Ziele sind organisch
Von Cory Swede Burns
Es ist so: Wenn Ihr Euch ein Ziel setzt, solltet Ihr sofort damit beginnen, dieses zu verfolgen. Das heißt nicht, dass Ihr kein spezifisches Ziel und keinen gut durchdachten Plan haben solltet. Natürlich solltet Ihr das! Aber diese Punkte werden sich entwickeln, während Ihr Euch vorwärts bewegt. Es gibt immer etwas, das Ihr genau jetzt tun könntet, was Euch Eurem Ziel ein Stückchen näher bringen würde, selbst wenn es nur ein Schritt in die ungefähre Richtung Eures Ziels wäre.
Lasst uns zum Beispiel annehmen, Ihr möchtet an einem Wettkampf im Powerlifting, olympischen Gewichtheben, Strongman, Crossfit oder Bodybuilding teilnehmen. Ein Trainingsprogramm durchzuführen, welches auf den gewählten Sport zugeschnitten ist, wäre ein guter erster Schritt. Das trifft auch zu, wenn Ihr Euch noch nicht für einen bestimmten Wettkampf entschieden habt. Leuchtet ein, oder?
Sagen wir mal Ihr seid Euch nicht sicher, an welcher der fünf genannten Sportarten Ihr am meisten interessiert seid, wollt aber auf jeden Fall in einer von ihnen zu Wettkämpfen antreten. Ein grundlegendes Programm für Kraft und Ausdauer zu beginnen, wäre immer ein Schritt in die richtige Richtung. An dieser Stelle des Weges ist es tatsächlich noch nicht so wichtig, sich für einen bestimmten Sport zu entscheiden. Ich denke bis hierhin werden mir die Meisten zustimmen.
Mein letztes Beispiel ist das eines Athleten in der Offseason. Ihr bestreitet Wettkämpfe im Basketball, Football oder Hochsprung. Ihr seid Euch nicht sicher, welcher Aspekt Eures Trainings der wichtigste ist und an welchen Punkten Ihr vor allem arbeiten solltet, um Eure Leistung im jeweiligen Sport zu verbessern. Einen guten Coach zu haben, der Euch alles erklärt, wäre hier sehr hilfreich, aber manche Coaches sind einfach schlecht. Vielleicht gehört Ihr im Moment nicht zu den besten Sportlern des Teams und bekommt deshalb nicht so viel Aufmerksamkeit wie Ihr gerne hättet, außerdem sind die Tipps Eures Coaches eher undeutlich und verwirren Euch noch mehr. Wenn Ihr wolltet, so könntet Ihr die gesamte Offseason damit verbringen darüber nachzudenken, was Ihr nun genau tun sollt. Die andere Möglichkeit ist, sich ein typisches Offseason-Trainingsprogramm für Euren Sport zu schnappen und mit voller Kraft loszulegen. Hört auf zu viel zu denken, zu analysieren und zu planen. Ihr verschwendet Eure Zeit. Fangt endlich an zu arbeiten. Wenn Ihr Euch während der Offseason in jedem Aspekt Eures Trainings verbessert, werdet Ihr die nächste Saison als besserer Athlet beginnen. So einfach ist das.
Tatsache ist, dass sich irgendwann während Ihr Euch grob in Richtung Ziel bewegt, die kleinen Feinheiten mit denen Ihr vorher noch solche Probleme hattet, ganz von selbst ergeben werden. Ihr braucht ein solides Trainingsprogramm. Ihr müsst an Euren Zielen festhalten, während diese sich weiterentwickeln. Und das werden sie. Sie werden sich verändern und immer spezifischer werden. Wenn Ihr mutig genug seid, werdet Ihr diese Ziele überrennen und Euch neue setzen müssen. Wenn Ihr selbstsicher und aktiv seid, Euch immer auf Euer Ziel zubewegt, werdet Ihr es erreichen. Alles was ich Euch gerade gesagt habe, erzähle ich auch jedem meiner Klienten. Aber mehr noch: Ich praktiziere selbst was ich predige.
Vor ungefähr sechs Monaten hatte ich die Eingabe, dass ich mein Wettkampffeuer neu entfachen müsste, wollte ich das Beste aus mir als Coach herausholen. Ich hatte seit meinem dreiundzwanzigsten Lebensjahr nicht mehr ernsthaft an einem sportlichen Wettkampf teilgenommen und bin inzwischen 30 Jahre alt. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich drei dieser Jahre im Knast verbracht habe, aber das ist eine andere Geschichte. Da ich sicher kein Superstar bin und Ihr wahrscheinlich nichts über mich wisst, werde ich Euch ein wenig von mir erzählen. preview
Ich fing bereits mit 11 oder 12 Jahren an Gewichte zu heben, nachdem ich von meinen Eltern verlangt hatte mir ein Hulk Hogan Hantelset zu kaufen. Ich wollte genau so groß und stark werden wie er, also brauchte ich auch seine Hanteln. Sie waren aus Plastik, mit Sand gefüllt und ich trainierte wie verrückt mit ihnen. Ich machte jeden Tag Bankdrücken, Schulterdrücken und Curls. Ich hatte keine Ahnung von dem was ich tat und doch bewegte ich mich stetig näher an mein Ziel heran, auch wenn ich damals noch nicht wusste, was es eigentlich genau war.
Während der High School nahm ich an Wettkämpfen im Wrestling und Powerlifting teil. Ich war kein guter Wrestler und verlor schnell das Interesse daran. Das Powerlifting wurde von einem Sportlehrer – Mr. Davis – organisiert, mit dem ich mich anfreundete. Mit 15 brachte er mir bei wie man richtig Kniebeugen ausführt, was mir vielleicht mehr im Leben gebracht hat als alles andere, das ich damals lernte.
Von den späten Neunzigern bis früh ins neue Jahrtausend nahm ich an Bodybuilding-Wettkämpfen teil. Das ist mein dunkles, beschämendes Geheimnis und ich rede nicht gerne darüber. Nein nein, ich mache nur Spaß (zumindest teilweise). Zu dieser Zeit war ich leidenschaftlich dabei und konnte einige Erfolge erringen. 2002 unterschrieb ich einen Vertrag bei einer Supplement-Firma und konnte mich auf einem nationalen NPC Wettbewerb unter den besten Zehn im Superschwergewicht platzieren.
Auf meinem Weg dorthin sah und erlebte ich einige Dinge, die mich enttäuscht vom Bodybuilding zurückließen. Ich entschied, dass dies nicht der richtige Sport für mich war und beendete 2003 meine Wettkampfkarriere. Ich habe es nicht bereut. Auch als ich noch für Bodybuilding Wettkämpfe trainierte, ging es mir eher um Kraft als den meisten anderen Bodybuildern die ich kannte und mit denen ich trainierte. Dieses Streben nach Kraft hat mich mein gesamtes Leben begleitet und war immer ein zentraler Punkt meines Trainings. Es war also klar, dass ich nun in einem kraftorientieren Sport Wettkämpfe bestreiten würde.
Seit ich das erste Mal den Wettkampf "World's Strongest Man" auf ESPN gesehen hatte, interessierte ich mich für Strongman. Zuerst war ich ziemlich sicher, dass dies der richtige Sport für mich wäre. Meiner eigenen Lehre folgend, tat ich einen ersten Schritt in die ungefähre Richtung meines noch recht vagen Ziels, an einem kraftorientieren Wettkampf teilzunehmen. Ich trat Steve Pulcinellas "IronSport Gym" in Glenolden, Pennsylvania bei. Das ist ein Strongman-/Powerliftingstudio und das reinste Mecca für diese beiden Sportarten rund um Philadelphia. Das Studio war rund 45 Minuten von meinem Wohnsitz in Philadelphia entfernt, aber ich wusste, dass ich mein altes, näheres Studio hinter mir lassen musste, wenn ich ernsthaft an Wettkämpfen teilnehmen wollte. Ich sprach mit meiner Frau darüber und wir nahmen uns vor, vier Nächte die Woche zusammen dorthin zu fahren.
Ich sollte dazu erwähnen, dass wir 12 Monate zuvor in einen Motorradunfall verwickelt waren und gerade mit der Reha fertig wurden. Es hatte sie nicht so schlimm erwischt wie mich, aber wir waren beide verletzt. Wir mussten einen Monat lang das Training komplett aussetzen und den meisten Teil des folgenden Jahres mit Rehatraining verbringen. Das einzige Problem welches ich nicht los wurde, befand sich im Bereich meiner linken Hüfte. Wenn ich Kniebeugen ausführte oder auch nur in einer Position saß, in der meine Knie höher waren als meine Hüften, fühlte es sich an als würde ich mir den Oberschenkel auskugeln. Es war ein schrecklicher, schießender Schmerz der von einem krachenden Geräusch begleitet wurde. Eigentlich sollte die Hüfte nicht solche Geräusche machen, aber meine tut es bis heute. Aus diesem Grund verwarf ich das Strongman Training und konzentrierte mich voll und ganz auf Raw Powerlifting. Die Idee, diese drei großen Übungen komplett ohne Equipment zu meistern, hat mir schon immer gefallen. Sie wird immer populärer und bringt dem Powerlifting insgesamt mehr Beachtung ein. Trotzdem muss ich zugeben, dass jeder meiner Helden in diesem Sport ein Equipment Nutzer war oder immer noch ist. Auch ich will eines Tages voll equipped starten.
Ich war mir nicht sicher ob ich in der Lage wäre anständig zu beugen. Wie sich zeigte war ich nicht in der Lage schwere Kniebeugen zu trainieren, außer mit ca. 50 Prozent der Belastung aus elastischen Bändern (so in meiner Wettkampfvorbereitung zu trainieren, hat mich auch fast vollständig von dem mysteriösen Schmerzen und dem Krachen befreit).
Nachdem ich mich entschieden hatte, dass ich an einem Powerliftingwettkampf teilnehmen würde, löste sich die Frage nach dem richtigen Wettkampf quasi von selbst (so wie ich es jedem anderen auch immer prophezeie). Als er sah, dass ich ernsthaft fürs Powerlifting trainierte, erzählte mir der Eigentümer von IronSport (Steve Pulcinella), dass im November ein APA Wettkampf im Studio stattfinden würde. Nachdem ich im Internet gesehen hatte, dass es auch eine Raw Klasse gab, war die Entscheidung gefallen. Ich hatte vier Monate um zu trainieren.
Sofort änderte ich mein Trainingsprogramm zu einer speziellen Variation der DE/ME (Dynamic Effort/Max Effort) Methode, modifiziert für das Raw Powerlifting. Bestimmte Übungen wurden gestrichen und andere, deren Fokus auf der Kraft lag die man fürs Raw Powerlifting braucht, wurden hinzugenommen. Die Pausendauer wurde verlängert und eine strukturierte Planung von Deloads hinzugefügt. Ich arbeite zur Zeit an einem E-book für Raw Powerlifter, welche die DE/ME Methode als Training vor ihren Wettkämpfen oder auch in der Offseason verwenden wollen.
Mit 4 Monaten Zeit bis zum Wettkampf und im vollen Bewusstsein meines Handicaps, konnte ich mir nun einige realistische Ziele setzen. Da ich diesen Wettkampf ohne Equipment bestreiten wollte, peilte ich beim Bankdrücken 225 Kilo an, vorausgesetzt meine Handgelenke würden mir nicht dazwischen funken. Solange ich im Training nicht auf Handgelenksbandagen zurückgreifen müsste, würde ich es schaffen. Einen Gürtel besitze ich nicht mal. Ich habe keinen mehr benutzt, seit ich für Bodybuilding Wettkämpfe trainiert hatte und selbst damals zog ich ihn nur an um auf Bildern härter auszusehen. In Anbetracht der Schmerzen in meiner Hüfte rechnete ich im Kreuzheben mit etwas über 272 Kilo. Das wars also. Kniebeugen waren mir nicht möglich, ich würde also nur Drücken und Heben und dabei versuchen auf 225 und 272 Kilo zu kommen.
Nach zwei Wochen Training hatten sich meine Ziele schon weiterentwickelt. Ich entschied mich, den Landesrekord im Bankdrücken in Angriff zu nehmen, der damals bei 227 Kilo lag, somit waren meine Ziele nun 229 und 272 Kilo. Dadurch hätte ich mit nur zwei Übungen eine Gesamtleistung von über 500 Kilogramm.
Aber meine Ziele entwickelten sich noch immer....
Letzte Woche war der Wettkampf. Ich drückte 238 und zog 317,5 ohne jegliches Equipment. Am nächsten Tag teilte mir der Veranstalter per E-mail mit, dass meine beiden Leistungen APA/WPA Weltrekorde in meiner Gewichtsklasse waren.
Da es sich um Rekordversuche handelte, erhielt ich vier Versuche pro Übung. Hier kann man sie sich ansehen.
Ein weiteres Highlight des Tages war, dass ich einen Raw Powerlifter treffen und mit diesem wetteifern konnte, den ich sehr respektiere: Scott Yard. Er ist ein sehr freundlicher und bescheidener Kerl. Es war großartig zu sehen, wie er eine Gesamtleistung von 907 Kilo schaffte.
Die Liebe und Unterstützung meiner Frau (die gleichzeitig auch mein Trainingspartner ist), sind ein wesentlicher Teil meines Trainings und ohne sie wäre ich heute nicht der, der ich bin. Ich möchte mich außerdem bei meinen Klienten bedanken, dass sie um das Datum des Wettkampfes herum auf mich Rücksicht nahmen was die Terminplanung angeht.