Ich möchte euch hier meine erste Wettkampfteilnahme schildern. Vielleicht kann ich den einen oder anderen auch zu dem Schritt bewegen oder einfach ein bisschen Licht ins Dunkel des Wettkampfgeschehens bringen!

Wie kam es überhaupt dazu?

Nach 16 Jahren American Football habe ich den Helm an den Nagel gehängt und festgestellt, dass ich mich beim Hanteltraining ganz wohl fühle und man das auch im höheren Alter beibehalten kann. Die ersten Jahre habe ich einfach nur trainiert, ohne Plan und ohne besonders auf die Ernährung zu achten. Zu dieser Zeit dachte ich auch noch, dass es reicht die Ernährung ein bisschen umzustellen um auf die Bühne zu gehen. Weit gefehlt!

Im November 2005 habe ich dann live die Vorbereitung meines Trainers Harald Mertzenich für die NRW und Seniorenmeisterschafft miterlebt.



Im Februar 2006 alberten wir im Studio etwas herum, und Harald und seine Frau meinten, dass ich doch eine gute Grundlage hätte um auch mal an einem Wettkampf teilzunehmen. So setzte sich der Gedanke dann auch fest und das Training wurde härter. Ich wollte im Herbst bei der internationalen NRW 2006 teilnehmen. Die Ernährung hatte ich schon seit Mitte 2005 umgestellt, und ich ernährte mich bewusster.

In der Flex war dann Mitte des Jahres ein Trainingsplan mit Ernährungsteil, der mir zusagte, und welchen ich 12 Wochen lang durchführte. Ergebnisse ließen nicht lange auf sich warten, und die Definition verbesserte sich.
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16 Wochen vor dem Tag X machte ich dann 2 Wochen Trainingspause. Passte ganz gut, da gerade diese extrem heiße Sommerzeit war. Als ich dann mit dem Training wieder begann, fing auch die Vorbereitung an. Ich ernährte mich sauber und nur in den ersten 3 Wochen legte ich noch eine Schummelmahlzeit pro Woche ein. Die Mahlzeiten verteilte ich auf 6 mal am Tag, um eine gleichmäßige Proteinzufuhr zu gewährleisten. In der Sommerzeit hatte ich viel gelesen, unter anderem über die anabole Diät. Ich konnte mir aber überhaupt nicht vorstellen mich derartig zu ernähren. Ich entschied mich dann für die Metabole Diät (Low Carb), die mir weit mehr zusagte.

Meine Form verbesserte sich von Woche zu Woche. Von den anfangs 89 kg verringerte ich mein Gewicht auf 84 kg. Dort gelangte ich das erste Mal an ein Plateau, und ich erweiterte mein Cardiotraining. In den letzten 5 Wochen vor dem Wettkampf stand ich jeden Morgen früher auf und lief ca. 40 Minuten. Sechs mal Training pro Woche und an 4 - 5 Einheiten jeweils nochmal 25 Minuten Fahrradergometer direkt im Anschluß ans Gewichttraining.

Was ich mit Erschrecken bemerkte, war, dass die Trainingsgewichte sich drastisch reduziert hatten. Der Form und dem Fortschritt tat dies jedoch keinen Abbruch - die Kilos purzelten wieder.

Der Zeitplan war soweit gut gewählt. Die Streifen auf Schultern, Trizeps und Rücken waren schon gut zu sehen, nur die Beine kamen irgendwie nicht nach. Also wurde ab jetzt 6 mal die Woche schweres Beinstrecken vor das reguläre Training geschaltet. Die Beine wurden tatsächlich besser aber leider nicht gut genug. Also beim nächsten Mal 3 Wochen früher anfangen und Beine intensiver trainieren.

Alles in allem bin ich für den ersten Anlauf sehr zufrieden. So gut habe ich bisher noch nie ausgesehen und im Mai 2007 werde ich noch besser werden!

Für die, die es interessiert: An Supplementen kamen Egg Protein, Whey Protein, Creatin, Glutamin, Vitamintabletten, Calcium, Magnesium und Coffeintabletten zum Einsatz.

Nahrungsmittel: Fast alle Fischsorten, Pute, Hühnchen, Tatar, Eiklar, Reis, Reisflocken, Reiswaffeln, Hirseflocken, Haferflocken, ...



Der Vortag!

Glücklicherweise hatte ich einen freien Tag und bin gleich morgens ins Studio. Harald war auch da, und wir machten erstmal eine "Bestandsaufnahme". Alle Muskelgruppen ein bisschen aufgepumpt und ab vor den Spiegel. Das sah, bis auf die Beine, schonmal nicht schlecht aus. Wir entschieden uns dann dafür, dass ich trocken lade. Damit legte ich dann auch umgehend los und verdrückte bis zum Wettkampf um die 8 Packungen Reiswaffeln (ohne Salz natürlich) und dabei den einen oder anderen Proteinriegel. Die Flüssigkeitszufuhr beendete ich gegen 12 Uhr mittags am Freitag. Das war dann schon heftig - immer nur minimalste Schlückchen und am besten nur kurz ausspülen. Tagsüber habe ich dann viel gelegen, im Netz gesurft und gelesen - Hauptsache die Beine hoch. Abends dann nochmals ins Studio zum erneuten Formcheck. Hier machten sich so langsam das fehlende Wasser und die Reiswaffeln bemerkbar.





Freitag Abend

Entgegen der Vermutung, dass meine Aufregung noch ins Unermessliche steigen würde, war ich relativ gelassen. Also ging ich noch ein paar mal meine Posingkür und die Pflichtposen durch und ging dann um halb eins zu Bett.

In der Nacht hatte ich dann echt ein schreckliches Erlebnis. In schönste Träume versunken, fühlte es sich plötzlich an, als ob mir gerade alle Bänder in meinem linken Knie abreißen würden. Aufgeschreckt und nachgeschaut: Es war nur mein kleiner (6 Monate alter) Border Collie Dexter der meinte, er müsse den Rest der Nacht auf mir verbringen. Nach diesem Schrecken bin ich dann tatsächlich wieder eingeschlafen und ziemlich entspannt um 8 Uhr am Samstag morgen aufgestanden.

Samstag - Der Wettkampftag!

Nach einem reichhaltigen Frühstück, einem Proteinriegel und einer Packung Reiswaffeln, fuhr ich wieder zum Studio. Dort legten wir eine erste, dünne Schicht DreamTan auf. Noch einen großen Intensity Drink angemischt für später und schon gings los nach Duisburg. Da klingelt plötzlich das Telefon - meine Frau: "Du hast deine Posingmusik vergessen!" Kurz nachgedacht, nein, keine Panik, das ist eine zweite CD. Die Musik habe ich mitgenommen. Hatte ja sehr gewissenhaft die Tasche gepackt!

Nach kurzer Autofahrt erreichten wir die Rheinhausenhalle. Am Eingang drängten sich schon so einige Leute. Zu der nun doch langsam aber stetig zunehmenden Nervosität kam noch dazu, dass wir nicht rein durften. Leute die Karten hatten, konnten schon rein - die Athleten standen draußen und mussten frieren - toll! Ein paar Bekannte Gesichter sah man schon, und es war Zeit für ein bisschen Smalltalk. Immer wieder kamen die Überlegungen hoch: Ist der in meiner Klasse? Wieviele starten in meiner Klasse? Wann dürfen wir endlich rein?

Nach einigem Warten ging es dann doch in beheizte Gefilde, und wir gingen gleich in Richtung Bühne um dort noch einigen Bekannten und dem einen oder anderen Offiziellen die Hand zu schütteln. Flugs die Bühne überquert und nach hinten. Sitzplatz gesichert und schon ging es zum Wiegen und Einchecken - 81kg sind es dann geworden.

Startnummer 46 erhalten, CD abgegeben und einen Ablaufplan mitgenommen. Noch einen kurzen Blick auf die Starterliste – 8 Teilnehmer in meiner Klasse. Aha, die Junioren und Senioren sind noch vor uns dran, es war also noch ein bisschen Zeit. Zurück in den Backstagebereich, hinlegen und die Füße hochlegen.

Hier schwirrten dann die Athleten und deren Betreuer herum. Man konnte sogar ein paar bekannte Gesichter erkennen: Toni Schmitter unter anderem. Zwischendurch machten Martina Herget und Stickel die Runde und sagten brav guten Tag!

Überall roch es jetzt nach diversen Bräunungscremes und Nussöl. Es wurde massiert, eingepinselt, angemalt und eingecremt, was das Zeug hielt. Alleine dies ist ein Ritual, für das ich wieder eine Diät machen würde. Als die Junioren fertig und die Senioren dran waren, legten wir auch eine Schicht Farbe nach. Danach die ersten 250 ml vom Intensity zu mir genommen und langsam aufpumpen. Jetzt war mir echt mulmig - der große Moment war gekommen.

Wie ist das nun - im Posinghöschen ...

... und im Rampenlicht vor hunderten von Leuten?! "Bodyfitnessklasse fertigmachen und nach Startnummern aufstellen." So, kein zurück mehr ... "Und raus."
Als zweiter betrat ich zum ersten Mal die Bühne. Sofort in die Grundstellung und Druck auf alle Muskelgruppen ausüben, Lächeln nicht vergessen. Klappt ganz gut soweit. Bis jetzt ist alles gar nicht so schlimm.

Es folgte nun die namentliche Vorstellung aller Athleten, kurz eine Pose gemacht, nett gelächelt und wieder zurück ins Lineup. Nun waren die verschiedenen Körperansichten dran. Von vorn und von hinten, anschließend nochmal mit Vierteldrehungen. Dann die Pflichtposen - bloß an alles denken - spann den Bauch und die Beine an ...

Erste Runde überstanden. Bei Bauch und Beinen wäre ich fast ohnmächtig geworden, ist aber nochmal gut gegangen.

Weiter zu den Vergleichen

In der ersten Runde war ich gleich dabei – sehr gut, das kann nichts Schlechtes bedeuten!

Also nochmal alles geben. Im dritten Vergleich war ich nochmal dran, und das war dann soweit alles für die Vorentscheidung. Ab hinter die Bühne, vorher nochmal artig verbeugt und fix Platz gemacht für die Männer I.

Yeah! Was für ein Gefühl. Ich hatte die 12 Wochen Diät und Schinderei in dem Moment vergessen als ich auf diese Bühne getreten bin. Ich zog mir kurz etwas über und bin dann mal raus um zu sehen, wer alles da ist.

So konnte ich dann diverse Bekannte, einen Teil meiner Familie und so einige aus meinem Studio begrüßen. Nachdem ich dann allen erklärt hatte, wie es so ist und wie ich mich fühlte, verdrückte ich erstmal einen Riegel und einige Reiswaffeln. Meine Frau hatte unsere beiden Hunde mit, die ich dann auch erstmal begrüßte. Ich weiß nicht, ob die beiden mich sofort erkannt haben, jedenfalls hatte der kleine dank DreamTan dann eine braune anstelle einer weißen Nase. Stand ihm aber auch gut!

Langsam bin ich dann wieder rein und hab mir mal die Verkaufsstände durchgeschaut. Irgendwie war ich zu aufgewühlt um mitzubekommen, dass da gerade Jaroslav Horvath, Nicole Pfützenreuter und Steve Wilson vor mir standen.

Nunja, wieder zurück nach hinten und relaxen. Hier betrat ich wieder eine andere Welt - aufpumpen und eincremen. Alle Wände waren mit Folie abgehängt, damit die weißen Wände auch weiß blieben!

Nach einiger Zeit meinte Harald dann, dass wir uns mal wieder fertig machen sollten. Es war Zeit für die Einzelküren!

Gesagt, getan. Wieder Farbe drauf und im MP3 Player noch ein paar mal mein Lied gehört, und schon war es soweit. Der Anfang klappte bei der Kür, und bis auf einen Patzer von mir blieb das auch so – geschafft! Jetzt nochmal raus ins LineUp. Es wurden nun 2 der 8 Athleten "eliminiert". Hört sich schlimm an - ist es bestimmt auch. Meine Startnummer wurde nicht aufgerufen. Puh! Es hatten zwar schon alle gesagt, dass es bei mir wohl der 2. oder 3. Platz werden würde - aber man weiß ja nie!

Es folgte noch ein kompletter Durchgang mit allen Posen. Wieder alles gegeben. Dann sagte Erich Janner die magischen Worte. Hätte nicht gedacht, dass sie sich so einbrennen würden: "POSEDOWN!"

Sofort bewegte ich mich von der erhöhten Bühne in den Vorbereich und gab alles, direkt vor den Kampfrichten. Das machte Spaß! Nicht, dass ich so schon den maximalen Ansporn gehabt hätte, nein, denn dann entdeckte ich den dicken Dennis Wolf in der ersten Reihe, und es war völlig um mich geschehen. Ich glaube der Posedown hätte für mich auch 10 Minuten oder länger gehen können.

Dabei suchte ich immer den Vergleich zu dem mir vermeintlich gefährlichsten Mitbewerber. Der ging drauf ein, und so machte das ganze noch mehr Spaß.



Aber wie das nunmal so ist: Wenns am schönsten ist, muss man aufhören ...

Also wieder ab hinter die Bühne. Nachdem die Siegerehrung für die Junioren und Senioren durch war, mussten wir auch schon wieder raus. Nun war es soweit, in absteigender Reihenfolge wurden die Plätze bekannt gegeben, und ab dem 4. Platz hielt ich die Luft an. Meine Nummer wurde beim dritten Platz genannt. Tja, leider nicht zweiter, aber egal. Ein super Ergebnis fürs erste Mal.

Allen anderen die Hände geschüttelt und Siegerfoto gemacht. Cool! Pokal, Medaille und Urkunde bekommen. Und das vom Bodyfitness Vizeeuropameister Andreas Plate. Hat doch was!

Ja, das war es! Ich hatte Blut geleckt. Mein Trainer gratulierte mir gerade, als draußen "POSEDOWN" für eine der Männerklassen angesagt wurde. Er musste mich echt festhalten sonst hätte ich da nochmal mitgemacht. Muss man sich mal vorstellen, als 81 kg "Fliegenschiss" zwischen den Männern IV!

Also Sachen gepackt, angezogen und da waren auch schon die ersten Gratulanten. Nachdem ich die alle geschafft und 2 Liter Mineralwasser heruntergespült hatte, kam ich langsam auf den Boden zurück. Erst jetzt merkte ich, dass es wie ein Rausch war. Genial. "Das machste wieder", dache ich mir und der Plan für die Frühjahrsmeisterschaften war beschlossene Sache.

Oh Mann, ich hätte fast meine CD vergessen. Ab zum DJ, und wer steht da? Jaroslav kurz vor seinem Auftritt. Also Zeit lassen und die Show geniessen! Wirklich ein toller Athlet. Als ich aus den Umkleiden ins Foyer kam, wartete dort der Rest der Bande auf mich. Alle geherzt und mit ein bisschen DreamTan versehen. Anschließend machten wir uns dann auf den Heimweg. Ein kleiner Umweg musste sein - die Lieblingspizzeria! Tiefbraun fiel ich dann dort mit meiner Frau ein. Kurze komische Blicke - aber kein Kommentar. Dann bei der Getränkebestellung: "Wart Ihr im Urlaub?"

Sehr geil! Die arme Frau aufgeklärt und meine Lieblingspizza inhaliert. Dann fiel mir ein, dass wir ja noch einen Punkt auf dem Programm hatten: den Geburtstag der Tante meiner Frau. Also sind wir da auch noch hin. Und da die Tante auch gerne den Wettkampf besucht hätte, habe ich dann kurzentschlossen meine CD eingeschmissen und die Posingkür nochmal hingelegt! Neidische Blicke, Beifall und Rufe nach Zugabe! Mein erster Gast-/Showauftritt!

Nachdem mich dann alle begutachtet hatten, gönnte ich mir noch eine Portion Mousse au Chocolat. Hmmm, lecker!

Gegen 2 Uhr nachts lag ich dann im Bett, welches am nächsten Morgen dann auch "leicht gebräunt" war, obwohl ich schon heftigst geduscht hatte! Der kleine Dexter ließ mich auch in Ruhe und so schlief ich die Nacht durch bis 10 Uhr am Sonntag. Kurz auf die Waage: 84,5kg! Das war aber noch nichts, denn bis Mittwoch sollten noch 6 kg dazukommen. Ein leckeres Frühstück bei Mc Donalds folgte und ein schöner Sonntag mit meinen 3 Lieben, an dem ich versuchte meinen Erfolg zu verarbeiten.



Quintessenz

Ich hatte lange nicht mehr so einen Spaß! Der Entschluss steht: Im Januar gehts in die Vorbereitung für die Frühjahrsmeisterschaften, weil ich danach wegen diversen Lehrgängen für eineinhalb Jahre nicht mehr an Wettkämpfen teilnehmen kann. Schade. Hoffe im Frühjahr eine Runde weiter zu kommen, denn ich will auch mal die ganzen Leute am Buffet kennenlernen.

Falls jemand Fragen zu dem Wettkampf oder anderen Dingen hat - feel free and PN me!