Vor einigen Tagen kam jemand im Studio auf sich zu und erzeugte einen dieser besonderen Momente, die einem im Gedächtnis bleiben: Vor gut drei Monaten unterhielt ich mich mit derselben Person und wir kamen darauf, dass er einfach nicht weiter zunehmen würde. Um dem Leser etwas zu veranschaulichen, mit wem ich sprach: Der Typ wog knapp über 70kg auf eine Größe von 176cm und war der Überzeugung, dass er trotz großer Mengen an Nahrung nicht weiter zunehmen würde.

Ich antwortete ihm, dass er, selbst wenn er der Überzeugung wäre, bereits viel zu essen, einfach noch nicht genug isst und die Antwort darauf war die gleiche, wie immer: Sinngemäß machte er deutlich, dass er jetzt doch bereits Unmengen an Nahrung essen würde und er sich kaum vorstellen könnte noch mehr zu sich zu nehmen. Ein paar Sätze weiter stellten wir beide fest, dass er zwar durchaus ein großes Mittag hatte, die anderen Mahlzeiten jedoch eher klein waren oder ganz ausfielen.

Wir unterhielten uns kurz weiter über das Thema und ich gab ihm den Ratschlag, einfach mehr zu essen, und als Nachschlag gab es die Garantie von mir dazu, dass er dann auf jeden Fall zunehmen würde.

Das Ganze ist nun, wie eingangs beschrieben, fast drei Monate her und ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass wir noch einmal auf das Thema kommen würden, geschweige denn, dass er meinen Ratschlag ernsthaft versucht hätte. Doch, was soll ich sagen, der Typ tat es tatsächlich und erzählte mir nun stolz, dass er Dank meines Ratschlages die letzten Monate einige Kilogramm aufbauen konnte. Er findet zwar immer noch, dass er bereits zuvor viel gegessen hätte, aber er verstand nun, dass er einfach noch mehr essen müsste.

Ich habe mir diese Geschichte nicht ausgedacht, aber sie stellt dennoch die perfekte Lösung eines Problems dar, was viele junge Trainierende ohne Zweifel beschäftigt: Wenn man der Meinung ist, dass man bereits viel isst und dennoch nicht zunimmt, hat man entweder ein Schilddrüsenproblem, sollte so langsam einen Namen für seinen Bandwurm suchen oder isst ganz einfach noch nicht genug.

Die legitime Frage lautet nun jedoch, wie man das Problem, dass es einem schwer fällt mehr zu essen, entgegen treten kann. preview

Die erste simple Möglichkeit wäre seine Ernährung durch einige Shakes zu ergänzen. Ich rede dabei nicht zwangsläufig von simplen Eiweißpulver in Wasser und noch weniger von den Milch-Shakes, wegen denen man überhaupt zu diversen Burgerketten fährt. Die Leute haben diesbezüglich oftmals zu wenig Phantasie. Quark, Joghurt, Beeren, Schmelzflocken, Nüsse, Leinsamen und verschiedene Pulvergeschmäcker können dafür sorgen, dass man schnell und einfach etliche Kalorien in sich hinein schütten könnte und dabei trotzdem noch geschmacklich Abwechslung hat.

Eine andere Möglichkeit stellte der amerikanische Autor Chris Shugart in einem seiner Artikel vor: Schnapsgläser mit Öl über den Tag verteilt. Würde mein Name Charles Poliquin lauten, so müsste ich an dieser Stelle selbstverständlich auf den Gebrauch von Fischöl bestehen, da ich aber weder Kanadier bin, noch Poliquin heiße, lass Dir gesagt sein, dass das gute, alte Olivenöl auch seinen Zweck erfüllt und günstiger im Einkauf ist.

Drei Schnapsgläser über den Tag verteilt entsprechen knapp 1000 zusätzlichen sauberen Kalorien, die einem noch nicht einmal ein Völlegefühl geben und wären damit gerade für die Leute, die extreme Probleme haben, genug zu essen, eine sinnvolle Option.

Die beiden Gedanken sind simpel und können dennoch die Lösung dieses Problems sein. Jeder Mensch kann zunehmen. Der eine muss dafür lediglich den Teller voll Reis anschauen, während der andere eben zu drastischeren Maßnahmen greifen muss.