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Es wird Sommer, im Mai machen die Freibäder auf und es wiederholt sich das alljährliche Spiel: Unzählige junge Männer stellen fest, dass es mit der erstrebten Strandfigur nicht so weit her ist. Wie also in den verbleibenden 2-3 Monaten den Speck vom Bauch weg bekommen und dabei noch dicke Arme, eine massive Brust, breite Schultern und einen Stiernacken bekommen?

Die Lösung erscheint vielen offensichtlich der Gebrauch von anabol androgenen Steroiden (AAS) zu sein. Klingt ja auch erst mal toll: Testosteron, das männliche Sexualhormon! Und liest man sich die ihm zugeschriebenen Eigenschaften durch (sofern dies überhaupt geschieht), bestärkt dies das Vorhaben noch: Das Wunderhormon baut Muskeln auf und verbrennt Fett. Grandios oder? Da man aber noch Fragen bezüglich der Anwendung hat, werden diverse Internetplattformen befragt und man stellt irritiert fest, dass einem all die Leute da davon abraten. Haben die nun alle keine Ahnung oder wollen einem dieses tolle Wundermittel vorenthalten? preview

Nein, denn ganz so einfach ist die Sache dann halt doch nicht. Vorweg: Der Missbrauch von AAS ist unter allen Umständen potentiell gesundheitlich gefährlich und kann schwerwiegende Nebenwirkungen und Folgeerkrankungen mit sich bringen.

Aber zurück zu unseren jungen Männern und ihren Träumen von prallen Muskeln, Six Packs und haufenweise Frauen, die ja bekanntlich ganz enorm auf muskulöse Körper abfahren (oder auch nicht, aber das soll hier nicht das Thema sein). Was sind also die Gründe, aus denen die bösen Menschen davon abraten, mit etwas exogen zugeführten Hormonen nachzuhelfen? Um das zu veranschaulichen, ein fiktiver Post:

    "Hi zusammen.

    da ich bis zum Sommer noch schnell dicke Muskeln bekommen will und auch noch Fett verlieren will, hab ich mir von nem Kumpel 4 Ampullen Testo, 3 Ampullen Deca und noch 100 Thais besorgt. Wie soll ich die am besten nehmen?

    Zu mir: 17 Jahre, 170cm, 57kg, trainiere seit 9 Monaten intensiv jeden Tag (Brust & Bizeps, Schultern & Trizeps, Rücken & Bauch) und ernähre mich auch anständig (jeden Tag 3 Shakes, insgesamt mind. 2000kcl).

    Bitte um Hilfe!"
Was fällt uns nun an diesem Post auf? Zunächst einmal das Alter. Mit 17 ist beim Mann das Knochenwachstum noch nicht abgeschlossen, der Missbrauch von AAS kann aber mit großer Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass sich die Epiphysenfugen schließen, das Wachstum wird damit vorzeitig beendet.

Na gut, mag nun mancher denken: Ich bin mit meiner Größe zufrieden, also was jucken mich Wachstumsfugen. Für all diejenigen geht es nun weiter im Text. Bis sich das Hormonsystem nach den "Wirren" der Pubertät stabilisiert, dauert es ein paar Jahre. Das hat zur Folge, dass in der Regel frühestens mit 21 Jahren der Hormonhaushalt ein Gleichgewicht gefunden hat. Greift man vorher in diesen Haushalt ein, kann das, auch bei "sachgemäßer" Anwendung, irreversible Folgen haben.

Die Achse reagiert interindividuell unterschiedlich auf exogene Eingriffe. Nur weil Konsument A folgenlos gekurt hat, heißt das noch lange nicht das, das es bei jedem folgenlos bleibt. Achsenschäden können zwar minimiert, aber niemals auch bei richtiger Anwendung komplett ausgeschlossen werden und die daraus resultierenden Konsequenzen können irreversibel ein Leben lang bestehen bleiben - vermindertes Muskelwachstum - Erektionsprobleme- Libidoverlust sollten jedem zu denken geben.

Mit dem nächsten Punkt greifen wir einen anderen wesentlichen Aspekt auf: geistige Reife. Man sollte sich bewusst sein, dass wir hier nicht von ein paar Vitamintabletten reden, sondern von pharmazeutischen Präparaten, die, wie bereits ansatzweise angedeutet, massive Nebenwirkungen haben können. Dies sollte man sich, trotz jugendlichem Übermut, immer bewusst machen, denn eine sehr große Gefahr ist auch die psychische Abhängigkeit, entstehend aus der Angst vor Verlusten beim Absetzen und der fixen Idee, das ganze Jahr über top in Form sein zu müssen.

Unabhängig vom Alter fallen aber noch weitere Missstände auf: 170cm und 57kg. Egal wie niedrig hier der Körperfettanteil ist, das ist meilenweit entfernt von dem, was man gern als"natürliches Limit" bezeichnet, sprich: dem, was man ohne Zuhilfenahme pharmazeutischer Mittel erreichen kann.

Es mag sein, dass der Gebrauch von AAS die Fortschritte beschleunigt (sofern andere Missstände behoben werden), die Frage ist aber zu welchem Preis, denn man überspringt so Phasen, in denen man natürlich hätte gute Fortschritte erzielen können.

Weiter im Text: Trainingsdauer. 9 Monate Training, das ist im Grunde gar nichts. Wenn überhaupt, erreicht man sein natürliches Limit nach vielen Jahren harten und kontinuierlichen Trainings, dieser Sport ist eben kein Sprint, sondern ein Marathon.

Was viele auch ignorieren: AAS sind kein Allheilmittel. Gegen schwachsinnige Trainingspläne und mangelhafte Ernährung vermag kein Wirkstoff der Welt etwas auszurichten. Vielmehr kann man solchen Leuten prognostizieren, dass sie eventuelle Gewinne nach dem Absetzen schneller verlieren, als sie glauben. Und dafür diese Risiken?

Zu guter Letzt: Information. Wer überhaupt mit dem Gedanken spielt, solche massive Eingriffe in das eigene Hormonsystem vorzunehmen, sollte doch zumindest so clever sein, sich vorher zu informieren und nein, den Studiodealer fragen hat mit informieren nichts zu tun. Ich rede hier von wissenschaftlicher Literatur, aber halt, das ist ja aufwändig…

Fassen wir all das zusammen, sehen wir, dass der Gebrauch von AAS in solchen Fällen erstens gesundheitlich unverantwortbar ist und zweitens wohl kaum zu dem erhofften Erfolg führen wird. Der Weg zu diesem ist so leicht wie steinig: Hartes, kontinuierliches Training über lange Zeit in Verbindung mit angemessener Ernährung und ausreichender Regeneration. Aber noch einmal zum Schluss: Das bedeutet bitte nicht, dass all die, die nicht unter die oben genannten Kategorien fallen, hiermit bedenkenlos zu AAS greifen sollten. Diesbezüglich nur noch kurz eine kleine Liste von möglichen Nebenwirkungen:
  • Leberschäden, bis hin zu Krebs (bei oral aktiven AAS)
  • Erhöhter Blutdruck, Verschlechterung der Blutfettwerte und Herzmuskelhypertrophie und damit Risiken für das cardiovaskuläre System
  • Störung des Hormonhaushalts
  • Verhaltensänderungen und andere psychischen Nebenwirkungen
  • Akne
  • Hodenatropie
  • Gynäkomastie
  • Haarausfall
  • Virilisierung bei Frauen
  • Vorzeitige Verknöcherung der Wachstumsfugen
Vielen Dank an maddox für die wissenschaftliche Beratung!

Hinweis des Autors: Gerne bieten wir auch eine individuell auf euch zugeschnittene Betreuung an. Alle Informationen hierzu findet ihr unter www.ironhealth.de! Ihr habt Fragen? Dann kontaktiert uns doch einfach unter info@ironhealth.de!