Im ersten Teil dieses Artikels habe ich einen etwas komplexeren Blick auf einige der physiologischen "Defekte" geworfen, die man häufig bei der Entwicklung eines starken Übergewichts beobachtet. Dies umfasste einen Blick auf die Insulinresistenz/das metabolische Syndrom, die Verwendung der Brennstoffe im Ruhezustand und während Aktivitäten, sowie das Thema der beeinträchtigten Mitochondrialfunktion. Ich habe diesen ersten Teil mit einem Überblick über einige andere Themen inklusive einer generell niedrigen Toleranz gegenüber körperlichen Aktivitäten und einigen anderen psychologischen Themen beendet. Verdammt, der Leser sollte bitte einfach den ersten Teil noch einmal (oder zum ersten Mal) lesen, das wird schneller als diese schreckliche Zusammenfassung gehen.

Wie gewöhnlich war mein ursprüngliches Ziel, diesen Artikel mit zwei Teilen abzuschließen, unrealistisch, was nun bis zum dritten Teil warten muss, in dem ich alles zusammenfügen und über einige praktische Implikationen/Anwendungen sprechen werde. Zunächst möchte ich jedoch über einige weitere physiologische Themen inklusive einer erhöhten Muskelmasse bei stark Übergewichtigen sprechen, einen kurzen Blick auf die Stoffwechselrate werfen und schließlich einige der Realitäten des Trainings betrachten.

Gesteigerte Muskelmasse

Einige der Konsequenzen der Entwicklung von Übergewicht besteht überraschenderweise darin, dass ein Teil des aufgebauten Gewichts aus fettfreier Körpermasse besteht. Durchschnittlich macht die fettfreie Muskelmasse etwa 25% der Gesamtgewichtszunahme aus. Wenn eine Person 100 Pfund an Gewicht zunimmt, dann kann man erwarten, dass 25 Pfund hiervon aus fettfreier Muskelmasse bestehen – und das, ohne dass ein Training absolviert wurde. Ich möchte anmerken, dass dieser Prozess nicht unendlich fortsetzbar ist und selbst extrem übergewichtige Menschen werden bezüglich der fettfreien Körpermasse irgendwann eine obere Grenze erreichen. Oberhalb dieser Grenze besteht eine weitere Gewichtszunahme fast ausschließlich aus Fett.

Ich sollte auch erwähnen, dann ein Teil dieser fettfreien Körpermasse aus neu aufgebauter Skelettmuskelmasse besteht. Ist dem Leser je das Ausmaß der Waden oder der Oberschenkel bei Übergewichtigen aufgefallen? Diese sind oft enorm und besitzen auch die entsprechende Kraft. Man kann sich den Aufbau von Übergewicht auf lange Sicht hin als die ultimative progressive Überlastung vorstellen – das gesteigerte Körpergewicht agiert als Überlastung für die Muskeln des Unterkörpers und diese reagieren hierauf mit einer Hypertrophie.

Doch nicht alles hiervon ist tatsächlich Muskelmasse. Ein Teil hiervon besteht aus dem, was Wissenschaftler heute zutage als nichtessentielle fettfreie Körpermasse bezeichnen. Im Grunde genommen handelt es sich hierbei um Bindegewebe, Glykogen, Wasser, usw., das aufgebaut wird, während das Körpergewicht steigt. Aufgrund dieser Tatsache wird von Wissenschaftlern bei Übergewichtigen in der Regel akzeptiert, dass bis zu 25% des verlorenen Gewichts aus fettfreier Körpermasse bestehen dürfen.

Dies bedeutet, dass bei stark übergewichtigen Personen im Gegensatz zu schlankeren Personen, die sich um einen Verlust an fettfreier Körpermasse kümmern bzw. diesen unterbinden müsse, ein solcher Verlust weniger problematisch ist. Um ein "normales" Körpergewicht (was immer normal in diesem Zusammenhang auch genau bedeutet) zu erreichen, kann bei stark übergewichtigen Personen in der Tat ein gewisser Verlust bezüglich der "zusätzlichen" fettfreien Körpermasse notwendig sein. preview

Im Grunde genommen ist das, was abgebaut wird, genau das, was während der Entwicklung des Übergewichts zusätzlich aufgebaut wurde, weshalb ein solcher Verlust im großen Schema der Dinge keine Rolle spielt. Hier stimmen jedoch nicht alle Wissenschaftler überein – einige unterscheiden zwischen einem Verlust an nichtessentieller fettfreier Körpermasse (Glykogen, Wasser, Mineralstoffe, Bindegewebe) und einem Verlust an essentieller fettfreier Körpermasse (Muskelmasse, usw.). Ersteres kann ohne Bedenken abgebaut werden, was bei letzterem nicht der Fall ist.

Warum erwähne ich dies, außer um mit meinem erstaunlichen Wissen bezüglich unnützer physiologischer Details anzugeben? Hier ist warum: Beim Training übergewichtiger Anfänger verwenden viele Menschen mit einem Bias für den Kraftraum viel Energie darauf, diese Übergewichtigen schweren Gewichte bewegen zu lassen. Sie sind der Ansicht, dass dies das ist, was man im Kraftraum tun sollte und das ist der Grund dafür, dass sie das tun und deshalb müssen auch all ihre Klienten dies tun. Und dies neigt, wenn es über einen gewissen Punkt hinaus geht, dazu, eine reine Verschwendung von Zeit und Energie zu sein.

Einiges hiervon rührt auch von der immer noch weit verbreiteten Fehleinschätzung her, dass Muskeln eine Tonne an Kalorien verbrennen (ein Mythos, den ich im Artikel "Dissecting the Energy Needs of the Body – Research Review" auseinander genommen habe). Trainer hoffen die Stoffwechselrate durch eine Erhöhung der Menge an fettfreier Muskelmasse zu steigern, was recht müßige ist, da die Wirkung hiervon minimal ist (zusätzlich zu der Tatsache, dass stark Übergewichtige bereits zusätzliche Muskelmasse mit sich herumtragen). Ein Pfund Muskeln verbrennt im Ruhezustand etwa 6 kcal und man müsste somit Unmengen an Muskelmasse aufbauen, um einen signifikanten Einfluss auf die Stoffwechselrate zu erreichen (siehe auch den Abschnitt weiter unten, in dem ich näher darauf eingehe, dass eine reduzierte Stoffwechselrate nicht wirklich ein Problem darstellt). Und hierfür bedarf es einer Menge Zeit – Zeit, die man besser damit verbringen sollte, sich auf den aktiven Fettabbau zu konzentrieren.

Dies ist eine gute Überleitung zur fehlgeleiteten Ansicht, dass eine Steigerung der Muskelmasse automatisch den Körperfettanteil senken wird, welche ich im Artikel "Reducing Body Fat Percentage by Gaining Muscle – Q&A" auseinandergenommen habe. Fett zu verlieren besitzt in dieser Hinsicht immer einen größeren Einfluss, wie die Mathematik klar zeigt. Der Aufbau von 5 Pfund Muskeln besitzt im Vergleich zu einem Abbau von 5 Pfund Fett nur eine vernachlässigbare Auswirkung auf den Körperfettanteil (und Gesundheitsparameter bei Übergewichtigen) – und letzteres kann innerhalb eines Bruchteils der Zeit erreicht werden (Wochen für den Fettabbau vs. Monate für den Muskelaufbau).

Ich möchte im Zusammenhang mit der mit Training verbrachten Zeit außerdem anmerken, dass man praktisch immer mehr Kalorien bei einem Ausdauertraining als bei einem Training im Kraftraum verbrennen wird – was nicht bedeutet, dass man mit einem von beiden überhaupt eine Menge Kalorien verbrennen kann. Und bevor irgendjemand mit dem EPOC/dem Nachbrenneffekt des Trainings anfängt, sollte er bitte zuerst meinen Artikel "Effects of Exercise Intensity and Duration on the Post Exercise Oxygen Consumption – Research Review" lesen. Der Einfluss des EPOC ist minimal bis irrelevant: die während der Aktivität verbrannten Kalorien sind unabhängig davon, was man tut, der primäre beitragende Faktor.

Hiermit möchte ich natürlich nicht zum Ausdruck bringen, dass ein Training mit Gewichten nicht aus anderen Gründen wichtig oder nützlich ist (worauf ich im dritten Teil dieser Artikelserie noch näher eingehen werde). Mein Punkt ist lediglich, dass das Verbringen einer übermäßigen Menge an Zeit in Kraftraum mit übergewichtigen Anfängern ganz einfach eine fehlgeleitete Anstrengung darstellt. Es handelt sich um Zeit, die mit größter Wahrscheinlichkeit keinen massiven Einfluss auf das Endergebnis besitzen wird, aber Zeit von anderen, relativ gesehen wichtigeren Aktivitäten; abzieht. Sollte man überhaupt ein Training mit Gewichten durchführen? Ja, auf jeden Fall. Sollte man enorme Mengen hiervon ausführen? Im Allgemeinen nicht.

Ich möchte erwähnen, dass der Biggest Loser Teilnehmer im Artikel "Biggest Loser Feedback" erwähnte, dass ihr Training zu 25% aus einem Training mit Gewichten und zu 75% aus Cardiotraining bestand. Ich könnte mir sogar ein noch weiter in Richtung Cardiotraining verschobenes Verhältnis vorstellen, doch bei Biggest Loser dreht sich das meiste darum, was im Fernsehen gut aussieht und nicht darum, was die richtige Art des Trainings darstellt. Und Leuten beim Cardiotraining zuzusehen ist nicht besonders aufregend, weshalb sich die Teilnehmer mit unterschiedlichen Varianten eines Trainings mit Gewichten herumplagen müssen, damit die Macher eine Stunde Fernsehprogramm hiermit füllen können.
.

Die Stoffwechselrate

Auch wenn die Stoffwechselrate nicht wirklich einen enormen praktischen Einfluss besitzt, möchte ich sie Erwähnen, da ich sie weiter oben bereits angesprochen habe. Es gibt diese tief verwurzelte Ansicht, dass Übergewichtige unter einer niedrigen Stoffwechselrate leiden und diese Idee hält sich nun bereits seit mehreren Jahrzehnten. Ich möchte in diesem Zusammenhang erwähnen – und Leser, die weiterführende Informationen hierzu wünschen, sollten sich meinen Artikel "Metabolic Rate Overview" durchlesen – dass es vier unterschiedliche Komponenten der Stoffwechselrate gibt und dass es sich bei der einen Komponente, über die ich hier spreche, um die Stoffwechselrate im Ruhezustand handelt.

Doch diese Vorstellung, dass Übergewichtige eine (für ihr Gewicht) enorm niedrige Stoffwechselrate im Ruhezustand aufweisen, ist ganz einfach falsch – egal wie tief verwurzelt sie auch sein mag. Abgesehen von einigen seltsamen pathologischen Zuständen (z.B. eine Handvoll Menschen, die unter einem Leptinmangel leiden), ist die einfache Tatsache die, dass Studien das zeigen, was man logischerweise erwarten würde: ein schwerere Körper verbrennt im Ruhezustand (und auch während Aktivitäten) mehr Kalorien. Dies bedeutet, dass Übergewichtige eine höhere Stoffwechselrate als ihre mageren Gegenstücke aufweisen. Eine aktuelle Arbeit erwähnt in der Tat, dass die niemals endende Suche nach einem Beweis für eine reduzierte Stoffwechselrate bei Übergewichtigen, Wissenschaftler über Jahre auf den falschen Weg gebracht hat – sie suchten nach einem nichtexistenten Phänomen.

Ich möchte anmerken, dass einer der Risikofaktoren für Übergewicht in einer niedriger als erwartet ausfallenden Stoffwechselrate besteht. Dies bedeutet, das einige Menschen BEVOR sie übergewichtig werden, eine im Vergleich zu dem, was man anhand ihres Gewichts erwarten würde, reduzierte Stoffwechselrate ausweisen – dies neigt dazu, Folge eines reduzierten Outputs des sympathischen Nervensystems zu sein (an einer Stelle wurde gesagt, dass die meisten bekannten Formen des Übergewichts und der Fettsucht mit einem niedrigen Output des Nervensystems in Verbindung stehen), wobei jedoch auch die Dynamik der Schilddrüse eine Rolle spielen kann.

Und diese reduzierte Stoffwechselrate prädisponiert diese Menschen unter bestimmten Umständen (wie z.B. die moderne Umwelt) für eine Gewichtszunahme. Doch wenn diese Personen erst einmal stark übergewichtig geworden sind, hat sich dieser "Defekt" selbst umgekehrt – schwerere Menschen haben eine höhere Stoffwechselrate als leichtere (auch wenn es bei einem gegebenen Gewicht immer noch eine gewisse Variabilität gibt). Man sieht ganz einfach keine stark übergewichtigen Personen mit einer außergewöhnlich niedrigen Stoffwechselrate – zumindest nicht, so lange kein massives Stoffwechselproblem (wie z.B. ein Leptinmangel) vorliegt und dies kann sowieso nicht mit Hilfe von Training und Diät angegangen werden.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal erwähnen, dass ich hier lediglich über die Stoffwechselrate im Ruhezustand spreche, welche bei Übergewichtigen zuverlässig erhöht ist. Die Stoffwechselrate im Ruhezustand macht jedoch nur 65 bis 75% des gesamten täglichen Energieverbrauchs aus und auch die weiteren Komponenten spielen mit eine Rolle. Einige der anderen Komponenten des Gesamtenergieverbrauchs wie die TEF (thermischer Wirkung der Nahrung) oder die thermische Wirkung von Aktivitäten sind jedoch bei Übergewichtigen häufig reduziert.

Die TEF kann z.B. aufgrund einer Insulinresistenz halbiert sein. Bei einer Kalorienzufuhr von 3000 kcal pro Tag, bei der man eine TEF von 300 kcal (10% der Gesamtkalorienzufuhr) erwarten würde, könnte die TEF in Wirklichkeit bei einer Person, die unter einer Insulinresistenz – welche wie in Teil 1 bereits erwähnt wurde, bei Übergewichtigen häufig vorkommt – leidet, bei lediglich 150 kcal liegen. Auch wenn dies kein massiver Effekt ist, summiert er sich doch im Lauf der Zeit auf.

Darüber hinaus ist die tägliche Aktivität bei Übergewichtigen häufig reduziert. Schwerere Personen neigen ganz einfach nicht dazu, sich so viel wie ihre schlankeren/leichteren Gegenstücke zu bewegen (ein altes Experiment besteht darin, ins nächste Einkaufzentrum zu gehen und zu beobachten, wer den Aufzug und wer die Treppe benutzt). Selbst wenn die Stoffwechselrate im Ruhezustand aufgrund des schwereren Körpers erhöht ist, kann der Gesamtenergieverbrauch aufgrund der reduzierten TEF und der reduzierten Gesamtaktivität immer noch niedriger als erwartet ausfallen.

Ich möchte erwähnen, dass nichts vom oben gesagte in der Praxis für übergewichtige Anfänger relevant ist und an dieser Stelle gebe ich wirklich nur mit meinem Wissen bezüglich physiologischer Details an. Ich bin außerdem ein triebhaft besessener Anhänger der Vollständigkeit, der einen Drang dazu verspürt, tief verwurzelte und völlig dämliche Mythen zu zerstören und dies war einer dieser Mythen.
.

Die Realitäten des Training: Eine Einführung

Im ersten Teil dieses Artikels habe ich bereits erwähnt, dass bei Übergewichtige im Allgemeinen eine recht geringe Trainingstoleranz weit verbreitet ist. Es sollte jedoch angemerkt werden, dass dies nicht der Fall sein muss. Das Beispiel der Sendung Biggest Loser zeigt dennoch, dass es für gewöhnlich ein Fehler ist, von einem Übergewichtigen zu erwarten, dass er von heute auf morgen mit einer Unmenge von Aktivitäten beginnt. Und einiges hiervon geht häufig nach hinten los. Natürlich kann man Übergewichtige dazu bringen, dies zu tun, doch nur weil man es kann, bedeutet dies nicht, dass man es auch tun sollte.

Und eine der Realitäten (und in der Tat auch eine der Ironien) des Trainings besteht darin, dass für gewöhnlich die einzigen Menschen, die mit Hilfe von Training tonnenweise Kalorien verbrennen können, gut trainierte Personen sind (die es für gewöhnlich nicht nötig haben, so viele Kalorien zu verbrennen). Trainierte Sportler können also recht leicht eine massive Menge an Kalorien durch Training verbrennen.

Selbst eine Stunde moderater Aktivitäten kann 600 kcal verbrennen und sie können dies für Stunden in Folge tun. Und eine Stunde hartes Training kann sie näher an 900-1000 kcal bringen, wobei diese Intensität jedoch nicht ganz so lange aufrechterhalten werden kann. Doch diese Sportler sind für gewöhnlich bereits recht schlank und brauchen das somit nicht wirklich.

Dies ist ein Thema, das ich in einer später folgenden Artikelserie detaillierter behandeln möchte, doch die Realität ist, dass Trainings meist keine massiven Mengen an Kalorien verbrennen wird. Unter den meisten Umständen sind Werte im Bereich von 5 kcal pro Minute (das sind 300 kcal pro Stunde) realistisch und auch Werte von bis zu 10 kcal pro Stunde sind manchmal erreichbar. Viel mehr als dies zu erwarten, ist jedoch nicht realistisch.

Ich möchte anmerken, dass schwerere Personen augrund ihrer höheren Körpermasse mehr Kalorien während Aktivitäten verbrennen können, doch ihre Fähigkeit, eine Menge Aktivitäten auszuführen, ist in der Regel begrenzt. Auch wenn ich hiermit etwas voraus greife, möchte ich erwähnen, dass ich Menschen gesehen habe, bei denen bereits 5 Minuten schnelles Gehen auf dem Laufband ausgereicht haben, um sie zu erschöpfen. Dies liefert kein großes Potential für zusätzlich verbrannte Kalorien.

Es ist ein echtes Dilemma.

Wie ich in mehreren Büchern beschrieben habe, besteht der Widerspruch darin, dass die Menschen, die dazu in der Lage sein müssten, mit Hilfe von Training eine Menge an Kalorien zu verbrennen, um die Energiebilanz in Richtung eines Fett-/Gewichtsabbaus zu verschieben, dies für gewöhnlich nicht können, da ihre Toleranz gegenüber Training (entweder aus physiologischer oder psychologischer Sicht) ganz einfach zu gering ausfällt. Und die Menschen, die eine Tonne an Kalorien durch Aktivitäten verbrennen können, haben dies für gewöhnlich nicht nötig.

Viele der bis heute durchgeführten Trainingsstudien unterstützen in der Tat keinen massiven Einfluss des Trainings auf den Gewichts-/Fettabbau – zumindest nicht im Bezug auf die Menge des verlorenen Gewichts (Training kann jedoch mit Sicherheit die Qualität des verlorenen Gewichts – fettfreie Körpermasse vs. Fettmasse – beeinflussen). Natürlich haben einige Studien einen Einfluss festgestellt, doch diese Studien neigen dazu, eine recht große Menge an Aktivitäten zu verwenden (eine Studie, die mir in den Kopf kommt, ließ die Probanden 2 Stunden moderate Aktivitäten an 6 Tagen pro Woche ausführen). Und man sollte mir bitte die Intervallstudien ersparen – selbst die berühmte Trembley Intervallstudie beobachtete lediglich einen Fettabbau von einigen wenigen Pfunden im Verlauf von 12 Wochen. Das ist recht insignifikant.

Dies besitzt in der Tat eine große praktische Auswirkung, auf die ich im dritten Teil dieser Artikelserie im Detail eingehen werde: die Veränderung der Ernährung hat bei diesem Personenkreis eine sehr viel größere Chance als Aktivitäten, die Energiebilanz drastisch zu verändern – und dies gilt insbesondere am Anfang. Während eine Erhöhung der Aktivitäten um 500 kcal pro Tag (was 50 bis 100 Minuten Cardiotraining mit niedriger Intensität entspricht) in der Regel unrealistisch ist, kann dasselbe Defizit sehr viel leichter durch Veränderungen der Ernährung erreicht werden.

Und ich spreche in diesem Fall nicht einmal davon, eine spezifische Diät auszuführen. Häufig reichen bereits einfache qualitative Veränderungen der Ernährung aus. Ein Klient von mir trank z.B. 4 oder mehr Flaschen zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke pro Tag. Ich schlug ihm vor, auf Diätgetränke (oder Wasser) umzusteigen. Diese Veränderung alleine reduzierte seine Kalorienzufuhr bereits um 500+ kcal pro Tag, was in einem Fettabbau von einem Pfund oder mehr pro Woche ohne wirklich große Veränderungen seiner Ernährung resultierte. Doch ich schweife ab.

Zurück zum Training und seiner allgemeinen Irrelevanz im Bezug auf den Einfluss auf die Energiebilanz. Realistisch betrachtet, kann und wird Training im Allgemeinen keine massive Wirkung besitzen. Es sei angemerkt, dass es andere potentielle Vorzüge von Aktivitäten wie eine bessere Einhaltung des Diätprogramms, Gesundheitsvorzüge, usw. gibt – das Verbrennen zusätzlicher Kalorien ist hier nicht das einzige mögliche Ziel.

Fazit ist jedoch, dass außer bei Verwendung massiver Mengen, Training in der Regel wahrscheinlich keinen massiven Einfluss auf Körpergewicht oder Körperkomposition besitzen wird. Und die meisten untrainierten Menschen (unabhängig davon, ob sie übergewichtig sind, oder nicht) sind nicht dazu in der Lage, massive Mengen an Training durchzuführen.

Die Erkenntnis, dass moderate Mengen an Aktivität (sagen wir 30 bis 40 Minuten, ein paar mal pro Woche) nicht dazu führen, dass man Tonnen an Gewicht verliert, war tatsächlich eine große Neuigkeit im letzen Jahr (ich glaube im Time Magazin). Moment, dies ist eine Neuigkeit? Verdammt, ich habe hierüber bereits vor 15 Jahren im meinem Buch "The Ketogenic Diet" berichtet.

Ich schätze die Neuigkeit ist eher die, dass Training falsch dargestellt (als Allheilmittel für alles) oder falsch interpretiert (als Allheilmittel für alles) wurde. Die Erwartungen waren ganz einfach unrealistisch – Trainierende und zum Training hingezogene Menschen sendeten entweder die falsche Nachricht, oder die breite Öffentlichkeit verstand diese Nachricht falsch. Fazit ist, dass die meisten wissenschaftlichen Untersuchungen keinen großen Einfluss realistischer Mengen an Training auf die Quantität des Gewichtsverlustes beobachten konnten.

Die meisten dieser Studien verwendeten jedoch nicht nur recht moderate Mengen an Aktivitäten, sondern auch keinerlei Progression. Sie ließen die Probanden ganz einfach während der gesamten Studiendauer dieselbe moderate Menge an Aktivitäten ausführen, ohne je irgendetwas zu erhöhen.

Dies bringt mich zu einer Qualifizierung der Aussage, die ich oben gemacht habe, dass Übergewichtige Trainingsanfänger in der Regel nicht viel Toleranz gegenüber einem Training aufweisen (entweder aus physiologischen oder psychologischen Gründen). Und diese Qualifizierung besteht darin, die Aussage "zumindest nicht von Beginn an" zu diesem Satz hinzuzufügen. Doch dies kann im Lauf der Zeit verbessert werden.

In der Tat verbessert sich diese Toleranz für gewöhnlich recht schnell. Das ist der Vorteil daran, wenn man völlig untrainiert ist – man wird bei den meisten Dingen sehr viel schnellere Fortschritte erleben, was zumindest dann gilt, wenn das Training korrekt aufgebaut ist. Dies besitzt seinen eigenen Satz von Vorzügen. Der Punkt ist jedoch – zumindest bis zu einem gewissen Grad – dass das Training entweder im Bezug auf das Volumen (Dauer), die Frequenz (Trainingseinheiten pro Woche) oder Intensität (Schwierigkeit) – oder alle drei Parametern – progressiv gestaltet sein muss. Dies ist jedoch ein praktisches Thema, auf das ich im dritten Teil dieser Artikelserie eingehen werde.

In diesem Zusammenhang möchte ich außerdem hervorheben – und dies mag wie eine zu starke Verallgemeinerung klingen (was es auch ist) – dass übergewichtige Menschen meiner Erfahrung nach nicht viel Spaß an Training haben. Es ist wahrscheinlich sicherer zu sagen, dass die meisten übergewichtigen Menschen keinen Spaß am Training haben, doch in dieser Artikelserie geht es ja darum, wie man übergewichtige Anfänger trainiert. Die Gründe hierfür sind sicherlich vielschichtig und letztendlich irrelevant.

Es kann sich um eine schlechte Erfahrung als Kind handeln (wie viele in meinem Alter erinnern sich noch an den Horror des Presidents Physical Fitness Tests und den emotionalen Narben, die dieser hinterließ?), oder die einfache Tatsache, dass trainieren keinen Spaß macht (aus Gründen, die von körperlichem Unwohlsein über die Realitäten, die es mit sich bringt, wenn sich schwerere Menschen intensiv bewegen bis hin zum Stress reichen, dem man in einem Fitnessstudio ausgesetzt ist, wenn man von Arschlöchern umgeben ist). Dies ist eine andere Hürde, die zusätzlich zu allem Anderen, was ich bisher beschrieben habe, den Beginn eines regelmäßigen Trainingsprogramms erschwert. Sie wollen erst gar nicht trainieren und wenn sie es doch tun, dann besitzt es keine große Wirkung. Das ist in der Tat kein gutes Verkaufsargument.

Und diese Tatsache (oder zumindest grobe Verallgemeinerung) besitzt enorme praktische Implikationen für das Training (im Bezug auf mehrere psychologische Themen inklusive Emotionen, positiver Bestärkung und anderen), das ich im dritten Teil dieser Artikelserie beschreiben werde. Der Leser kann sich vielleicht schon denken, was diese Implikationen sind (und was ich empfehlen werde, um mit diesen umzugehen), doch er wird bis zum nächsten Teil warten müssen.