Da der Körper, insbesondere der Stoffwechsel, ein sehr komplexes System ist, welches versucht immer ein optimales physiologisches Gleichgewicht aufrecht zu erhalten, hat der Blutzuckeranstieg einen entsprechenden Insulinanstieg zur Folge. Genau dieses Insulin wiederum benötigt das Somatotropin, um in der Leber mit Hilfe der Somatomedine ( IGF1, IGF2 ) seine weiteren Wirkungen wie Förderung der Lipolyse, der Gluconeogenese, der Kollagensynthese und Erythropoitinbildung, entfalten zu können.
Gleichzeitig wird durch das HGH die Absorption von Calcium und Phosphat im Darm gesteigert und die Calciumausscheidung über die Niere gefördert. Ferner wirkt das Wachstumshormon, wie der Name schon sagt, auf das Knochenwachstum und führt, sofern die Epiphysenfugen noch nicht geschlossen sind, zu einem gesteigerten Längenwachstum sämtlicher Knochen sowie einer Vergrößerung der Weichteile.
Weniger bekannt unter den BB`lern ist das das HGH auch die T-Zell-Proliferation, IL-2 Bildung und die Aktivität von natürlichen Killerzellen, zytotoxischen T-Zellen und Makrophagen fördert. Es nimmt damit einen sehr wichtigen Stellenwert bei der Aufrechterhaltung des spezifischen Abwehrsystems des Organismus ein.
Um mal ein Feindbild in diesem Zusammenhang zu kreieren, sei das böse Östrogen erwähnt, welches die Bildung der Somatomedine hemmt und so auch die Wirkung des Somatotropins wesentlich vermindert.
Die Freisetzung des Wachstumshormons erfolgt pulsatil und kann durch bestimmte Komponenten und Metabolite der Ernährung beeinflusst werden. Die hormonelle Regulation erfolgt über die hypothalamischen Botenstoffe Somastotatin als hemmend und GRH (Somatokrinin) als fördernd.
Wie bereits gesagt, vermögen aber auch ernährungsbedingte Stoffwechseländerungen eine Freisetzung von HGH zu fördern bzw. zu vermindern. So vermögen insbesondere die Aminosäuren Arginin, Glutamin und in geringerem Maße Cystein, Lysin, Phenylalanin, Tryptophan und Tyrosin eine HGH- Ausschüttung zu stimulieren.
Stress, katabole Zustände die bei Hungerzuständen vorkommen und der damit verbundenen Hypoglykämie, Glukagon, körperliche Anstrengung-Training und das Dopamin stimulieren eine Freisetzung des Wachstumshormons.
Wenn man sich die Auswirkungen des Somatotropins genauer anschaut und berücksichtigt, dass der Organismus immer bestrebt ist, sein physiologisches Gleichgewicht aufrecht zu erhalten, dann kann man auch verstehen, warum eine Hyperglykämie, Hyperlipidazidämie, Adipositas und Kälte eine Wachstumshormonausschüttung eher hemmen.
Wie oben bereits gesagt hat eine HGH-Ausschüttung einen Blutzuckeranstieg und eine gesteigerte Lipolyse zur Folge. Bei einer Hyperglykämie liegt ja bereits eine hoher Blutzucker vor und eine Hyperlipidazidämie bedeutet daher eine hohe Konzentration an Blutfetten, sodass eine HGH-Ausschüttung und die damit gesteigerte Fettsäurefreisetzung über die Lipolyse für den Körper nur kontraproduktiv wäre.
Aber wie kann sich nun der fleißig bestrebte BB´ler dies Wissen zum Aufbau oder bei der Diät zunutze machen?
In diesem Zusammenhang muss man sich die pulsatile Freisetzung des HGH`s genauer anschauen. Zwar hängt die pulsatile Freisetzung immer von der Konzentration an Somatostatin ab, aber selbst wenn die Konzentration an GRH permanent erhöht ist, so korreliert die Freisetzung immer mit der Veränderung des Somatostatins.
Die Pulsfrequenz wird mit einem Puls pro Stunde bis zu einem Puls alle vier Stunden angegeben wobei eine erhöhte HGH-Konzentration nicht durch eine Erhöhung der Pulzfrequenz sondern durch eine erhöhte Pulamplitude verursacht wird. Tagsüber wird dieser pulsatiler Charakter durch die Nahrungsmetaboliten und deren meist negative Beeinflussung verdeckt.
Die stärkste Freisetzung des Wachstumshormons erfolgt nachts und hier primär in der Slow-wave-Schlafphase.
Als ambitionierter BB'ler isst man selbstredend alle 3-4 Stunden und dies hat, wie unlängst erklärt, eine hemmende Wirkung auf die HGH-Ausschüttung.
Wie also kann man wenn überhaupt seine körpereigene HGH-Freisetzung erhöhen und was ist zu beachten?
Nun, als erstes sollte man sich selbstverständlich klar machen, das eine Stimulation des körpereigenen HGH nur in einem gewissen Rahmen möglich ist und das deren Wirkung wie bei der extern zugeführten Hormongabe sich erst auf lange Sicht bemerkbar machen kann.Wer also hier einen Muskelzuwachs von 10 kg in kürzester Zeit erwartet, der braucht gar nicht erst weiter lesen
Einige medizinische Studien haben keinerlei Erfolge nachweisen können, andere wiederum haben gerade bei einer Diät über die Stimulation der HGH-Erhöhung eine verbesserte Lipolyse und eine größere fettfreie Muskelmasse nachweisen können.
Wenn man sich dementsprechend anschaut, welchen Einflüssen die HGH-Freisetzung unterliegt, so wird auch klar, warum gewisse Studien positive und andere eher negative Ergebnisse aufwiesen.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass egal wie sehr man die GRH-Konzentration erhöht, solange die Hemmung über das Somatostatin vorhanden ist, keinerlei HGH-Freisetzung erfolgt.
Insofern sollte man die Stimulation immer während der natürlichen Pulsfrequenz planen und am besten den Zeitpunkt wählen, wo die natürliche Freisetzung eh am höchsten ist. Das wäre also früh morgens, während des Trainings und kurz nach dem Einschlafen während der Slow-wave-Phase.
Wie gesagt, gestaltet sich eine Stimulation tagsüber aufgrund der einzuhaltenden Nahrungskarenz sehr schwierig und macht auch aufgrund der geringen Freisetzung eher wenig Sinn.
Wer es trotzdem versuchen will, weil er gerade in einer Diätphase ist und vor dem Training 3 Stunden keinerlei Fette oder Zucker zu sich nimmt, dem wäre die Trainingszeit anzuraten. Vor allem Intervalltraining oder Trainingsformen mit einer hohen Laktatausschüttung führen zu einer hohen HGH-Ausschüttung.
Die Erfolge einer HGH-Stimulation hängen allerdings auch mit dem aktuellen Körperfettgehalt zusammen. Amerikanische Studien haben ergeben, dass ein Körperfettgehalt von 15-20% schon zu Problemen bei der Anregung von HGH-Ausschüttungen führen kann.
Werbestrategisch wird ja so einigen Produkten die HGH-Stimulation nachgesagt, aber realistisch gesehen, ist nachweislich eigentlich nur das Arginin in Form von Injektionen oder sehr hohen oralen Konzentrationen in Studien erfolgreich gewesen. Und auch hier gibt es einige negative Studien, sodass auch wieder auf die akribische Einhaltung der Einnahmedisziplinen hinzuweisen ist.
Die orale Einnahme von Arginin muss in hohen Dosierungen vor dem Schlafen gehen oder nachts in den frühen Morgenstunden erfolgen.
(Signifikanter Anstieg der Blutkonzentration an Arginin ist erforderlich.)
Da auch hier eine Nahrungskarenz zur Vermeidung der Hemmung durch Fette, Zucker, Alkohol oder Aminosäuren, die denselben Carrier nutzen, erfolgen muss. Hohe Arginin-Dosierungen können inaktive Herpes-Viren aktivieren, sodass BB'ler, die Probleme damit haben, zusätzliches Lysin substituieren sollten.
Sinnvollerweise sollte man aber auch die normale Funktion des STH-Regelkreislaufes sicherstellen, der zur optimalen Funktion die B-Vitamine in ausreichender Menge (ein Mangel an B6 hat eine Reduktion von bis zu 50 % der STH-Ausschüttung zu Folge), Kalzium, Magnesium und Zink (STH-Insulin-Stoffwechsel) benötigt wird.
Aber nicht nur die Zucker–Aufnahme, auch ein Hyperglykämie würde eine HGH-Freisetzung hemmen, weswegen Diabetiker dies ebenfalls berücksichtigen müssten.
Arginin-Substitutionen oder die Einnahme der anderen STH-anregenden Aminosäuren sollten aber wie immer, um einen Gewöhnungseffekt und damit Verlust der Wirkung zu vermeiden, nie über einen längeren Zeitraum durchgehend erfolgen. Auch hier sollten Einnahmezyklen eine Adaption verhindern.
Nach meiner persönlichen Meinung sind gerade Anwendungen während einer Diät am Erfolg versprechensten, da hier ein Kaloriendefizit mit einer katabolen Stoffwechsellage gegeben ist und der KFA eher sinkt, als steigt, die Einnahmedisziplin mit der entsprechenden Nahrungskarenz besser eingehalten werden kann und auch eher eine low-Carb Ernährung erfolgt.
Wem eine Subsitution zu aufwendig oder zu fragwürdig erscheint, der kann allerdings zu mindest über eine sinnvolle Nahrungsabfolge versuchen, seine HGH-Freisetzung nicht unnötig zu reduzieren.
Das hieße, dass Abendessen eiweißreich unter Vermeidung von allzu viel Fetten und Kohlenhydraten zu gestalten. Wer kurz vor dem Schlafen gehen isst, der sollte möglichst einen hohen Eiweißanteil ohne Fett und mit wenig komplexen Kohlenhydraten wählen.
Wer unter nächtlichen Hungerattacken leidet, sollte auf eiweißreiche Nahrungsmittel zurückgreifen, die Aminosäuren enthalten, die eine HGH-Freisetzung eher anregen bzw. unterstützen, als auf Kohlenhydrate die über den Blutzuckeranstieg eine Hemmung hervorrufen würden.
Eine Optimierung der Nahrungsaufnahme vor dem Training wäre auch dergestalt möglich, dass man 2-3 Stunden vor dem Training seine letzte vollständige Nahrung mit ausreichend komplexen Kohlenhydraten zu sich nimmt und hier mit dem Pre-Work-out-shake und BCAA`s für eine ausreichende Versorgung des Körpers während des Trainings sorgt ohne die während des Trainings erhöhte HGH-Ausschüttung zu verhindern.
Aber das ist natürlich jedem selber überlassen und soll hier kein MUSS sondern nur eine Anregung darstellen.
Quellen:
- Pathophysiologie, Georg Thieme Verlag
- Physiologie, Urban & Fischer Verlag
- Protein und Aminosäuren, Novagenics
- Grundriss der Biochemie, Walter de Gruyter