Der Leser hat nun fast 50 Seiten des Buchs gelesen und fragt sich immer noch, warum hartnäckiges Fett hartnäckig ist. Vielleicht hat er einige der Gründe als Folgerung aufgeschnappt, doch in diesem Kapitel kann ich endlich alles zusammensetzen.
Überblick über die Fettzelle
In den letzten 6 Kapiteln hat der Leser eine Unmenge über Fettzellen und den Fettstoffwechsel gelernt. Einer der Punkte, den ich zu vermitteln versucht habe, ist, dass nicht alle Fettzellen gleich sind. Unterschiedliche Depots besitzen unterschiedliche Charakteristika im Bezug darauf, wie leicht sie Fett speichern, wie leicht sie Fett abgeben, usw.Im Allgemeinen gibt es klare Geschlechtsunterschiede, die sich im Lauf der Pubertät zeigen, was darauf hin deutet, dass die Sexualhormone eine Rolle dabei spielen, wie sich Fettzellen entwickeln. Und da ist sehr viel Wahres dran. Es stellt sich heraus, dass wenn man eine Fettzelle aus dem Oberschenkel eines Mannes und dem Oberschenkel einer Frau nimmt, diese funktionell identisch sind und sich im Grunde genommen physiologisch nicht voneinander unterscheiden – und das, obwohl der Mann im Allgemeinen extrem niedrige Östrogenspiegel aufweist.
Der Unterschied besteht in der Praxis darin, dass Männer im Allgemeinen kein Fett in ihren Beinen speichern, während Frauen dies tun (d.h. die Fettzellen im Bein eines Mannes sind leerer als die im Bein einer Frau). Wie ich bereits zuvor erwähnt habe, haben Männer, die Fett am Unterkörper speichern, dieselben Probleme wie sie Frauen haben, wenn es darum geht, dieses Fett wieder loszuwerden. Doch die meisten Männer speichern keine großen Mengen an Fett im Unterkörper.
Dasselbe gilt für das viszerale Fett oder Bauchfett bei Frauen im Vergleich zu Männern. Das viszerale Fett/Bauchfett von Frauen unterscheidet sich nicht vom viszeralen Fett/Bauchfett von Männern, obwohl Frauen nur sehr niedrige Testosteronspiegel besitzen. Deshalb wird eine Frau normalerweise nicht viel Fett in diesen Fettzellen speichern.
Dies legt nahe, dass Fettzellen in unterschiedlichen Bereichen des Körpers (welche sich bei Männern und Frauen wiederfinden; der Unterschied besteht darin, wo Männer und Frauen Kalorien im Erwachsenenalter speichern) unterschiedliche Charakteristika aufweise, die unabhängig von den Hormonspiegeln sind. Während die Hormonspiegel also beeinflussen können, wohin die verzehrten Kalorien transportiert werden, kontrollieren sie nicht wirklich die zugrundeliegende Physiologie der Fettzellen. preview
Was im Grunde genommen der Grund dafür ist, dass eine Blockierung des Östrogens das Problem mit dem Fett am Unterkörper nicht löst. Die Fettzellen des Unterkörpers agieren unabhängig davon, ob Östrogen präsent ist oder nicht auf eine bestimmte Art und Weise – sie sind genetisch darauf programmiert so zu agieren. Selbiges gilt für das Fett im Bauchbereich. Unabhängig von den Testosteronspiegeln sind sie darauf programmiert, auf eine bestimmte Art und Weise zu agieren. Jetzt ist es an der Zeit zu lernen, was diese Programmierung ist und was hartnäckiges Fett hartnäckig macht.
Adrenozeptoren
Man sollte sich nach der Lektüre von Kapitel 5 daran erinnern, dass es zwei Typen von Adrenozeptoren gibt, die nicht nur den Stoffwechsel der Fettzellen sondern auch den Blutfluss in die Zelle und aus der Zelle heraus kontrollieren. Beta-Rezeptoren können als die "guten" Rezeptoren angesehen werden, die die Lipolyse und die Durchblutung des Fettgewebes steigern. Im Gegensatz hierzu sind Alpha-Rezeptoren ausgesprochen schlecht, da sie die Lipolyse und die Durchblutung des Fettgewebes hemmen.Warum spielt das eine Rolle? Unterschiedliche Bereiche des Körpers weisen unterschiedliche Verteilungen von Alpha-2 und Beta-2 Adrenozeptoren auf und dies beeinflusst in großem Umfang, wie gut oder schlecht Fett in diesen Bereichen mobilisiert und von diesen Bereichen weg transportiert werden kann.
Das extremste Beispiel hierfür ist das Fett im Bereich des Unterkörpers (Hüften und Oberschenkel), welches Untersuchungen zufolge etwa neunmal so viele Alpha-2 Rezeptoren wie Beta-2 Rezeptoren aufweist. Einige Untersuchungen legen nahe, dass das Bauchfett von Männern eine höhere alpha-2 Rezeptor Dichte aufweist, auch wenn dies nicht so schlimm wie beim Unterkörperfett ist. Auch wenn dies nicht untersucht wurde, ist wahrscheinlich auch das Fett im Bereich des unteren Rückens aufgrund einer größeren Anzahl von Alpha-2 Rezeptoren gegenüber liplytischer Stimuli relativ resistent.
Dies ist mit Sicherheit ein Teil des Grundes dafür, dass hartnäckiges Fett hartnäckig ist. Die normalen lipolytischen Stimuli, die Fettsäuren mobilisieren sollten, arbeiten in diesen Bereichen nicht effektiv. Aufgrund der hohen Alpha-2 Rezeptordichte können bestimmte Typen von Training ausgesprochen antilipolytisch sein. Der Leser wird im nächsten Kapitel mehr hierüber lernen.
Dies sollte man mit den Informationen kombinieren, die ich zuvor bezüglich dem, wie Männer und Frauen Fett speichern, präsentiert habe. Der weibliche Körper transportiert Kalorien nach einer Mahlzeit vorzugsweise in das Unterkörperfett, was zusätzlich zu einer möglichen Umverteilung vom Oberkörperfett hin zum Unterkörperfett geschieht. Und trotzdem können diese Kalorien nicht so schnell mobilisiert werden.
Ich erinnere mich daran, dass vor einigen Jahren einige Frauen behauptet haben, dass ihre Beine fetter wurden, während sie am Oberkörper schlanker wurden. Ich habe dies damals als Blödsinn abgetan, doch die oben beschriebenen physiologischen Fakten scheinen diese Idee zu unterstützen. Eine Frau könnte Fett im Bereich des Oberkörpers mobilisieren und gleichzeitig einen Teil dieses Fetts (oder durch die Nahrung zugeführte Kalorien) später am Tag im Bereich des Unterkörpers speichern. Der Oberkörper wird schlanker und der Unterkörper wird fetter.
Durchblutung
Zusätzlich zu Unterschieden bezüglich der Ansprechempfindlichkeit gegenüber lipolytischer Stimuli, werden bestimmte Fettdepots signifikant schlechter als andere durchblutet. Man kann dies selbst testen, indem man einen Bereich des Körpers berührt, an dem man Fett leichter verliert – er sollte sich recht warm anfühlen. Danach sollte man seinen Hintern, seine Hüften oder die Oberschenkel berühren – diese sind wahrscheinlich eiskalt. Studien haben gezeigt, dass die Durchblutung des Unterkörperfetts um bis zu 67% geringer als die Durchblutung des Oberkörperfetts ausfallen kann. Viszerales Fett weist eine extrem gute Durchblutung auf – es schwindet auch sehr schnell. Wenn man seine Hand in den Bauch legen und das viszerale Fett berühren könnte, dann würde es sich wahrscheinlich recht warm anfühlen.Eine schlechte Durchblutung besitzt hier zwei wichtige Konsequenzen. In erster Linie bedeutet dies, dass im Blut transportierte Hormone (wie Katecholamine, die – wie man sich erinnern sollte – sowieso nicht gut wirken) nicht zu den Fettzellen gelangen können. Zweitens macht es eine schlechte Durchblutung schwerer, mobilisiertes Fett von den Fettzellen wegzutransportieren, so dass es an anderer Stelle verbrannt werden kann.
Warum die Durchblutung so schlecht ist, ist nicht gut untersucht. Ein Teil hiervon könnte ganz einfach mit einer geringeren Anzahl von Blutgefäßen zusammenhängen und Bildstudien zeigen in diesen Bereichen sehr wenige Blutgefäße. Darüber hinaus scheinen die Blutgefäße im Unterkörper mehr Alpha-Rezeptoren als Beta-Rezeptoren aufzuweisen, was dieselben Konsequenzen für die Lipolyse hat. Mehr Alpha-Rezeptoren bedeuten eine stärkere Verengung der Blutgefäße und eine geringere Weitung der Blutgefäße, was in einer schlechteren Durchblutung resultiert.