Liebe BLOG-Leserinnen und Leser, Liebe Anhänger von Team-Andro,

das Thema Alkohol und Sport ist seit ich denken kann Bestandteil von Diskussionen, Vorurteilen und Verurteilungen. Während die eine Seite dem Alkohol komplett entsagt und ihm all seine negativen Auswirkungen zur Last legt, gibt es auch Befürworter des regelmäßigen Gläschens Wein, der Flasche Bier sowie des Verdauungsschnapses nach dem Essen.

Wer hat Recht?
Eines lässt sich vorab ohne jedwelche Erklärungen von vornherein festlegen:

Zuviel Alkohol ist schlecht und zwar egal ob das Konsumverhalten eher zur Regelmäßigkeit oder zum exzessiven Konsum an den Wochenenden neigt.

Die erste Frage die sich mit dieser Aussage als erstes für viele wieder stellt ist:

Wie viel ist "zu viel"?
Um dieser Sache einmal auf den Grund zu gehen, habe ich mir das alkoholische Getränk ausgesucht, dem man im Volksmund den größten gesundheitlichen Nutzen zusagt und es hinsichtlich vermeintlicher Vor- oder Nachteile auch in Hinblick Sport untersucht.

WEIN

Viel Spaß bei meinen Ausführungen.

Allgemeines zum Thema Wein

Die Wissenschaft um Wein

Die Weinherstellung ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Wissenschaft für sich. Sie nennt sich "Önologie" und befasst sich mit allen Arbeitsschritten der Weinherstellung angefangen von der Auswahl der Sorte und dem Anbau bis hin zur Produktion und Lagerung von Wein.

Was gehört zu Wein?

Wein ist nicht gleich Wein. Die meisten von uns kennen zumindest die Unterscheidung in Rotwein und Weißwein. Tatsächlich fallen aber auch
  • Rose
  • Schaumweine
  • Federweißer
  • Likörweine
in die Kategorie Wein. Sie alle werden auf bestimmte Art und Weise aus etwa 1000 für den Weinbau zugelassenen Rebsorten hergestellt.

Fazit: Wein umfasst ein weiteres Spektrum an alkoholischen Getränken als viele vermuten würden.

Wie entsteht Wein?

Komplexer Prozess

Um den kompletten Prozess der Weinherstellung zu beschreiben, wären an dieser Stelle etwa 20 freie Seiten notwendig. Ich werde mich an dieser Stelle aber auf einige markante Teilprozesse beschränken, die später auch entscheidenden Einfluss auf das Thema Alkohol und sonstige Bestandteile in Wein haben.

Ablauf

Nach dem Ernten und der ersten Sortierung der Weinbeeren werden diese gemaischt, d.h. zu einem Gemisch aus Saft, Fruchtfleisch und Schalen zerdrückt. Der Vorgang bei dem die sog. Maische ausgepresst wird nennt sich Keltern. Übrig bleiben Traubensaft und der sog. Treber (die Überreste) der gerne für die Herstellung von Tierfutter, Dünger aber auch Grappa verwendet wird. (Ja ihr habt richtig gelesen… Grappa) Wichtig zu wissen ist hier, dass bei der Rotweinherstellung vorerst keine derart ausgeprägte Trennung der Bestandteile stattfindet! Seinen hohen Gehalt an Antioxidantien verdankt Wein ua. der Schwefelung. Sie verhindert Oxidationsvorgänge im Traubensaft (auch genannt Most). Innerhalb der nächsten 6-8 Tage findet im Rahmen der Hauptgärung die Umwandlung von Zucker in Alkohol statt. Je länger dieser Prozess andauert, desto zuckerärmer und folglich alkoholreicher wird der Wein später. In der anschließenden Reifung setzen sich Weinstein und sonstige Bestandteile am Fassboden ab und klarer Wein kann umgefüllt werden.

Fazit: Sicher eine nur sehr grobe Ablaufbeschreibung der Weinherstellung die uns aber einige nötige Details verrät die später noch von Bedeutung sein werden.

Der Qualitätsunterschied

Weinregale egal ob in Supermärkten oder im Fachhandel offerieren enorme Preisunterschiede bei Wein. Die Flasche ist ab 2,50 Euro bis weit über mehrere 1000 Euro zu erwerben. Teilweise gehen sehr hohe Preise auf das Konto vom Alter der Flasche und dem Namen eines Weingutes. Es sind aber auch qualitative Unterschiede die sich bei Wein feststellen lassen und die mitunter vom Weingut selbst, der Rebsorte, der Witterung und dem Umgang, sprich Düngung ect. abhängen.

Um Qualitätsunterschiede festzustellen wird Jeder in Deutschland zum Verkehr zugelassene Wein einer Prüfung unterzogen und erhält ein bestimmtes Prädikat an welchem der Endverbraucher sehr einfach den Unterschied feststellen kann (in aufsteigender Qualität):
  • Kabinett
  • Spätlese
  • Auslese
  • Beerenause
  • Trockenbeerenauslese
  • Eiswein
Fazit: Qualitätsunterschiede bei Wein lassen sich für den Verbraucher spielend leicht ermitteln.

Wein – Was ist drin?

Um Wein hinsichtlich eines möglichen Platzes in der Sporternährung ganzheitlich bewerten zu können, muss man sich zuerst einen Überblick über die Bestandteile verschaffen aus denen er neben Wasser besteht.

Abhängig von der Dauer der Gärung liefert Wein eine gewisse Menge Zucker und auch Alkohol. Man muss bzw. kann sich als Konsument entscheiden zwischen höherem Gehalt an Alkohol (trockene Weine) oder eben mehr Zucker (halbtrocken, lieblich). Der übliche Alkoholgehalt in Wein liegt in der Regel zwischen 9 und 13 Volumenprozent

Der Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen in Wein ist beachtlich. Sie sind in Ihrer Gesamtheit für viele Eigenschaften der Weinbeere und den Schutz der Pflanze verantwortlich. Die positiven Eigenschaften der Phenole auf die Pflanze lassen sich auch auf uns übertragen wenn wir Sie aufnehmen. Da für die Rotweinherstellung auch Stiele ect. mit im Most verbleiben, enthält dieser höhere Anteile sekundärer Pflanzenstoffe (vor allem Tannine wie OPC und Flavonoide), was aber nicht heißt, dass diesbezüglich auch eine verstärkte Wirkung von Rotwein ausgeht. Hinsichtlich antioxidativer, antiviraler, antientzündlicher, antikariogener oder kardioprotektiver Auswirkungen besteht zwischen Weiß- und Rotwein kein Unterschied da Weißwein einige sehr gut absorbierbare und potente Substanzen enthält (höhere Qualität des Substanz-Mix). Eine der bekanntesten Substanzen aus der Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe mit hohem Gehalt in Rotwein nennt sich Resveratrol und wird ua. auch in Supplementform als starkes Antioxidans angeboten.

Interessant: Viele der sekundären Pflanzenstoffe in Weinbeeren verstecken sich in den Kernen zum Schutz der Saat weshalb Weinkernöl eine gute Quelle für Antioxidantien darstellt.

Wein gehört dank enthaltener Säuren zu den "sauren Lebensmitteln". Vertreter wie Apfelsäure, Weinsäure und Zitronensäure sorgen für einen ph-Wert in Wein von 2,9-4,0.

Interessant: Knapp 1000 Aromastoffe geben Wein seinen typischen Geschmack.

Fazit: Bei Wein handelt es sich hauptsächlich um ein Gemisch aus Wasser, Alkohol, Säuren und Zucker mit einem hohen Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen.

Ist Wein gesund?

Eine sehr allgemein gehaltene Frage wie sie aber oft gestellt wird. Natürlich muss man die Antwort darauf etwas detaillierter betrachten.

Wein und unser Herz-Kreislaufsystem

Todesursache Nr. 1

Zu diesem Thema existieren wirklich eine Menge Studien die sich mit den unterschiedlichsten Ansatzpunkten zum Thema Gesundheit von Herz und Gefäßen und folglich auch der Sterblichkeitsrate befasst haben. Der Grund für die Studienvielfalt ist die Tatsache, dass Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystem nach wie vor die Todesfallstatistiken anführen.

Das French-Paradox

Den Grundstock der Forschung zu diesem Bereich hat das sog. French Paradox gelegt. Die Untersuchung involvierte 100.000 Menschen und stellte im Zeitraum von 20-25 Jahren in Zusammenhang mit einer mäßigen aber regelmäßigen Aufnahme von Wein ein verringertes kardiovaskuläres Sterblichkeitsrisiko von 40% fest. Später wurde festgestellt, dass derartige Verbesserungen besonders dann eintraten, wenn der Konsum aufgeteilt und regelmäßig stattfand. (steady drinking). Die gleiche Menge Wein innerhalb kurzer Zeit geballt aufzunehmen (bindge drinking) schwächt den Effekt ab.

Kritiker lassen eine derartige Theorie natürlich nicht ohne weiteres stehen und werfen Variablen in den Raum, welche das French Paradox entkräftigen sollen. So sollen Weintrinker nicht aufgrund des im Wein enthaltenen Alkohols länger leben sondern weil sie allgemein einen besseren Lebensstil pflegen als Nicht-Wein-Trinker. Was dran ist an dieser Aussage werden wir noch sehen….

Antioxidantien und Alkohol gehen Hand in Hand

Um an dieser Stelle nicht den ganzen Ruhm dem in Wein enthaltenen Alkohol zukommen lassen muss geschrieben werden, dass eine Reihe der gesundheitlich-präventiven Eigenschaften für das Herz auch auf das Konto der enthaltenen Antioxidantien gehen. (1 Glas Wein liefert ein höheres antioxidatives Potential als 20 Gläser Apfelsaft)

So zum Beispiel ganz stark bei arteriosklerotischen Ablagerungen an den Gefäßen (Plaques). Hier sorgen Alkohol und Antioxdantien gemeinsam für eine intakte Endothelschicht und eine Verbesserung der Dehnbarkeit von Gefäßen. Auch für die Entstehung der koronaren Herzkrankheit (kHk), bei der es durch Ablagerungen IN der Gefäßwand zu Versteifungen und Querschnittsverminderungen, zu Engpässen im Gefäß und somit zu Minderversorgungen des Herzens kommt existieren etliche positive Studien in Verbindung mit der Aufnahme von Wein.

Beispielhaft anbei eine Darstellung einer Studie aus der British Regional Heart Study aus 1999, welche eindeutig Mortalitätsunterschiede aufzeigt. Der Vollständigkeit halber muss gesagt werden, dass gerade diese Studie auch Zusammenhänge zwischen der Mortalität und dem Lebensstil von Weintrinkern feststellte. Andere Studien zeigen jedoch auch unabhängig vom Lebensstil positive Veränderungen hinsichtlich der koronaren Herzkrankheit mit der Aufnahme von Wein (bis zu 21 Drinks pro Woche) im Vergleich zu Alkoholabstinenzlern.
Wein

Die richtige Menge

Hinsichtlich der richtigen Menge für derartig positive Wirkungen des Weins müssen die Geschlechter differenzier t betrachtet werden. Frauen mangelt es an der sog. Alkohol-Dehydrogenase, einem Enzym, welches in der Leber Alkohol abbaut. Als unbedenkliche Mengen werden bei Alkohol derzeit aus diesem Grund 30g Alkohol pro Tag bei Männern und 20g pro Tag bei Frauen angegeben.
Wein


Interessant: In Hinblick auf die koronare Herzkrankheit bestehen zwischen Weißwein und Rotwein keine Unterschiede.

Fazit: Der Einfluss der richtigen Menge Wein auf das Herz-Kreislaufsystem ist ausreichend untersucht und vielfach bestätigt. Neben Alkohol und dem Gehalt an Antioxidantien in Wein scheint sich auch der Lebensstil des typischen Weintrinkers positiv auf die Herzgesundheit auszuwirken.

Zusammenfassung

Teil 1 meines Artikels habe ich dazu verwendet, Euch Wein als solches etwas näher zu bringen, indem ich einige markante Informationen zur Herstellung, zu Qualitätsunterschieden und zur Sortenvielfalt erzählt habe.

Interessant ist es auch zu erfahren, welche Inhaltstoffe uns Wein liefert, dass sich enthaltener Zucker in Alkohol abbaut, dass Wein ein sehr saures Getränk ist und dass der Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen immens hoch ist.

Die ersten positiven Auswirkungen dieses Gebräus konnten wir uns schon in Hinblick auf das Herz-Kreislauf-System ansehen. Studien belegen hierzu bis zu einer bestimmten Menge pro Tag eindeutige Vorteile. Unterschiede zwischen Rot- oder Weißwein bestehen nicht.

In Teil 2 möchte ich einige weitere gesundheitliche Aspekte in Zusammenhang mit Wein thematisieren und natürlich auch auf das Thema "Wein und Sport" ausführlich eingehen.

Bis dahin verbleibe ich mit den besten Wünschen
Euer
Holger Gugg
www.body-coaches.de