Disclaimer:
Der Text ist bewusst überzogen und einzelne Kommentare wurden bewusst übertrieben dargestellt. Lassen Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, nicht von meinen Machenschaften täuschen! Das ist meine Meinung, bilden Sie sich gefälligst Ihre eigene!


Ein voreiliger Irrtum?

Ich muss diesem Artikel einen kleinen Vorlauf gewähren. Nichtsahnend kam ich von der Arbeit nach Hause und setzte mit gemütlich, das perlende Alkoholfreie auf dem Couchtisch serviert, zum genüsslichen Ausspannen auf die Kissen und schaltete ein. Der Fernsehabend war schnell geplant: Es lief eine 45-minütige Sendung über das Abnehmverhalten der Deutschen. Macht eine Diät Sinn? Inwieweit muss sie ausgeführt und erprobt werden? Wer, wie und was eignet sich für eine Diät und was passiert danach? All diese Fragen wurden von einem bekannten Fernsehkoch dargeboten, beleuchtet und erörtert. Er wollte herausfinden, wann er zu dick sei, wie er sein Gewicht langfristig halten könne – er habe ja schließlich schon eine Diät hinter sich und musste leider feststellen, dass er nachfolgend zulegte. Da kam ihm die Idee. Ich konzentrierte mich innerlich, um meine Anspannung im Griff zu halten...

Eine eigens kreierte Studie musste her! Vier Probanden aus verschiedenen gesellschaftlichen Milieus wurden vorgestellt – von der 23-jährigen Fußballspielerin zum 66-jährigen Pensionär. Jeweils einer dieser Personen sollte die Prinzipien von Weight Watchers, Schlank im Schlaf, der Trennkost, und der Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung befolgen und aufdecken, ob diese Verhaltensaufstellungen und Systeme auch tatsächlich das taugen, was sie versprechen. Der bekannte Fernsehkoch ermittelt...

Verschiedene Motivationen

Viele Gründe wurden von den Probanden vorgelegt, weshalb sie gerne abnehmen würden und warum sie überhaupt in diese miserable Situation hineinrutschten: Schwangerschaften, der Stoffwechsel, gescheiterte Diäten, "die letzten Kilo sind die schwersten", der enge Rock soll endlich wieder passen, die Familie treibt einen dazu, die Füße (und andere Körperteile) können im Stehen nicht mehr erblickt werden.
"Tja. So ist das Leben!", wie mir neulich ein älterer Herr auf dem Supermarktparkplatz zusprach und von Dannen ziehen wollte, aber nicht mehr zwischen die zwei Autos passte, um die Fahrertür zu öffnen.
Welche Motivation braucht der Mensch, um seine Ziele zu erfüllen? Müssen es immer nur vorgeschobene Gründe sein, oder kann der Abnehmwillige nicht einfach klar bekennen: "Ich fresse zu viel, ja verdammt! Und ich bin selber an meiner Misere schuld, und deshalb möchte ich abnehmen."
Zugegebenermaßen war dies genau auch bei mir der Fall. Ja, ich war zu dick, und ja, ich war auch Schuld daran, wenn täglich die Pizza oder die 3 Liter Vollmilch grüßten.

Wann gilt ein Mensch als dick?

Dieser Frage wird auf den oberflächlichen Grund gegangen: Ein Professor wählt die geeignetste Methode zur Körperfettanalyse aus. Die Bioimpendanzanalyse – Das Ding, welches manche von uns im Bad stehen haben, bloß mit zwei Griffelhaltern noch dazu. Über den Fehlerquotienten dieser Analysewaage möchte ich nicht urteilen. Schon gar nicht, wenn der zu analysierende Mensch vorher eine Chinapfanne und 500 ml Cola zum Frühstück aß. Der Kommentar des Professors zu den festgestellten 25 Prozent Fettanteil: "relativ wenig". Die Menge in mir brodelte.

Wenn natürlich der deutsche, beziehungsweise westeuropäische Durchschnitt herangezogen wird, stimmt seine These. Wir reden aber im Kontext von einem gesunden Maß! Der Fernsehkoch hat dazu einen BMI von 29,7. Ob eine Empfehlung für eine Diät ausgesprochen werden könne? Nein, es seien nur Hinweise. Es gäbe genauso gut gesunde Menschen mit einem BMI von 30. Fragt sich hinsichtlich der Problematik bloß, wie lange diese Menschen noch gesund bleiben? Und dann immer diese Pauschalisierungen: Es wird bestimmt auch gesunde Menschen mit einem BMI von 40 oder 50 geben.

Die ersten Tage der Diät

Der Schlank-im-Schlafende musste seine Diät kurzfristig unterbrechen. Er hielt es nachts nicht mehr aus und genehmigte sich eine Bockwurst und Weißbrot. Sauber.

Die Fußballerin ist erschrocken über die Tatsache, dass sie innerhalb von ein paar Tagen nur ein paar Hundert Gramm abnahm.

Die Trennkost-Probantin nimmt es nicht ganz genau mit der Trennkost und isst Kohlenhydrate mit Eiweiß zusammen. Wie soll sie auch auch trennen bei Buttermilch?

Weight Watchers erlaubt der Abnehmwilligen Burger und Pommes. Ausgerechnet nach Punkten ist es ihr dennoch zu wenig, weshalb sie noch eine gesunde Orange beilegt. Schließlich muss man auch satt werden!

Zwischenzeitlich geht der hochkarätige Sternekoch der Frage noch, ob Light-Produkte eine Alternative zu der Diät seien. Den optischen Täuschungsversuch der Cornflakes-Industrie konnte er gekonnt enttarnen. Der Fettgehalt wird hervorgehoben; die Packung ist im Allgemeinen gesünder gestaltet; die Farbwahl wird bewusst gewählt und schließlich verrät der gewählte Blick auf die versteckte Nährwerttabelle, dass das Light-Produkt mehr Kalorien enthält als die Standardvariante. Ja sogar am Zucker wurde nicht gespart und es enthält trotz der aggressiven Aufmachung "nur 1,5 % Fett" mehr Fett. Welch ein Schelm, der Böses denkt.

Woche Zwei im Programm

Schlank im Schlaf setzt dem Pensionär zunehmend an. Keine Brötchen, kein Brot darf er abends mehr essen. Dafür wird er nahezu gezwungen einen Schinken-Salat mit Mais zu essen. Ach Pardon, ihm fällt just auf, dass er ja kein Mais essen darf. Ach Gott, welche eine Katastrophe! Und das soll vom Abend an bis morgen früh reichen – ein perfekter Proband für Intermittierendes Fasten!

Die einzig Glückliche ist die Trennkost-Diätende.

Die DGE lässt ihren Schützling mit ihren Empfehlungen verhungern. Der Fußballerin fehle das Gefühl des totalen Platzens und ins-Bett-Fallen am Abend.

Unsere Pommesverfechterin muss sich leider an einer Hähnchen-Garnelen-Pfanne erlaben: "Mal schauen ob's schmeckt...".

Ein Besuch bei einer Frauenzeitschrift

Der Schönheitswahn expandiert, tausende Werbemachungen umzingeln uns täglich und bläuen uns die heilige Welt der Schlanken ein.
Versprechungen überall: Just im Bild "46 kg in 18 Wochen". Nebenbei ist auch eine Naturalbodybuilder-Zeitrschrift zu sehen. Wir werden also auch getäuscht, wir Bodybuilder! Ist etwas dran an den Versprechungen? Die Dame von der Frauenzeitschrift erklärte: Viele unseriöse Zeitschriften würden damit werben. Nein, da sei tatsächlich nichts dran. Och, ich dachte aber...
Sie gibt aber insgeheim zu, dass sie selber mit den psychologischen Tricks des Marktes arbeiten. Im Januar verkaufen sich Zeitschriften mit dem Titelthema „Abnehmen“ besser als zu anderen Jahreszeiten. Sie drückt sich klar aus: Frauen wollen zu einer bestimmten Zeit im Jahr was für sich tun und auf ihr Gewicht achten. Na klar, aus der Sicht des Homo Ökonomikus würde ich dann auch die Werbetrommel schwingen und die kleine Klapperkasse 'rumgeben. Nebenbei im Frühjahr verkaufen sich die gewissen Hefte nicht so gut. Frühjahr? Januar? Hmm...

Folgend der Kommentar einer Psychologin bezüglich der fälschlichen Werbung: Kaum einer könne dem Schönheitsideal, diesem Wahn gerecht werden. Wir werden belogen und betrogen. Photoshop ist dein Freund. Und diese Masse an Sinnesvergewaltigung [A. d. V.: eigensgewählter Ausdruck] habe es sonst zu keiner Zeit gegeben. Ja selbst jene, welche eine Vorbildsfunktion für uns aufweisen, die Reichen und Schönen, suggerieren ein Trugbild, welches sich fest in unseren Hirnen manifestiert und dort nur mit der Brechstange aus zu prügeln gilt [A. d. V.: eigensgewählter Hauptsatz].

Der Versuch geht in die Vollen

Nach zwei Wochen haben die Probanden durchschnittlich 3 Kilogramm abgenommen. Halbwegs normale Ernährung formt den Körper – auch mit gewissem Trotze:

Der Pensionär erfreut sich über die üppige Mahlzeit aus grünem Salat, Tomaten mit Mozzarella und Schinken. Die Völlerei möge beginnen. Selbes Problem: Wie solle er das bis morgen früh überleben? Dazu täglich ein wenig Sport mit dem Hund, um den Stoffwechsel anzukurbeln.

Die Trennkost schlägt mittlerweile um sich. Die Probandin erfreut sich an jedem purzelnden Kilo.

Die DGE empfiehlt anscheinend als Beigabe zur täglichen Portion Obst und Gemüse einen Schokoriegel, jedenfalls fasst es die Fußballspielerin so auf.

Die Weight-Watchers-Kandidatin nimmt es nicht so genau mit der Frequentierung der Mahlzeiten. Abendessen – wer brauch das schon? Ich glaube, hier haben sich zwei ganz lieb.

Woche 6 - Die Letzte Woche

Unsere Fußballerin mutiert langsam zur richtigen Wettkampfbodybuilderin, jedenfalls hinsichtlich ihrer Ernährungsgewohnheiten. Sie muss langsam sogar Erklärungsversuche überwinden, warum sie denn extra früher aufstehe, nur um sich das Essen für den Tag vorzubereiten.

Schlank im Schlaf schlägt dem Pensionär sehr übel auf den Magen. Seine Essenskultur geht nicht mit dem Studiendesign der Diät konform. Ihm fehle die Variabilität der Auswahl, mittlerweile haben wir auch bemerkt, dass die Essensuhrzeiten ihm nicht zusagen und da er der Koch in der Familie ist, gefalle ihm das Mehr an Kochen – für ihn alles extra zubereiten – nicht.

An der Trennkost hat sich die Diätende erfreut. Ihre Disziplin ist gnadenlos und wird auf der Waage belohnt. Ein Brötchen mit Lachs zum Abend ist nichts verwerfliches, auch wenn die Trennkost vermutlich was anderes predigt. Aber Hauptsache ist, dass es funktioniert! Dennoch steht die Gesundheit der Familie, speziell des Kindes im Weg. Da die Tochter der Mutter gleichziehen und sich auch gesünder ernähren wollte, sah die Mutter keinen Ausweg mehr. Verabschiede dich oh böswillige Trennkost..

Die Weight-Watchers-Bevollmächtigte sehnt sich dem nahen Ziel. Ihr großer Ansporn hierbei: die alten Jugendfotos in gemäßigterem Auftreten.

Wie der Rebound-Effekt verhindert werden kann

Das große Problem einer jeden Diät ist die Wiederaufnahme der normalen Ernährung, schlimmstenfalls der Ernährung vor der Diät, so das Fazit.
Diäten können dem Menschen schaden, und kurzfristige Diäten funktionieren nicht. Velocity-Diät adé! Dauerhaftes Abnehmen funktioniere nur durch Steigerung des Energiebedarfes und durch weniger Kalorien als vor der Diät.

Ist schlank wirklich gesünder?

Der Knüller kommt zum Schluss, bei dem ich mich erst dazu entschloss diesen Artikel zu schreiben.
Früher, so eine andere Professorin, wäre der BMI in Höhe von 25 Punkten der mit der höchsten Lebenserwartung gewesen, heute sei es der mit 27 Punkten.
Eine tollkühne Behauptung, die sie mit Studien untermauerte. Also keine These mehr? Ja es ist Fakt! Warum ist es Fakt? Wir gehen in diesem Moment von einer perfekten Ernährung jeder untersuchten Person aus, die so nur in der irrealen Welt der Behauptungen existiert. Erst eine Ernährung einer Person mit dem BMI in Höhe von 27 Punkten scheint den groben Bedürfnisumfang des Körpers abzudecken. Die Ernährung einer "normalgewichtigen Person", sei sie trotz dessen isokalorisch, ist in den meisten Fällen unter aller Sau! Wer Chinapfanne, wie der bekannte Fernsehkoch, genüsslich nebenbei futtert, währenddessen die Kamera bewusst ihn filmt, erweckt große Zweifel an der Ausgewogenheit der Ernährung. Und das soll dann gesund und abwechslungsreich sein? Fakt ist in allen Fällen, dass eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung schon ein wenig Anstrengung vom Menschen fordert. Die Frohlockungen und die Passivität der westlichen Gesellschaft fordern aber dahingehend ihren Tribut.

"Warum dann diese Panikmache über Diabetes und Übergewicht?" – als Gleichlaut im selben Ton.

Die Fragestellung allein impliziert schon den Fehler. Nicht die Quantität der Ernährung gibt den Scheideweg über Krankheiten auf. Es ist ein ähnlich, ärmlicher Vergleich zu behaupten, mit 3000 kcal aus frittierten Pommes oder 3000 kcal aus fettarmen Fleisch würde man sich gleich ernähren. Würde tatsächlich diejenige Person gleich ab- oder zunehmen? Jeder der sich ein bisschen mit Ernährung auskennt, weiß um diese rhetorische Frage.

"Diäten verlängern das Leben nicht!"

Gesünder heißt in diesem Falle nicht unbedingt länger! Wer hat das behauptet? Ist dies tatsächlich bei den meisten Diätenden das Hauptargument? In erster Linie dreht sich alles um die Optik, um den Phänotyp, um das Erscheinungsbild. Jeder möchte gesund aussehen, keinen Rettungsring unter dem Pullover verstecken. Hier drin sind es 25 °C! Warum hast du immer noch einen Pullover an? Als Zweites möchte jeder auch gesünder leben. Ob dies nun das Leben verlängert, ist erst einmal egal. Hauptsache ist, dass man die letzten 20 Lebensjahre nicht auf dem Zahnfleisch in die Urne kriecht, sondern würdevoll mit voller Vitalität urplötzlich abtritt. Meinem ehemaligen Nachbar ist dies wiederfahren, Gott hab ihn selig, er war ein vitaler und lebensfroher Mensch, der mit knappen 100 Lebensjahren binnen Wochen aus dem Augenblicke heraus verstarb. So möchte doch ein jeder aus dem Leben scheiden, und nicht der Sozialgemeinschaft jahrzehntelang zusätzlich auf Taschen liegen.

Fast alle Teilnehmer konnten ein Stück ihrer Ernährungsumstellung bewahren, und haben folglich auch innerhalb der nächsten 3 Monate abgenommen oder konnten grob gesehen das Gewicht halten. War die jeweilige Diät, sei sie noch so unbeherzt angegangen worden, nun erfolgreich? Ja, war sie. Mit jedem überschüssigen Kilogramm fördert man den eigenen Verschleiß. Für die wenig-wissenschaftlich Orientierten unter uns: es gibt Hinweise darauf, dass die Krankheitsanfälligkeit mit Übergewicht erhöht wird, dass Unfälle im Alltag sich häufen und dadurch längere Krankheitsperioden mit diversen Ausfällen und Kosten unabdingbar werden. Wir sprechen hier von einem Großteil der Deutschen:

Anteil der Menschen mit einem BMI über 25 in Deutschland:

BMI über 25
(Quelle: Statistisches Bundesamt BRD, Stand 2002)


Das Fazit zu allem

Warum habe ich mir das trotzdem gegeben – die 45 Minuten, obwohl ich es doch schon wusste, wie es ausgehen wird? Diese Frage stelle ich mir bei so manchen Sendungen, vermutlich hat mich die Fastfood-Werbung übermannt und steuert mich von einer geheimen Zentrale in Nevada aus fern. Oder waren es doch die Illuminaten?

Der geneigte Leser erkennt, dass der reduzierte Inhalt eine sarkastische Darstellung der Gesellschaft verinnerlicht. Dennoch ist jeder von unseren Nichtsportler-Freunden daran gut beraten (und wir sind darin gut beraten sie beim Braten zu beraten), ein wenig mehr auf die Ernährung zu achten. Um schließlich mit einem gekonnt verfehlten Beispiel zu belegen, was tatsächlich in unserer Gesellschaft schiefläuft und um den Leser etwas mit auf dem Weg zu geben: Der Mensch hatte vor circa 70 bis 10000 Jahren noch nicht dieses üppige Nahrungsmittelangebot, welches sich in unserer heutigen Zeit – gerade noch quicklebendig aus dem Wald hüpfend – frisch zerlegt auf unsere Teller gesellt.

Nun denn.


Viel Spaß beim Essen Eurer Lasagne mit kräftigerem Geschmack, oder der Chinapfanne mit Antibiotika-Hühnchen!

Euer liebevoller Maars