Ein Artikel von Bodybuilding.com
von Bob Cicherillo

Alles sah gut für den dritten Wettkampf der Wettkampfsaison 2004 aus…die San Francisco Pro. Nach einem Auftritt beim Ironman bei dem wir mit einigen Kohlenhydratladetechniken experimentiert hatten, die weniger herausragende Resultate hervor brachten und einem besseren Auftritt bei den Arnold Classics gegen ein weitaus härteres Teilnehmerfeld, sollte mein bester Auftritt (und meine beste Chance auf eine Qualifikation für die Mr. Olympia) in t minus 48 Stunden stattfinden. preview

Freitag, 12. März

Einer der netten Vorzüge davon in Kalifornien anzutreten, bestand darin, dass ich dort lebe…was die Vorbereitung sehr viel leichter machte. Wir, meine Freundin Brenda Kelly und ich, nahmen das Flugzeug nach Oakland, Kalifornien. Am Freitag, den 12. März um 14:00 Uhr ging es los. Ich hatte die letzten 5 Tage in der Absicht so trocken wie menschenmöglich auf die Bühne zu kommen, mit kohlenhydratentladen verbracht...

Nicht einmal der Kampf gegen die Grippe seit der Landung in Columbus würde mich davon abhalten mein Ziel zu erreichen. Alles in allem bin ich ein Profi. Ich bin sehr stolz darauf, alle Rückschläge, Hindernisse, Krankheiten, usw. zu überwinden, wenn ich mich auf einen Wettkampf vorbereite – es ist ganz einfach Teil des Spiels. Es ist das, was die Männer von den Jungs trennt, die Champions von den Verlierern.

Abgesehen von der verstopften Nase und dem dumpfen Gefühl im Kopf hatte mein alter Freund Sudafed alles unter Kontrolle…und ich sah gut aus, verdammt gut. Wir checkten im Hotel ein und gingen dann ins Restaurant, um zu Abend zu essen. Brenda fühlte sich nicht besonders gut, weshalb wir das Abendessen abkürzten, so dass sie sich etwas hinlegen konnte. Ich musste am Meeting der Athleten teilnehmen, um meine Startnummer, die Tickets und den Tagessatz, den wir als Wettkampfteilnehmer bekommen, zu erhalten. Ich traf einige der Jungs auf dem Weg dorthin und wir alle nahmen am Meeting teil.

Anschließend ging ich zurück nach oben, um meine geplante Mahlzeit zu mir zu nehmen. Nach dem Essen und dem letzten Wasser, das an diesem Abend erlaubt war, trugen wir einige Schichten Olympic Tan (ein Bräunungsmittel) auf und erfreuten uns an der guten Form, die ich zeigte. Nach meiner Abschätzung lag ich bei 97 bis 98 Prozent meiner möglichen Bestform. Ab 21:00 beendete ich meinen Wasserkonsum und nahm eine kleine Dosis eines Diuretikums ein. Das sollte alles sein, was ich brauchte, um am nächsten Morgen hart, trocken und mit vollen Muskeln aufzuwachen. Um 1:00 Uhr morgens nach nicht allzu vielen Abstechern auf die Toilette entschloss ich mich dazu, eine weitere Dosis Diuretika einzunehmen, um auf der sicheren Seite zu sein. Das sollte sich später böse rächen.

Samstag, 13, März

Nach einer ruhelosen Nacht – was für die meisten Wettkämpfer vor einem Wettkampf nichts Ungewöhnliches ist, wachte ich am frühen Samstagmorgen auf. Ich war knochentrocken und in keinster Weise flach oder ausgelaugt. Es kümmerte mich nicht das Geringste, dass ich nieste, meine Nase lief und dass ich so durstig war, wie man nur sein konnte. Ich war trocken! Es gab keinen Zweifel daran, dass ich um einen der ersten drei Plätze, eine Olympiaqualifikation und vielleicht sogar um meinen ersten Profititel kämpfen würde.

Auch wenn ich toll aussah, war irgendetwas nicht in Ordnung. Ich konnte nicht genau sagen, was es war, doch es war da. Ich hatte nicht besonders viel Energie, doch es war ja auch mein dritter Wettkampf in Folge mit Fototerminen dazwischen. Ich fühlte mich nicht unbedingt toll, doch das ist im Allgemeinen so, wenn man während der letzten 12 Stunden keine zwei Gläser Wasser getrunken hat. Ich fühlte mich lethargisch, doch was sollte man anderes erwarten, wenn man während der letzten Woche entladen hat?

Nun, ich sah aus wie eine Million Dollar und fühlte mich wie 100. Ich machte mir eine Schüssel Haferflocken und etwas Steak, doch seltsamerweise war ich nicht besonders hungrig und aß nicht einmal die Hälfte meiner Haferflocken. Etwa eine halbe Stunde später begann ich mich etwas mulmig zu fühlen – kein gutes Zeichen, es hätte die Grippe sein können, oder das, was Brenda am Abend zuvor hatte oder etwas Schlechtes, das ich gegessen hatte.

Ich wusste es nicht und es war mit auch egal, doch was immer es war, ich konnte es nicht unterdrücken. Ich übergab mich und meine Bauchmuskeln begannen sich zu verkrampfen – kein gutes Zeichen. Dies war nicht mein erster Wettkampf und ich vermutete, dass ich dehydriert war und etwas Wasser mir wahrscheinlich gut tun würde. Ich trank ein halbes Glas Wasser und ein oder zwei Schluck Sprite Light, um den Magen zu beruhigen. Eine weitere halbe Stunde später wiederholte sich das Ganze, die Bauchmuskeln verkrampften sich – irgendetwas ging verdammt schief. Ich trank noch etwas Wasser und nahm einige Elektrolyttabletten ein.

Aufwärmraum oder Notaufnahme?

Brenda und ich diskutierten darüber, ob ich es zum Wettkampf schaffen würde oder nicht. Obwohl etwas meinen Magen durcheinander brachte, sah ich toll aus. Wir verpassen den Bus zur Vorausscheidung, um etwas Zeit zu gewinnen, während der ich mich hinlegte und versuchte mich zu sammeln. Ich bin müde, so verdammt müde, ich möchte einfach nur die Augen schließen. Wir warten bis 13:30 (eine halbe Stunde vor Beginn des Wettkampfs) und ich entschloss mich dazu mich durchzukämpfen.

Bevor ich überhaupt bis zum Taxi kam, musste ich mich erneut übergeben. Vielleicht ist es ja jetzt aus meinem Körper? Ich fühlte mich tatsächlich etwas besser, als mir die frische Luft ins Gesicht blies, während wir den 5 Minuten Trip zum Auditorium machten. Als wir dort ankamen, riefen mir Leute zu, dass ich Backstage gehen sollte, da der Wettkampf in 10 Minuten beginnen würde.

Mir hätte das alles nicht unwichtiger sein können und ich fühlte mich wie der aufgewärmte Tod. Wir gehen Backstage, ich ziehe mich aus, öle mich ein und versuche die Durchblutung etwas in Gang zu bringen. Ich befinde mich auf Planet 24 und muss mich zu diesem Zeitpunkt anstrengen, um gerade stehen zu können.

Ich werde aufgerufen und verwende all meine Schauspielkünste darauf, ein Lächeln aufzusetzen und nicht zu zeigen, dass ich mich hundeelend fühle. Nachdem ich meine Posen gezeigt hatte, setze ich mich hinter der Bühne mit einem kalten Handtuch um den Kopf hin und versuche nicht umzufallen.

Ich gebe Brenda von der Bühne aus Zeichen mit einen Elektrolytgetränk, etwas zu trinken, IRGENDWAS zu besorgen.

Sie kommt hinter die Bühne und ich trinke etwas eine halbe Flasche von der Mischung. Es muss doch helfen und kann doch mit Sicherheit nicht schaden, oder? Wir wussten es nicht.

Ich schaffte es irgendwie die Vorausscheidung gerade so zu überstehen. Ich glaube, dass der oberste Kampfrichter (John Kemper) sehen konnte, dass ich zu kämpfen hatte und obwohl er mich für die nächste Runde qualifizierte, ließ er mich nicht mehrfach hintereinander posen. Gott sei dank! Ich weiß wirklich nicht, ob ich 2 oder 3 Runden am Stück durchgestanden hätte – wahrscheinlich wäre ich mitten auf der Bühne zusammengebrochen.

Von schlecht nach schlechter

Danke meine Herren, wir sehen uns heute Abend! Es war Musik in meinen Ohren, während ich von der Bühne taumelte. Jemand besorgte mir etwas Gatorade und ich trank die Hälfte davon. Nicht mehr als 5 Minuten später kam mir alles wieder hoch. Meine Bauchmuskeln verkrampften sich erneut…dieses Mal ging der Krampf nicht wieder weg. Einer der Jungs, der im Backstage Bereich aushalf, war Jose Garcia, ein Therapeut und Chiropraktiker, der alles versuchte, was er konnte, um meine Bauchmuskeln zu entkrampfen – ohne Erfolg!

Wir alle kamen zu der Schlussfolgerung, dass ich ernsthaft dehydriert war und Pedialite benötigte. Jose geht über die Straße und besorgt welches. Ich nehme einige Verschlusskappen davon, um meinen Körper daran zu gewöhnen, warte einige Minuten und trinke dann ein bisschen davon. Was sich noch an Flüssigkeit in meinem Körper befand, kam innerhalb der nächsten Minute heraus. Ich wusste genug, um zu erkennen, dass ich, wenn ich nicht einmal mehr Pedialite (welches für Kinder gedacht ist) vertrug, in ernsthaften Schwierigkeiten steckte.

Zu diesem Zeitpunkt machten sich die Leute Gedanken, da etwas wirklich nicht in Ordnung war. Dies war keine gewöhnliche alltägliche Dehydration. Es war an der Zeit einen Krankenwagen zu rufen. Die Sanitäter kamen innerhalb weniger Minuten und führten die grundlegenden Untersuchungen – Herzfrequenz, Blutdruck, usw. – durch und dann hörte ich einen der Jungs sagen Wir müssen ihn von hier weg bringen – SOFORT!

Sie schnallten mich auf der Trage fest – im Posingslip, eingeölt mit der Startnummer an der Hose – und brachten mich in den Krankenwagen. Sie legten mir sofort eine Infusion, um den Hydrationsprozess in Gang zu bringen und nach wenigen Minuten kamen wir in der Notaufnahme des Alameda Krankenhauses an.

Nachdem sie mit etwas Blut abgenommen und die Standarduntersuchungen in der Notaufnahme durchgeführt hatten, kam der Arzt nach einiger Zeit zurück. Er stellte mir die grundlegenden Fragen über meine Vorbereitung, Diuretika, usw. Ich fragte ihn, ob ich rechtzeitig für die Show am Abend wieder aus dem Krankenhaus käme.

Vom Schlimmsten zu schierer Angst

Was denken Sie Doc, können Sie mich wieder hydrieren, bevor das Finale beginnt? fragte ich so, wie dies jeder wahre Bodybuilder tun würde. Nun, das Problem besteht an diesem Punkt nicht in der Hydrierung. Ihre Kalium/Kreatinin Spiegel sind so hoch, dass jederzeit Herzrhythmusstörungen einsetzen können.

Ich fragte ihn, was das bedeutete. Er antwortete Dies bedeutet, dass Sie jederzeit einen Herzinfarkt erleiden können. Der Kaliumspiegel war HOCH? Ich hatte gedacht, dass er niedrig sein würde.

Wie hoch ist der Kaliumspiegel?
Nun, er liegt bei 70.
Was ist normal?
Sagen wir so, Sie hätten bereits Probleme, wenn er bei 45 liegen würde.


Was???

Hatte er gerade das gesagt, was er gesagt hatte? Wie konnte das sein? Nicht nur, dass mein gesamtes System herunterfuhr, da ich so stark dehydriert war.

Sorry, mein Freund, doch Sie werden das Finale heute nicht schaffen. Sie werden noch 3 bis 5 Tage bei und bleiben müssen.
Brenda, hat er gerade 3 bis 5 Tage gesagt?
Ja, ich befürchte der einzige Weg Ihren Körper wieder richtig zum Arbeiten zu bringen und ihre Kalium/Kreatinin Spiegel so weit zu senken, dass Sie sich nicht mehr in der Gefahrenzone befinden, besteht darin, Ihren Körper durchzuspülen.


Und genau das taten sie. Drei Tage und 22 Beutel Infusionslösung später war alles wieder im grünen Bereich und mein Körper funktionierte wieder so, wie er sollte. Das Ganze war schon beängstigend. Es war ein surrealistisches Erlebnis ernsthaft in Gefahr zu sein – in Lebensgefahr!

Was ging wann schief?

Was lief also schief und wann nahm ich die falsche Abzweigung? Offensichtlich irgendwann zwischen 1:00 Uhr und 8:00 Uhr am Samstagmorgen. Ich überschritt die Linie der Dehydration und erreichte den Point of no Return, ab dem das in Gang gesetzte nicht mehr zu stoppen war. Wie? Nun, es handelte sich um eine seltene Kombination, die ich noch nie in der Vergangenheit erlebt habe und die ich auch hoffentlich nie mehr erleben werde.

Es gab eine ganze Reihe von Faktoren, die zusammenkamen und den perfekten Sturm der Dehydration schufen.

Drei Wettkämpfe in Folge, das Ankämpfen gegen die Grippe, die Einnahme von Sudafed gegen die Symptome der Grippe, die Einnahme von zwei Dosierungen Diuretika, die 5 zusätzlichen Entladetage nach den ASC – all dies trug dazu bei, die Situation zu verschlechtern. Der beängstigende Teil ist jedoch, dass es kein rotes Warnlicht im übertragenen Sinn gibt, wenn man die Linie überschritten hat. Man denkt, dass man dehydriert ist und nimmt deshalb Flüssigkeit zu sich, richtig? Man denkt, dass man dehydriert ist und nimmt deshalb Kalium, Kalzium und andere Mineralstoffe zu sich, richtig?

Unglücklicherweise geht der Körper in einen Schutzmodus über, der eine Ausscheidung von weiterem Kalium, usw. verhindert, während man gleichzeitig diese Mineralstoffe zuführt. Das ist ungefähr so, als ob man Benzin ins Feuer gießt. Da ich zuvor noch nie Probleme mit einer Dehydration hatte, erkannte ich das offensichtliche Zeichen (das ich jetzt nur zu gut kenne) nicht. Sich zu übergeben ist das Zeichen des Körpers dafür, dass er nichts weiteres mehr möchte und ansonsten seine Funktionen herunterfährt, was zu weitaus größeren Problemen führt. Da ich gerade mit der Grippe kämpfte, dachte ich, dass es etwas damit zu tun haben könnte oder mit etwas, das ich gegessen hatte oder irgendetwas anderem.

Wenn sich irgendwer am Morgen vor einem Wettkampf in einer vergleichbaren Situation befindet, dann gibt es nur eine Möglichkeit: sofort aufhören. Man sollte versuchen so schnell wie möglich in ein Krankenhaus zu kommen, um eine Hydrierung zu erreichen, bevor der Körper beginnt seine Funktion herunterzufahren und man ernsthaft in Gefahr gerät. An diesem Punkt sollte man die Show vergessen und sich lieber darum kümmern weiter zu leben, um an einem anderen Tag erneut antreten zu können. Wenn man früh genug mit der Behandlung beginnt, dann kommt man vielleicht mit ein paar Infusionen davon und alles ist in Ordnung. Wenn man zu lange wartet, könnte es hingegen zu spät sein.