Nein, das ist keine neue Telenovela, auch wenn der Titel äußerst verdächtig danach klingen mag. Und doch geht es um ein Thema, das so gar nicht typisch im Bodybuilding ist: nicht hardcore, nicht testosterondurchtränkt... Es geht um ein Thema, das viele gar nicht im Blickfeld haben, wenn sie sich ihre körperliche Entwicklung vor Augen führen, ihre sportlichen Erfolge. Wenn wir von Erfolgsfaktoren im Sport reden, sprechen wir meist von Intensität und Hingabe im Training, von Disziplin und Konsequenz bei der Ernährung, von der Wichtigkeit regenerativer Faktoren, von der Notwendigkeit von Kontinuität und der Fähigkeit sich immer wieder aufs Neue zu motivieren, ja verdammt, wir philosophieren über die Anwendung afrikanischer Baumrinde zur Stärkung der Glykogenaufnahme und ähnlichem Firlefanz, aber wir scheuen uns davor uns einzugestehen, dass es einen Faktor gibt, der den Erfolg all dieser Bemühungen entscheidend beeinflusst, von dem keiner spricht. Wir wissen um die negativen Einflüsse von übermäßigem Stress auf unsere körperliche Entwicklung, doch wenn wir von Stressfaktoren reden, dann reden wir in aller Regel über unsere Arbeit, die uns viel zu viel Zeit abverlangt, über finanzielle Nöte, die uns belasten, aber wer spricht offen und ehrlich über ernsthafte Emotionen? Doch genau hier, im emotionalen Bereich, in der tiefen inneren Ruhe, die einem emotionale Ausgeglichenheit schenkt, liegt der größte Erfolgsfaktor überhaupt. Ein Erfolgsfaktor, der leider allzu oft übersehen wird, sei es in Zeiten des Erfolges oder des Misserfolges.

Wir Menschen sind soziale Wesen. Auch wenn einige pubertierende Halbstarke und frustrierte Menschen, die große Enttäuschungen erleben mussten, nicht müde werden uns einzutrichtern, dass emotionale Nähe einfach nur den Grad an Verletzlichkeit erhöht, ohne großen Mehrwert zu haben, so wissen auch sie, tief in ihrem Inneren, um die Unsinnigkeit dieser Aussagen. Sicherlich gibt es hier und da ein paar Einsiedler, die mit der Menschenwelt abgeschlossen haben und fortan ihr Glück im einsamen Leben in der Natur suchen, aber das sind zu vernachlässigende Ausnahmen. Tief in uns steckt eine Kraft, die uns antreibt den Kontakt zu anderen Menschen zu suchen, Freundschaften zu schließen, sich zu verlieben. Letzteres kann man sicherlich wieder rein auf biochemische Vorgänge reduzieren, doch ich persönlich denke, dass die Menschen, die das tun, zu bemitleiden sind. preview

Doch was hat das nun mit dem Erfolg im Training zu tun? Wie beeinflusst all dies die eigene Leistung? Ganz einfach: Es macht uns glücklich, gibt uns Sicherheit, sorgt dafür, dass wir uns wohl fühlen. Sicherlich kann Ablehnung auch ein starker Motivator sein, aber wer ständig nur mit Ablehnung konfrontiert wird, den wird es sehr wahrscheinlich irgendwann zermürben. Nicht immer hat man hierauf Einfluss, aber ich denke schon, dass man selbst zu einem hohen Grad verantwortlich dafür ist, wie das engere Umfeld einen sieht. Sicher, es gibt immer verbohrte Menschen, die lästern, statt zu motivieren, Mut nehmen, statt ihn zu geben. Das ist traurig, aber oftmals lässt sich viel Ärger vermeiden, wenn man selbst bewusst mit seinem engeren Umfeld umgeht…vor allem wenn man so ein extrovertiertes und gesellschaftlich eher randständiges Hobby wie Bodybuilding hat.

Der erste und in meinen Augen wichtigste Schritt ist Information. Erwarte nicht, dass Dein Umfeld Dich versteht, Dich unterstützt, wenn Du selbst eigentlich keine Ahnung hast, was Du da tust. Bedenke bitte, dass die meisten es nur - aus ihrer Sicht - gut mit Dir meinen, Angst um Dich haben. Und Menschen neigen nun einmal dazu Dinge, die sich nicht kennen oder verstehen, zu fürchten. Das nicht unbedingt positive Image unseres Sports in der Gesellschaft tut ihr Übriges. Nun musst Du keine Universitätsabschlüsse in Trainings- und Ernährungslehre haben, aber ein solides Grundwissen ist bei einer argumentativen Auseinandersetzung äußerst hilfreich. Doch was nützt das schönste Geschenk, wenn es in benutzten Tempos verpackt wird? Der Ton macht die Musik. Auch wenn Dein Gegenüber Dir mit Unverständnis begegnet, bleib freundlich und sachlich.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Du Deine tagtäglichen Aufgaben souverän und zuverlässig erfüllst. Es ist kein Wunder, dass Deine Eltern nicht auf Dich hören, wenn Du neue Supplements haben möchtest, wenn Du die Schule vernachlässigst und Dein Zimmer einem Feuchtbiotop gleicht. Und ich verstehe Deine Freundin, wenn sie meckert, wenn Du sie regelmäßig versetzt, weil Du erst später ins Training konntest und die Einheit um keinen Preis kürzen mochtest. Und wenn Du nicht gerade zufällig ein Wettkampfathlet kurz vor einer Meisterschaft bist, ist es auch nicht notwendig zur Familienfeier eine Tupperdose mit Thunfisch und Reis mitzunehmen und den ganzen Abend über die Vorzüge von Trainingsprinzip xy zu philosophieren.

Wenn Du diese beiden Punkte berücksichtigst, bist Du auf dem besten Wege ein harmonisches Umfeld zu erschaffen. On top dann hier und da noch einen kleinen Strauß Blumen für die Frau und ein ohne Ermahnung gemähter Rasen für die Eltern und die Welt sieht rosig aus.

Ich bin Wettkampfathlet in einem Sport, der einem in der Diät körperlich, aber auch mental sehr viel abverlangt. Ich weiß, dass ich zu dieser Zeit nicht immer einfach bin, dass ich sicherlich auch einmal über die Stränge schlage. Und ich weiß, dass gewisse Aufgaben, die nicht unbedingt sofort erledigt werden müssen, gerne mal auf die lange Bank geschoben werden. Nicht nur für mich, auch für mein engstes Umfeld, meine Frau, meine Eltern und Schwiegereltern und meine engsten Freunde, ist diese Zeit nicht immer leicht. Und dennoch kann ich mich immer darauf verlassen, dass sie hinter mir stehen, mich unterstützen und mir Kraft geben. In dieser Phase merkt man, welche Personen einem wirklich wichtig sind, welche Personen man trotz aller Kraftlosigkeit und Apathie noch gerne sieht. Es sind die Menschen, die einen bestärken, auch wenn sie Dich nicht wirklich verstehen, es sind die Menschen, die Dich aufbauen, wenn es nötig ist und ausbremsen, wenn Du am Durchdrehen bist.

Diese Menschen sind etwas ganz besonderes! Nimm ihre Hilfe an, denk aber auch daran, Dich dafür zu bedanken und bei Gelegenheit zu revanchieren. Sie haben es verdient. Sie sind Dein Weg zum Glück!