfristig andere Schwerpunkte setzen, als ein Ringer, Ruderer, Powerlifter, Leichtathlet, Läufer, Ballsportler oder Athlet beliebiger anderer Sportarten. Und die Couch-Potatoe, die sich Neujahr vorgenommen hat, endlich (wieder) sportlich aktiv zu werden, mag es als total crazy empfinden, plötzlich im Kreis mit anderen auf Boxen zu hüpfen oder dabei "Whoop! Whoop!" zu brüllen, aber sollte sich dennoch nicht von manch gruppendynamischen Effekt blenden lassen.
Die gegenseitige Motivation, die für viele sicherlich von Bedeutung ist, verdient es gewürdigt zu werden, doch stellt keine Rechtfertigung für Absolution dar.
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Spezialisierung sollte nicht als Schwäche missverstanden, sondern als größte Stärke genutzt werden.
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Die Ansprüche der Einzelnen sind dabei so individuell, dass eine pauschale Antwort, die allgemeingültig sein soll, so seriös ist, wie seinen Finanzberater nach dessen Sternzeichen auszuwählen. Crossfit als die omnipotente Lösung aller Herausforderungen darzustellen, beleidigt den menschlichen Verstand, wie die Übungsausführung mancher Crossfiter das Sportlerauge.
Bilder: Nicole Vaughan