Am 17.07.2010 fand im schönen Nordfranken die diesjährige Deutsche Meisterschaft im Kreuzheben der GRAWA statt. Wie auch viele andere Starter nutzte auch Richi88 aus dem Forum die Gelegenheit, um ein ganzer Mann zu werden und sein erstes Mal zu haben. Im folgenden kurzen Erfahrungsbericht beschreibt er seine Eindrücke und macht den ein oder anderen vielleicht hungrig in Zukunft selbst seine Kraft auf einem Wettkampf zu beweisen.

Es ist 10.30 Uhr als ich auf den Parkplatz des Sportzentrums in Oberasbach fahre. Ich kann weder von mir behaupten eine lange Anreise gehabt zu haben, noch das ich irgendeine krasse Diät gemacht hätte, um in eine bestimmte Klasse zu rutschen, was aber nichts daran ändert, dass ich den Schritt vom vielzitierten Trainingsweltmeister zum Wettkampfsportler machen möchte.

Die Zeit bis zur Abwaage verbringe ich mit einer Kombination aus Plaudereien, sinnlos im Kreis laufen und nervös werden. Was mich zu diesem Zeitpunkt ein wenig überrascht, ist der absolut lockere und freundliche Umgang der Sportler, die ich bis dahin getroffen hatte, untereinander und mir gegenüber. Werde mit 102,5 kg gewogen, die ein oder andere Witzelei mit dem Veranstalter inklusive, gebe meinen Startversuch mit 210 kg an, ein Gewicht das mich keinesfalls vor Probleme stellen sollte. Mittlerweile bin ich ein wenig lockerer geworden, anscheinend doch alles Menschen hier, zudem hat man die ein oder andere Bekanntschaft aus der virtuellen Welt getroffen.

Die Zeit bis zum Wettkampfbeginn wird also mit Plaudereien und Burgerverköstigungen verbracht, Nervosität ist auf dem Nullpunkt, der Gedanke zu versagen sehr weit weg.

Den Wettkampfauftakt bilden die Frauen, eine Teilnehmerin hat das Gewicht für den ersten Versuch zu hoch angesetzt, dreimal ungültig. Für mich persönlich das Schlimmste, was mir passieren könnte. Der Moderator spricht von der Nervosität, die vielen zum Verhängnis werden kann, und plötzlich ist mein Nervenflattern wieder da. Und zwar so richtig, wenn ich ehrlich bin, war ich zu diesem Zeitpunkt scheiß nervös und wäre am liebsten nach Hause gefahren. preview

Mit dem Gedanken des möglichen Versagens gehe ich mich umziehen und beginne mit dem warm machen. Geht natürlich klasse los, bei der fünften oder sechsten Wiederholung mit der Stange fängt auf einmal an der linke Adduktor zu ziehen, was ein Mist, jetzt bin ich moralisch und körperlich gehandicapt. Davon abgesehen läuft das Aufwärmen gut, ziehe die 200 mühelos ohne Gürtel, hole mir nochmal Glückwünsche von anwesenden Bekannten und meiner besseren Hälfte ab, und begebe mich in den Wartebereich.

Vor mir kommen einige andere Junioren dran, die ihre ersten Versuche alle mühelos absolvieren. Dann ruft der Moderator meinen Namen auf, ich atme einmal tief durch und gehe mit weichen Knien und Herzklopfen zur Hantel. Ich begebe mich in Startposition, versuche niemanden anzusehen, hoffe das mir die Nervosität keinen Streich spielt und hebe die Hantel einfach hoch, wie ich es seit Monaten mehrmals wöchentlich im Training mache. Absignal, weiße Fahne, gültiger Versuch. Nervös bin ich ab diesem Moment nicht mehr.

Das Worst-Case-Szenario ist vom Tisch, die unbekannte Variable Nervenkonstüm aufgelöst, es ist nur noch Kreuzheben.

Zweiter Versuch mit 225 kg ebenfalls kein großes Problem, gehe zum Kampfrichter und will 235 für den finalen Versuch ansagen.Der guckt mich jedoch nur irritiert an und meint ich solle doch gefälligst wenigstens die 240 kg nehmen, so leicht wie das aussehen würde.

Ich verlasse mich drauf, dass der Mann weiß, wovon er redet, und sage die 240 an, was 10 kg über meiner bisherigen Bestleistung läge. Das Ende vom Lied ist, dass ich die 240 ziehe, und man möge es mir nachsehen, mir im Moment des Lockouts ein breites Grinsen der Selbstzufriedenheit nicht verkneifen kann. Leider ist der Wettkampf zu diesem Zeitpunkt für mich als Aktiven bereits beendet. Was bleibt, ist den restlichen Wettkampf zu verfolgen, das Miteinander zu genießen und Daumen drücken für diejenigen, die ihre Ziele noch umsetzen müssen.

Ich kann jedem nur empfehlen diesen Schritt zum Wettkampf hin zu wagen. Es ist einfach eine unheimlich tolle Erfahrung unter Wettkampfbedingungen seine Leistungen zu bestätigen.

Obwohl mir die Vergleichswerte zu anderen Verbänden fehlen noch einmal ein Lob an den Veranstalter: der Wettkampf lief völlig unbürokratisch und in positiver, sportlicher Atmosphäre ab.