Von Lyle McDonald
Titel
Heymsfield SB et. al. Why do obese patients not lose more weight when treated with low-calorie diets? A mechanistic perspective (Warum verlieren fettleibige Patienten nicht mehr Gewicht, wenn sie mit kalorienarmen Diäten behandelt werden? Eine mechanistische Perspektive). Am J Clin Nutr. 2007 Feb;85(2):346-54.Auszug
Der maximale Gewichtsverlust, der im Rahmen von Studien mit kalorienarmen Diäten (LCD) beobachtet wird, neigt dazu, gering zu sein und die Mechanismen, die zu dieser niedrigen Behandlungseffizienz führen, sind noch ungeklärt. Ein geringer als erwartet ausfallender Gewichtsabbau bei kalorienarmen Diäten kann durch eine Steigerung der fraktionellen Energieabsorption (FEA), eine Anpassungen des Energieverbrauchs oder eine unvollständigen Diäteinhaltung durch den Patienten zustande kommen.Wir haben systematisch Studien des FEA und des Gesamtenergieverbrauchs (TEE) bei fettleibigen Patienten, die einen Gewichtsabbau mit kalorienarmen Diäten erreichten und Patienten mit reduzierter Fettsucht (RO) untersucht. Diese Informationen wurden verwendet, um ein Modell der Energiebilanz zu unterstützen, das dann angewandt wurde, um die Einhaltung der vorgeschriebenen kalorienarmen Diätprogramme zu untersuchen. In der limitierten verfügbaren Literatur war die fraktionelle Energieabsorption (FEA) bei einer kürzeren Studiendauer (<12 Wochen) mit kalorienarmen Diäten im Vergleich zum Ausgangswert unverändert. Langfristige Studien (>/= 26 Wochen) konnten nicht gefunden werden. Untersuchungen mit doppelt markiertem Wasser und Studien, die eine Respirationskammer verwendeten, identifizierten 10 Berichte von TEE bei RO Patienten (n = 150) bei einem längerfristigen Gewichtsabbau. Diese Patienten, die ein stabiles Gewicht aufwiesen, hatten einen TEE, der fast identisch mit den gemessenen oder vorhergesagten Werten bei niemals zuvor fettleibigen Menschen war (gewichteter durchschnittlicher Unterschied: 1,3%; Bereich: -1,7 – 8,5%).
Modelle der Energiebilanz, die durch die betrachteten FEA und TEE Studien unterstützt werden, legen nahe, dass fettleibige Patienten, die an Programmen mit kalorienarmen Diäten teilnahmen, einen Gewichtsverlust aufwiesen, der bei weniger als der Hälfte der erwarteten Werte lag. Der geringe maximale Gewichtsverlust, der bei Behandlungen mit kalorienarmen Diäten beobachtet werden kann, beruht somit wahrscheinlich nicht auf den Magen und Darm betreffenden Anpassungen, könnte jedoch per Deduktion Schwierigkeiten mit der Einhaltung der Diät durch den Patienten oder – zu einem geringeren Grad – stoffwechseltechnische Anpassungen, die durch eine negative Energiebilanz hervorgerufen und nicht durch die augenblicklichen Modelle erfasst werden, zugeschrieben werden. preview
Meine Kommentare
Über Jahrzehnte ihrer Anwendung ist es eine einfache Tatsache, dass kalorienarme Diäten (LCDs) meist versagen. Und ich spreche nicht einfach über die Tatsache, dass die meisten Menschen das verlorene Gewicht schnell wieder aufbauen. Es ist eine einfache Tatsache, dass selbst der Gesamtgewichtsverlust, den man bei solchen Diäten beobachtet, häufig recht gering ausfällt. Ein Gesamtgewichtsverlust von 5 bis 10 Kilo im Laufe eines Jahres ist ein typisches Resultat. Und auch wenn dies für jemanden, der bereits relativ schlank ist, toll sein kann, ist ein solcher Gewichtsverlust bei Menschen, die 120 bis 150 Kilo wiegen, nicht besonders signifikant.Ich möchte am Rande erwähnen, dass aus Sicht der Gesundheit selbst ein geringer Gewichtsverlust von 5 bis 10% des Körpergewichts zahlreiche gesundheitliche und stoffwechseltechnische Marker verbessern kann, auch wenn die meisten Menschen wahrscheinlich nicht mit dieser Rate des Gewichtsabbaus zufrieden wären. Eine der Fragen ist, warum die Resultate so schlecht ausfallen, was insbesondere im Hinblick darauf gilt, dass basierend auf dem generierten Kaloriendefizit, ein sehr viel größerer Gewichtsabbau stattfinden sollte.
Dieses Paper, das sich daran machte, die überraschend limitierte Menge an Daten zu diesem Thema zu untersuchen, betrachtete zuerst repräsentative Gewichtsabbaustudien, die mit kalorienarmen Diäten durchgeführt wurden. Auch wenn die Menge der untersuchten Studien weit davon entfernt war, umfassend zu sein, zeigten diese Studien typischerweise einen Gewichtsabbau im Bereich von 25 bis 50% von dem, was basierend auf dem generierten Defizit zu erwarten gewesen wäre. Ich sollte anmerken, dass dies sowohl kohlenhydratreiche, als auch kohlenhydratarme Diätstudien umfasste, so dass diese Metastudie nicht als ein Argument in die Richtung "die Kalorientheorie des Gewichtsabbaus ist falsch" angesehen werden sollte.
Die Studie erwähnt glücklicherweise, dass es drei unterschiedliche Wege gibt, ein Defizit zu generieren – ein Thema, über das ich in vielen Artikeln gesprochen habe. Der erste Weg besteht darin, eine absolute Reduzierung der Nahrungszufuhr (z.B. 500 kcal/Tag) vorzunehmen. Der zweite Weg (meine bevorzugte Methode) besteht darin, die Nahrungszufuhr um einen gewissen Prozentsatz (z.B. 20%) unter den Verbrauch zu senken. Der dritte – und meiner Meinung nach der schlechteste – Weg besteht darin, eine absolute Kalorienzufuhr in der Art "Frauen bekommen 1200 kcal/Tag und Männer 1700 kcal/Tag" zu verwenden. Ich habe dieses Thema recht ausführlich in meinem ersten Buch "The Ketogenic Diet" behandelt.
Das Paper macht sich anschließend daran, drei primäre Möglichkeiten (basierend auf einer Reihe von Annahmen, die im Paper detailliert beschrieben werden, auf die ich jedoch in diesem Artikel nicht näher eingehen werde) zu untersuchen, die dafür verantwortlich sein könnten, dass der tatsächliche Gewichtsabbau weit unter dem erwarteten Gewichtsabbau liegt.
Möglichkeit 1: Eine gesteigerte Nahrungsabsorption
Die erste Möglichkeit, die in Betracht gezogen wurde, ist, dass es während der Diät zu einer Anpassung in Richtung einer gesteigerten Absorption der Nahrung im Verdauungstrakt kommt. Wissenschaftliche Untersuchungen unterstützen diese Möglichkeit jedoch nicht. Bei den meisten verzehrten Nährstoffen können Absorptionsraten im Bereich von 95% oder so beobachtet werden und dies gilt sowohl bei fettleibigen als auch bei ehemals fettleibigen Personen. Diese Studien heben außerdem hervor, dass selbst eine Erhöhung der Nahrungsabsorption von 5% sich nur auf etwa 100 zusätzliche kcal pro Tag aufsummieren würde, was die beobachteten Resultate nicht erklären würde. Somit ist Möglichkeit 1 mit ziemlicher Sicherheit nicht die Ursache der beobachteten Resultate.Möglichkeit 2: Eine Reduzierung der Stoffwechselrate
Die zweite in Betracht gezogene Möglichkeit war, dass eine Reduzierung des Gesamtenergieverbrauchs die Ursache ist. Einige Studien haben gezeigt, dass Personen, die aktiv diäten, im Vergleich zu Personen mit demselben Gewicht, die nicht diäten/diäteten, eine niedrigere als erwartete Stoffwechselrate aufweisen (darüber hinaus sinkt die Anzahl der während Aktivitäten verbrannten Kalorien, wenn man Körpermasse verliert).Die Autoren der Studie entschieden sich jedoch dafür, Studien zu untersuchen, die ehemals fettleibige Menschen, die ihr Gewicht hielten, betrachteten (worauf ich später noch zurückkommen werde). Und solche Studien zeigen ausnahmslos einen recht geringen Unterschied (vielleicht 1 bis 5%. Ich sollte an dieser Stelle anmerken, dass es sich hier um Studien mit fettleibigen Menschen handelt und dass bei schlankeren Menschen sehr viel größere Reduzierungen der Stoffwechselrate beobachtet werden können) zwischen erwartetem Energieverbrauch und tatsächlichem Energieverbrauch bei ehemals fettleibigen Personen.
Ich denke jedoch, dass dies irreführend ist, da es der Abfall der Stoffwechselrate während des aktiven Diätens ist, der zum Unterschied zwischen tatsächlichem und erwartetem Gewichtsabbau beitragen würde. Zu ihrer Verteidigung sei erwähnt, dass die Autoren dies im Bereich der Diskussion adressierten. Ich bin mir jedoch nicht darüber im Klaren, warum sie diese speziellen Daten für ihre Analyse ausgewählt haben.
Die Autoren erwähnen glücklicherweise, dass die Arbeiten, die sie bezüglich des Energieverbrauchs im gewichtsstabilen Zustand betrachteten, nicht exakt das widerspiegeln, was während des aktiven Diätens geschieht. Zahlreiche (aber nicht alle) Studien zeigen einen Abfall des Energieverbrauchs (sowohl im Hinblick auf die Stoffwechselrate im Ruhezustand als auch im Bezug auf die Gesamtaktivitäten, da Menschen dazu neigen, sich während einer Diät weniger zu bewegen) während des aktiven Diätens.
Zusätzlich hierzu gibt es einige Arbeiten, die in dieser Hinsicht eine recht große Variabilität zeigen (ein Thema, über das ich bereits zuvor ausgiebig gesprochen habe). Im Rahmen einer Studie, an die ich mich erinnere, sank die Stoffwechselrate der Probanden um einen Wert im Bereich von 50 bis 200 kcal/Tag in Woche 2. Ganz offensichtlich werden die Probanden mit einem größeren Abfall der Stoffwechselrate im Lauf der Zeit einen geringeren Gewichtsabbau erleben, da ihr Nettodefizit geringer ausfällt.
Betrachten wir, um dies etwas zu verdeutlichen, zwei Menschen, die ein Kaloriendefizit von 500 kcal pro Tag einhalten, wobei es bei einer Person zu einer Reduzierung der Stoffwechselrate um 50 kcal pro Tag kommt, während die zweite Person einen Abfall der Stoffwechselrate um 200 kcal pro Tag zeigt. Die erste Person hält weiterhin ein Defizit von 450 kcal pro Tag aufrecht, während das Defizit bei der zweiten Person auf 300 kcal sinkt. Im Lauf eines Monats wird sich dies auf einen Unterschied von 1,5 Pfund bezüglich des Fettabbaus zwischen diesen beiden Personen aufaddieren, obwohl beide dieselbe Diät einhalten.
Gleichzeitig heben die Autoren hervor, dass "...Veränderungen des Energieverbrauchs (EE) auftreten, die das verordnete Energiedefizit reduzieren, doch diese Reduzierungen des Energieverbrauchs scheinen mit dem Energiedefizit, der Rate des Gewichtsverlusts oder beidem in Verbindung zu stehen und würden somit den Gewichtsabbau lediglich verlangsamen, aber nicht in einem vorzeitigen Plateau resultieren, da dieses Plateau per Definition am Punkt des Energiegleichgewichts zwischen Energiezufuhr und Energieverbrauch zustande kommt."
Dies ist ein komplizierter Weg zu sagen, dass selbst wenn man ein tägliches Defizit von 50% einhält und der Energieverbrauch um 25% sinkt, dies immer noch nicht ausreicht, um den Gewichtsabbau zum Stillstand zu bringen, da immer noch ein Defizit von 25% besteht. Der Gewichtsverlust würde sich hierdurch lediglich verlangsamen. Dies bedeutet mit anderen Worten ausgedrückt, dass die Reduzierung der Stoffwechselrate während einer Diät die Rate des Gewichtsabbaus nur verlangsamen, aber den Gewichtsabbau niemals ganz zum Stillstand bringen kann.
Möglichkeit 3: Befolgung der Diät
Somit kommen die Autoren automatisch zur Schlussfolgerung, dass das Versagen kalorienarmer Diäten auf Probleme mit der Einhaltung der Diät zurückzuführen ist. Dies bedeutet, dass Diätende während diesen Diäten weniger Gewicht als erwartet verlieren, da sie diese Diäten nicht wirklich befolgen. Dies würde auch die Tendenz erklären, ab einem Punkt im Verlauf der Diät wieder an Gewicht zuzunehmen, da die Menschen damit beginnen, wieder zu ihren alten Ernährungsgewohnheiten zurückzukehren.In diesem Zusammenhang betrachteten die Autoren ein Paper, das Angaben der Diätenden im Bezug auf die Diäteinhaltung (relativ zur Zone Diät, der Atkins Diät und kohlenhydratbasierten Diäten) bezüglich der Resultate verwendete. Die erste Beobachtung im Rahmen dieser Studie war, dass die Probanden, die mit einem niedrigen Grad der Diäteinhaltung begannen, mit einem noch schlechteren Grad der Diäteinhaltung endeten. Gerade heraus gesagt, endeten die Personen, die ihre Diät halbherzig begannen damit, bei der Diät vollständig zu versagen.
Zusätzlich hierzu verloren die Personen, die von der besten Diäteinhaltung berichteten, 20 kg, während diejenigen, die von einer schlechten Diäteinhaltung berichteten, nur vernachlässigbare Gewichtsverluste erzielten. Es handelt sich um eine Schlussfolgerung, die unglaublich offensichtlich ist, aber trotzdem explizit erwähnt werden muss: Menschen, die eine Diät tatsächlich einhalten, verlieren an Gewicht und diejenigen, die sich nicht an die Diät halten, nicht.
Diskussion
Insgesamt scheint es so zu sein, dass der primäre bestimmende Faktor für einen Diäterfolg ganz einfach die Einhaltung der Diät ist. Veränderungen der Nahrungsabsorption können den Unterschied zwischen erwartetem und tatsächlichem Gewichtsverlust nicht erklären und mit den oben erwähnten Vorbehalten scheint auch die Stoffwechselrate nicht als Erklärung auszureichen (auch wenn die individuelle Varianz bezüglich der Veränderung der Stoffwechselrate Unterschiede zwischen Menschen, die dieselbe Diät befolgen, erklären könnte).Die Autoren räumten die Limitierungen ihrer Studie ein – die begrenzte Menge an Daten, die kurzen Zeitspannen, über die die meisten Studien ausgeführt wurden (ein Jahr oder weniger) und die Tatsache, dass die betrachteten Studien die körperlichen Aktivitäten nicht darauf hin untersuchten, wie sie die Diät beeinflussten oder wie sie sich im Laufe einer Diät veränderten.
Dies ist aus einer ganzen Reihe von Gründen wichtig. Unter anderem reduzieren einige Menschen (unbewusst) ihre täglichen Aktivitäten während einer Diät, wodurch natürlich auch der tägliche Energieverbrauch durch Aktivitäten sinkt. Auch wenn dies nicht als tatsächlich messbare Reduzierung der Stoffwechselrate auffallen würde, würde hierdurch das Netto Kaloriendefizit trotzdem reduziert.
Das Paper kommt zu folgender Schlussfolgerung:
Es besteht die dringende Notwendigkeit, die Grundlage einer schlechten Befolgung eines vorgeschriebenen Energiedefizits durch Patienten näher zu untersuchen. Diese Untersuchungsanstrengungen könnten zu noch größeren klinischen Vorzügen für die vielen fettleibigen Patienten mit gewichtsbasierten Komorbiditäten führen.
Im Grunde genommen besteht die Frage nicht länger darin, auf welche Art von Diät man einen Patienten setzen sollte – viel wichtiger ist die Frage, wie man eine Person dazu bringt, eine Diät langfristig zu befolgen. Ich stimme hiermit voll und ganz überein und habe diese Meinung auch in meinem Buch "A Guide to Flexible Dieting" zum Ausdruck gebracht.
Nach Jahrzehnten der Forschung wissen wir so ziemlich alles, was man über das Diäten und den Fettabbau wissen kann. Wir wissen, wie man Menschen aus biologischer Sicht dazu bringen kann, Gewicht und/oder Fett zu verlieren.
Ich denke, dass die größere Frage darin besteht, warum Menschen so schlecht darin sind, ihre Gewohnheiten auf lange oder kurze Sicht zu verändern. Bis diese Frage beantwortet ist, scheint es so, dass nur der geringe Prozentsatz an Menschen, der gewillt ist, seine Gewohnheiten zu verändern und – was noch wichtig ist – diese Veränderungen für immer aufrecht zu erhalte, erfolgreich sein wird.