Wille und Leiden
"Wenn jemand einmal trainiert, passiert dadurch nichts. Wenn er sich jedoch dazu zwingt, es 100 oder 1000 Mal zu machen, hat er sich offenbar in mehrere Richtungen entwickelt als nur physikalisch. Regnet es? – Total egal. Bin ich müde? –Interessiert mich auch nicht. Die Kraft des Willens ist also kein Problem mehr."Emil Zatopek
Der Unterschied zwischen einem guten Kletterer und einem der es werden will, ist der Wille. Der erfahrene Kletterer trainiert seine Disziplin, von der er weiß, dass er sie braucht. Er trainiert um stärker zu werden als er denkt, dass es nötig ist. Auf einer Strecke isst er so viel dass seine Energie aufrechterhalten bleibt, auch wenn er davon würgen muss, und er trinkt regelmäßig damit er genügend hydriert ist. Er stoppt in der Mitte der Strecke um seine Mütze hochzuziehen wenn der Sprühnebel stärker wird anstelle mit dem Weiterklettern zu warten, und er bleibt deshalb trocken. Er behält die Disziplin, die es braucht um Nacht für Nacht Eis zu schmelzen um seine Wasserflaschen wieder aufzufüllen und um den Schnee aus seinem Zelt zu schaufeln anstatt ihn einfach schmelzen zu lassen. Es ist ihm egal wenn sein Partner weniger Gewicht als er selbst trägt. Er wacht auf und macht den Gaskocher an wenn der Alarm ausgeht. Ein großartiger Kletterer erkennt, wenn er einen schlechten Tag hat und sagt dies seinem Partner, dann überlässt er die Führung einem anderen an einer Stelle an der er vermutet zu langsam zu sein und folgt so schnell er kann. Er kocht alles alleine in dieser Nacht. Ein Kletterer mit harten Willen wird einen oder zwei Tage fasten ohne sich zu beschweren und das schlechte Wetter abzuwarten.
Wo kommt diese Entschlossenheit und Härte her? Sie kommen von Sehnsüchten und Zielen, den Einsatz der benötigt wird um sie zu erreichen und der Tatsache, dass man alles dafür geben wird. Ein starker Wille wächst aus erfolgreichem Leid und wird dafür belohnt. Kommt ein starker Wille von vielen Jahren harten Trainings oder kommen diese Einheiten von einem dominierenden Willen? Es gibt keine richtige Antwort, weil Wille und Handeln sich gegenseitig beeinflussen.
Leiden bietet die Möglichkeit Willen und Mut zu trainieren. Ersetze Klettern mit speziellem Training um das Selbstvertrauen zu stärken. Klettere an lokalen Klippen hoch unter Wetterbedingungen die so schlecht sind, dass man ihnen in den richtig hohen Bergen nie begegnen würde. Der österreichische Kletterer Herman Buhl trug Schneebälle in seinen Händen herum um die Toleranz der Kälte gegenüber zu erhöhen und die Kapillarisierung zu verbessern. Er kletterte die lokalen Klippen den ganzen Winter hoch und ließ sich auch von Stürmen nicht daran hindern. Zu den Bergen fuhr er mit dem Fahrrad 100te Kilometer als Training. Es machte sich natürlich bezahlt, als er es schaffte alleine den Nanga Parbat zu besteigen.
Der Geist und der Körper passen sich beide an Bequemlichkeit und Verlust an. Die Schwierigkeiten des Bergsteigens mögen vielleicht irrational erscheinen und vom Sessel aus betrachtet auch riskant, aber zu lernen damit umzugehen ist wichtig. Genieße die Herausforderung Schwierigkeiten selbst zu überwinden, die normale Männer nicht überstehen würden.
Michael Gilbert und Scott Backes wurden bis auf die Knochen nass, als sie die Wasserfälle der Eiger Nordwand hochkletterten. Als sie nachts dann Pause machten, bemerkten sie, dass auch ihre Schlafsäcke durchnässt waren. Michael fragte, "Was machen wir jetzt?" und Scott antwortete, "Wir werden leiden." Und sie taten es. Es war allerdings eine Kleinigkeit im Vergleich zwischen dem gewollten Leiden und dem Leiden dass sie durch die Entwicklung der Alpen erfahren hätten.
Lerne zu leiden!