die Herstellung von Wein ist eine wahre Wissenschaft und hat als solche sogar einen eigenen Namen nämlich Önologie. Als Winzer versucht man auf dem bestmöglichen Anbaugebiet mit den bestmöglichen Sorten eine bestmögliche Qualität seines Weines zustande zu bringen um diesen letztlich auch zu einem guten Preis verkaufen zu können.
Uns interessiert besonders das Innenleben des Weines und hierzu haben wir in Teil 1 bereits einiges erfahren. Alkohol, Säuren, Zucker und ein hoher Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen zeichnen Wein als Solches aus und bescheren uns bei seiner Aufnahme durchaus positive Wirkungen im Bereich des Herz-Kreislaufsystems wie ich ebenfalls in Teil 1 schon ausreichend erörtert habe.
Heute soll es um weitere Zusammenhänge von Wein und Gesundheit geben und natürlich um die Frage ob und wie Wein in die Ernährung eines Sportlers passt.
Viel Spaß bei meinen Ausführungen.
Wein und Hypertonie
Zu den Einflüssen von Wein auf Bluthochdruck existiert eine Vielzahl an Studien. Hypertonie gilt als Risikofaktor für Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Leider sind sich diese Studien nicht derart einig wie dies bei den Einflüssen auf das Herz-Kreislaus-System der Fall war.So existieren Studien die mit der Aufnahme von 1-2 Gläsern Wein pro Tag oder 69g Alkohol pro Woche von einer leichten Reduzierung des Blutdrucks berichten. Andere Studien sehen bei regelmäßig konsumierten 1-2 Drinks pro Tag keine Veränderungen. Wieder andere Studien zeigen ab 280g Alkohol pro Woche und mehr die Tendenz zu steigenden Blutdruckwerten oder geben wieder, dass Alkohol besonders bei Männern generell eine Hypertonie begünstigt.
Als gesichert gilt: Wein hat im Vergleich zu anderen alkoholischen Getränken wie Bier aber auch im Vergleich zu vollständiger Alkohol-Abstinenz tendenziell geringere Einflüsse auf eine Blutdruckerhöhung.
Fazit: Hinsichtlich Hypertonie kann Wein kein durchweg positiver Einfluss bescheinigt werden. In geringen Mengen aufgenommen ist weder von einer signifikant verschlechternden aber auch nicht von einer signifikant verbessernden Wirkung auszugehen.
Wein und Gehirnschlag
Der Gehirnschlag ist uns allgemein besser als Hirninfarkt oder Schlaganfall bekannt. Durch Risse oder Verengungen versorgender Blutgefäße kommt es zu einem Mangel an Sauerstoff und Nährstoffen im Gehirn. Wie wir eben bereits erfahren haben zählt Bluthochdruck zu den Risikofaktoren. Hohe Blutfettwerte, Adipositas, hoher Alkohol- und Nikotinkonsum sowie die Einnahme der Anti-Baby-Pille (Kontrazeptiva) gehören jedoch auch dazu.Studien bescheinigen Wein, nicht aber anderen alkoholischen Getränken wie Bier oder Schnaps, positive Auswirkungen auf das Schlaganfallrisiko. Wichtig ist zu erwähnen, dass sich die Aufnahmemenge dazu nicht über ein moderates Maß von maximal 0,1-0,2l täglich steigen darf da sonst sogar eine Risikoerhöhung möglich ist.
Hier ist es der besondere Mix aus Alkohol und sekundären Pflanzenstoffen der für eine Verbesserung der Gefäßgesundheit und des HDL/LDL-Quotient und eine Vasodilatation Gehirn versorgender Gefäße verantwortlich gemacht werden kann.

Fazit: Mit Maß und Ziel kann Wein das Schlaganfallrisiko reduzieren, während andere alkoholische Getränke und vor allem Alkohol im Übermaß das Risiko erhöhen.
Wein und die Sorge "Krebs"
Auch die Krebsforschung befasst sich mit den Einflüssen von Alkohol und etwas spezifischer von Wein auf die Entstehung und den Verlauf von Krebserkrankungen. Im Allgemeinen gilt Alkohol als Zellgift, welches für einen Teil der Krebserkrankungen verantwortlich gemacht werden kann. Die gefährlichste Substanz in Alkohol nennt sich Acetaldehyd.Die Dosis macht das Gift
Alkohol als Solches muss beim Thema Krebs hauptsächlich in Sachen "Menge" differenziert betrachtet werden. Studien zu unterschiedlichen Krebsformen bescheinigen kleineren Mengen bis etwa 30g Alkohol pro Tag protektive Wirkungen und sogar ein niedrigeres Krebsrisiko im Vergleich zu Abstinenzlern. Höhere Mengen dagegen stehen immer auch mit einer Erhöhung des Krebsrisikos in Verbindung.Wein als alkoholisches Getränk der besonderen Art kann dank des hohen Polyphenolgehalts und hier hauptsächlich aufgrund hoher Werte bei OPC und Resveratrol im Vergleich zu anderen alkoholischen Getränken wie Bier und Schnaps außerordentlich punkten. Der enthaltene Alkohol verhilft diesen Substanzen zu einer verbesserten Absorption durch die Darmwand. Im Blut angekommen ist es besonders deren antioxidative Wirkung, welche die Erbsubstanz vor Angriffen durch freie Radikale schützt und die Entstehung entarteter Zellen verhindert.
Interessant: Mehr OPC und Resveratrol liefert Rotwein, weshalb von diesem hier möglicherweise eine signifikantere Wirkung ausgeht.
Fazit: Wer sich im Griff hat, kann durch den kleinen täglichen Schoppen Wein sogar Krebsprophylaxe betreiben.
Hält Wein Demenz von uns fern?
Eine der Erkenntnisse aus meinem bisherigen Artikel ist die, dass richtig angewendet, Wein Gefäß protektive Wirkungen aufweist. Auch beim Thema Demenz geht es, ob man es glaubt oder nicht, um eine Veränderung der Gefäße im Gehirn sowie sog. Amyliod-Plaques die sich in den Gefäßen bilden und so einen Abbau kognitiver Fähigkeiten fördern. Viele Erkrankungen lassen sich auf eine mangelnde Versorgung durch unser Gefäßsystem zurückführen, weshalb wir der Gesundheit unserer Gefäße besondere Aufmerksamkeit schenken sollten.Groß angelegte Studien zeigen bei der täglichen Aufnahme moderater Mengen Wein ein signifikant niedrigeres Demenzrisiko verglichen mit Abstinenzlern. Der Effekt scheint sich hier hauptsächlich auf den Alkoholgehalt zurückführen zu lassen, da auch bei Bier und Schnaps von derartigen Effekten berichtet wird. Die ausgeprägte Aufnahme antioxidativer Substanzen fördert den Effekt zusätzlich.

Fazit: Alkohol wohl dosiert hält möglicherweise Demenz besser fern als vollständige Alkoholabstinenz.
Zuckerkrank durch Alkohol?
Diabetes – ein Teufelskreis
Alters-Diabetiker wird man meist nicht, ohne selbst zumindest eine Teilschuld daran zu haben. Alkohol ist in diesem Zusammenhang neben einer gewissen genetischen Vorprägung sicher weniger ein Thema als Bewegungsmangel und ein falsches Essverhalten.Das Problem mit Diabetes-Typ II ist, dass Sie er das Risiko für unheimlich viele weitere Erkrankungen ebenfalls erhöht. Der Großteil dieser Erkrankungen hat wieder mit den Gefäßen, einem erhöhten Arterioskleroserisiko, veränderten Blutfettwerten, einer erhöhten Gerinnungsneigung des Blutes oder einem vermehrten Aufkommen an oxidativem Stress zu tun.
Was kann Wein für Diabetiker bzw. gegen Diabetes tun?
Wenn es um die Gefäßgesundheit geht, darf man Wein eigentlich als kleines Wundermittel bezeichnen.- Antiarteriosklerotische Wirkung
- Hohes Aufkommen von Radikalkillern
- Anhebung der Insulinsensibilität
- Anhebung der NO-Synthese
- Senkung der Gerinnungsneigung des Blutes
Bei bestehender Zuckerkrankheit
Die Auflistung lässt eigentlich keine Wünsche offen und spricht definitiv PRO Wein auch bei Diabetikern. Auch Studien geben dies wieder. So sollen 200ml Alkohol täglich das Risiko einer koronaren Herzkrankheit um 66% und eines Herzinfarktes um 41% bei Diabetikern senken. Interessanterweise hat Wein trotz seines Gehalts an Zucker keine signifikanten Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel oder auf Fructosaminwerte bei Diabetikern.Prophylaxe
Der Nicht-Diabetiker kann sich mit dem moderaten Konsum von Wein im Bereich von 10-40g Alkohol pro Tag vor Diabetes schützen und das Diabetesrisiko sogar um 30% reduzieren“ so das Ergebnis einer Beobachtungsstudie mit 370.000 Probanden.Fazit: Auch Diabetiker und solche die es erst gar nicht werden wollen können von kleinen bis moderaten Mengen Wein profitieren da Wein den Auswirkungen der Zuckerkrankheit entgegentritt ohne sich dabei nennenswert auf den Blutzucker auszuwirken.
Der Sport treibende Weintrinker – Der Wein trinkende Sportler
Wer sich selbst bezüglich des Konsumverhaltens gut im Griff hat, tut sich in Sachen Wein möglicherweise eher einen Gefallen, ihn in kleinen Mengen aufzunehmen als ihm ganzheitlich abzuschwören. Dies ist die sicher für viele von Euch erstaunliche Erkenntnis aus dem Kapitel Wein und Gesundheit.Gut und schön, doch das hier ist ein Sport-BLOG.
Klar, wer gesund bleibt kann auch lange und leistungsfähig seinen Sport ausüben. Es wäre aber für viele sicher dennoch interessant zu erfahren, welche Wechselbeziehungen sich zwischen Workouts und der Aufnahme von Wein ergeben …….
Einflüsse auf Sport
Psychomotorik
Sportarten bei denen es um Koordination und Geschicklichkeit geht, haben bereits bei Blutalkoholkonzentrationen ab 50-100mg/Liter mit Einschränkungen zu kämpfen.Hormone und Leber
Alkohol beeinflusst zumindest kurzfristig das Testosteron- und Wachstumshormonaufkommen in Verbindung mit Training. Dies fördert katabole Effekte und beeinflusst die Regeneration.Da die Leber in Abbauvorgänge des Alkohols stark involviert ist, kann es unter Alkoholeinfluss schneller zu Dehydration und Unterzuckerung kommen, ebenfalls 2 Punkte welche die Regeneration negativ beeinflussen können.
Physiologie
Die mäßige Aufnahme von Alkohol zum Training beeinflusst statistisch nicht signifikant Leistungsmarker des Ausdauersportlers wie beispielsweise die Sauerstoffaufnahme, den Ruhe- und Belastungsblutdruck oder die Herzfrequenzen im Laufe einer Trainingseinheit. Signifikant schlechtere Werte treten bei der Erholungsfrequenz, der Ruheherzfrequenz und der maximalen Belastungsdauer auf.Beim Kraftsportler konnten in Studien keine signifikant schlechteren Leistungswerte festgestellt werden.
Angst
Alkohol steht auf dem Dopingindex da bestimmte Sportarten von der Angst lösenden, beruhigenden Wirkung profitieren die Untersuchungen zur Folge für mindestens 12 Stunden an hält.Fazit: Je nach Sportart kann Alkohol positive oder auch negative Auswirkungen auf die spezifisch abzuleistenden Bewegungen und Handlungen haben. Für den Bodybuilder ist der negative Einfluss auf anabole Hormone, die Leber und zu einem gewissen Teil auch auf koordinative Fähigkeiten die er im Rahmen einiger Übungen benötigt ein Grund dafür, nicht alkoholisiert zu trainieren.
Einflüsse auf den Alkoholabbau
Es klingt absurd, aber Sport kann tatsächlich den Alkoholabbau begünstigen. Schuld daran sind mehrere Gegebenheiten- Verminderte Durchblutung des Gehirns zugunsten der Muskulatur
- Bis 70% Ausbelastung verbesserter enzymatischer Alkoholabbau durch
- Verbesserte Leberdurchblutung
- - Erhöhte Aktivität von ADH (Alkohol-Dehydrogenase)
- Verstärkte Abatmung über die Lunge
- Erhöhter Energieverbrauch aus Alkohol durch körperliche Aktivität
Wein und Sport – Hand in Hand
Abschließend eine interessante Gegenüberstellung der gesundheitlichen Auswirkungen von Sport und Wein. Es lassen sich in vielen Bereichen Parallelen feststellen. Besonders interessant sind in diesem Zusammenhang Veränderungen des Stoffwechsels, des Immunsystems und des Herzkreislaufsystems. Beide Komponenten verbessern unabhängig voneinander Cholesterinwerte, verzögern Altersprozesse und wirken sich sowohl auf die Herzarbeit als auch auf die Blutbeschaffenheit aus.

Fazit: Wer es als Sportler darauf abgesehen hat, neben dem Erreichen von Höchstleistungen auch seine Gesundheit nach besten Kräften zu bewahren sollte den gezielten Einsatz von Wein (der nebenbei auch noch sehr schmackhaft sein kann) in Erwägung ziehen. Wenngleich die Aufnahme direkt zum Training zumindest im Bodybuilding als kontraproduktiv anzusehen ist, kann gerade ein Schoppen gegen Abend tatsächlich Gutes vollbringen und zumindest in Teilbereichen sogar für Synergien mit der sportlichen Aktivität sorgen. Eine Leistungssteigerung darf man sich als Bodybuildern nicht mit der Aufnahme von Wein erwarten.
Zusammenfassung
In meinem Artikel habe ich denke ich die Sichtweise Vieler zum Thema Alkohol und insbesondere zum Thema Wein etwas zu Recht gerückt. Auch mir wurde in meinen jungen Jahren als Athlet eingebläut, Alkohol sei prinzipiell als Körpergift anzusehen und stelle ausschließlich eine kontraproduktive Belastung dar.Das Problem an der Thematik ist die, dass vor allem Jugendliche ein Trinkverhalten an den Tag legen, welches mit den positiven Eigenschaften des Alkohols nicht konform geht. "Zwar nur 1-2x die Woche dafür aber richtig" bezeichnet das sog. "bindge drinking". Aus Teil 1 wissen wir, dass alleine schon diese Art zu Trinken weit weniger Nutzen für die Gesundheit birgt als das sog. "steady drinking". Dann haben wir natürlich noch die Thematik der als gesundheitlich positiv geltenden Menge und die Sache mit dem richtigen oder falschen Einnahmezeitpunkt in Hinblick auf das Training.
Mein Artikel ist also definitiv kein Freifahrtschein für Alkohol-Partys er zeigt aber auf, dass gerade bei Wein eine differenzierte Betrachtung notwendig ist um dem Thema vollständig gerecht zu werden. Letztlich macht die Dosis das Gift. Wer gerne ein Glas Wein trinkt, dieses aber bis dato vermieden hat weil er dachte er schade damit seiner Gesundheit oder dem sportlichen Werdegang darf sich ab heute auf eine kleine Änderung seiner Lebensgewohnheit freuen.
In diesem Sinne PROST
Euer
Holger Gugg
www.bodycoaches.de