
Tagein, tagaus dasselbe Leid. Trainingsanfänger xy meldet sich in einem Studio an, bekommt eine hochkompetente Einweisung und ist happy. Zu Hause dann informiert er sich noch ein wenig, weil er ja motiviert ist und landet so auf Andro. "Toll!" denkt er sich und meldet sich fix an, um seinen Plan vorzustellen. Er geht sich einen Eiweißshake mit hochwertigem Eiweißpulver aus dem Studio für günstige 20€ für 500g machen, kommt wieder und was muss er da sehen? Der Plan wird in der Luft zerrissen! Was ist da geschehen?
Immerhin hat der Trainer doch so ein tolles buntes Zertifikat und weiß in der Theorie auch, wie eine Hantel aussieht. Der muss doch Ahnung haben, sonst wäre er doch kein Trainer. Schon seltsam. Aber sollten all diese Leute, teils mit unfassbar klingenden Körper- und Kraftwerten, denn Unrecht haben? Verwirrung macht sich breit. Es wird nachgefragt und irgendwie erscheint all das, was im Gespräch mit dem Trainer logisch erschien, auf einmal gar nicht mehr so logisch. Nun wird ihm ein ganz anderer Plan empfohlen und noch schlimmer: Auf die Ernährung soll geachtet werden und das Eiweiß wäre überteuert…
Zwei Tage später meldet sich der User wieder. Er war im Studio, hat den Trainer mit dem ihm empfohlenen Plan konfrontiert. Dieser, um keine noch so dümmliche Antwort verlegen, schweift aus, verweist auf seine Trainerlizenz, seine eigenen Erfolge inkl. 36er Oberarm und 25 Wiederholungen Kurzhanteldrücken auf dem Gymnastikball mit den Beinen auf einer Bank mit unfassbaren 7,5kg Kurzhanteln. Folge: Noch mehr Verwirrung!
Was ist denn da nun los in den deutschen Studios? Sind die Trainer nun wirklich so inkompetent oder haben all die Internethelden einfach keine Ahnung. Antwort: Beides! Aber lasst mich das erklären: preview
Fitnesstrainer ist keine geschützte Berufsbezeichnung in Deutschland, also kann sich jeder Otto mal eben Fitnesstrainer nennen. "Aber die Lizenzen!" mag nun manch einer schreien.
Ich habe selbst Lizenzen dieser Art und ich kann dazu nur eines sagen: Das ist ja alles ganz putzig und man bekommt etwas theoretischen Background, aber damit allein ist es nicht getan. Und genau da trennt sich die Spreu vom Weizen. Um durch die Prüfung zu kommen, braucht man den IQ eines Berggorillas und muss ein wenig lernen, dann sollte das zu machen sein. Die größere Hürde ist da die Kursgebühr. Ohne eigene Trainingserfahrung und autodidaktischem Lernen ist das alles völlig sinnlos. Ein guter Coach hat eigene Trainingserfahrung und hat sich über seine "Ausbildung" hinaus intensiv mit dem Thema beschäftigt und bringt sich immer wieder auf den neuesten Stand. Dafür sind aber die meisten zu faul und daher gibt es dann den 08/15-Plan, bei dem man nach 20 Minuten wieder Kaffee trinken kann oder die Cardiomiezen anbaggern geht. Einfach und simpel, könnte auch ein Fünfjähriger!
Einzig in einem Punkt muss man viele Trainer in Schutz nehmen: Oftmals werden strenge Vorgaben von der Studioleitung gemacht. Aus der Sicht eines Betreibers einer kommerziellen Anlage sieht das nämlich so aus: Der Kunde soll sich nicht allzu lange im Studio aufhalten, keine großen Kosten verursachen (Trainerstunden) und sich vor allem nicht verletzen, dabei möglichst aber noch viel Geld im Haus lassen. Je nach Gewichtung kommen dann diese interessanten Konstrukte (ich vermeide in diesem Zusammenhang den Begriff Trainingsplan bewusst) dabei heraus.
Also stur auf das Internet hören? Auch hier wäre ich vorsichtig! Das Netz ist eine Sammelstelle von Internethelden. Ohne die Person am anderen Ende der Leitung zu kennen, kann man wenig über seine Qualifikation wissen. Nur weil jemand im Profil stehen hat, dass er 500kg auf der Bank drückt und 60er Oberarme hat, muss das noch lange nicht stimmen. Selbst Texte von bekannten Coaches sind streitbar, wie man oft in den Diskussionen zu deren Artikeln sieht. Das ist die Krux mit dem Kraftsport: Des Ganze basiert zwar auf anatomischen, physiologischen, biomechanischen und sportwissenschaftlichen Grundlagen, doch führen viele Wege nach Rom.
"Welchen Sinn machen denn dann Musterpläne?" wird nun manch einer fragen. Nun ja, diese entstammen dem Erfahrungsschatz der Teammitglieder, wobei auch das nicht heißt, dass jedes Teammitglied in allen Bereichen die gleiche Meinung vertritt. In der Quintessenz kommt dann aber so etwas wie die Musterpläne heraus und diese funktionieren für weit über 90% der Trainierenden auch sehr sehr gut. Erfahrungsgemäß weit besser als das, was irgendwo ein Quacksalber im Studio verzapft.
Ich schreibe das hier als Trainer und Moderator, kenne also beide Seiten und kann aus der Perspektive nur folgende Empfehlung aussprechen: Entweder, Ihr wendet Euch an ein kompetentes Studio; bei ambitionierten Trainierenden sind das in der Regel Verbandsstudios, die einen wirklich kompetent beraten und dennoch ihre Grenzen kennen (bei medizinischen Fragen beispielsweise)! Das kostet vielleicht 10€ mehr im Monat als das Training in der gelben Banane und das Unterhaltungsprogramm fällt weg, aber man ist in der Regel in guten Händen.
Unabhängig davon, ist es immer eine gute Idee, sich selbständig zu informieren und kritisch zu hinterfragen. Nutzt das geballte Wissen, das in unserem Portal steckt, aber nicht, ohne sich vorher ein paar Gedanken dazu gemacht zu haben und lieber 3x nachzufragen!
Hinweis des Autors: Gerne bieten wir auch eine individuell auf euch zugeschnittene Betreuung an. Alle Informationen hierzu findet ihr unter www.ironhealth.de! Ihr habt Fragen? Dann kontaktiert uns doch einfach unter info@ironhealth.de!