"So eine Packung hält bei mir vielleicht eine Woche!" So äußerte sich kürzlich Deutschlands derzeit populärste Bikini-Athletin Sophia Thiel im Team Andro-Interview. Gemeint ist ein Gewürz, das nach und nach seiner recht winterlichen Schublade zu entkommen scheint: Der Zimt. Doch warum findet sich das braune Pulver in immer mehr Sportler-Küchen wieder?

Zimt ist weder Frucht noch Samen noch Wurzel, sondern wird aus der Innenseite der Rinde von Zimtbäumen gewonnen. Diese sind vor allem im ostasiatischen Raum beheimatet, von hier wird das Gewürz in Stangen- oder Pulverform in alle Welt exportiert.

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Die Inhaltsstoffe

Der so unscheinbare Zimt beinhaltet insgesamt 11 chemische Verbindungen. So ist der Sekundäre Pflanzenstoff Phenylpropan, bzw. Zimtalkohol, gemeinsam mit seinen ätherischen Ölen und einigen weiteren anorganischen Verbindungen, die in Spuren vorkommen, hauptverantwortlich für sein dominantes Aroma ist.

Enthalten ist auch Mannit, ein Zuckeralkohol, der als Zuckeraustauschstoff oder therapeutisch zum Beispiel als Diuretikum eingesetzt wird. Die farbgebenden Gerbstoffe Procyanidine sollen antioxidativ wirken. Und dann ist da noch das intensiv diskutierte Cumarin, das vor wenigen Jahren kurzzeitig durch die Presse geisterte – hierzu später mehr.

Zunächst wollen wir uns ansehen, welche gesundheitlichen Vorteile sich aus den Inhaltsstoffen des Zimtes nach derzeitigem Forschungsstand ergeben könnten.

Wirkung von Zimt auf den Blutzucker

Wer einmal "Zimt gesund" googled, wird fast ausschließlich im Themengebiet Diabetes landen. Insbesondere eine vielbeachtete Studie aus dem Jahr 2003 gibt Grund zur Hoffnung, Zimt könne sich auch bei chronischen Typ-II Diabetikern mittel- und langfristig positiv auf den Blutzucker-Spiegel auswirken. Der über 40 Tage währende Versuch verglich die Entwicklung des Blutzuckers einer Gruppe von Zimtkonsumenten mit einer Placebo-Kontrollgruppe. Alle Teilnehmer waren jeweils mehrjährig Diabetes Typ II-Patienten und erhielten im Studienzeitraum zusätzlich Diätkost sowie ergänzende Medikation.

Es zeigte sich, dass die Mitglieder der Zimt-Gruppe ihren Glukosespiegel am Ende des Versuchs deutlich senken konnten. Eine Folgestudie konnte einen vergleichbaren Effekt nach einer 4-monatigen Zimt-Therapie feststellen.

Zusätzlich sind Versuche an Ratten durchgeführt worden, die unter anderem eine verbesserte Glukosetoleranz bei bereits vorhandener Insulinresistenz nachweisen konnten. An Zellkulturen ist eine insulin-ähnliche Bioaktivität von Zimt beobachtet worden, vermutlich ausgelöst durch die Zimtsäure. Auch den Catechinen – weitere im Zimt enthaltende Vertreter der Flavinoiden – wird eine positive Wirkung auf den Blutzucker nachgesagt.
Hierzu muss betont werden, dass einige Gegenstudien keine signifikanten Ergebnisse liefern konnten – so geschieht es ja häufig in der (Ernährungs-)Wissenschaft. Dennoch rauscht im Hintergrund die Diskussion über eine Beförderung des Zimts vom Lebens- zum Arzneimittel.

Eventuell können auch wir als Sportler außerhalb der Diabetes-Risikogruppe von einem stabileren Blutzucker profitieren – konstante Energie ohne Einbrüche in langen Trainingseinheiten, keine Heißhungerattacken mehr in der Diät? Einen Versuch ist es wohl wert.

Wirkung von Zimt auf den Fettstoffwechsel

In den oben genannten Studien sind neben der Wirkung auf den Kohlenhydratstoffwechsel auch Effekte auf die Blutfettwerte untersucht worden.

So wies die Kurzzeitstudie eine nennenswerte Senkung der Triglyzeride nach. Die Entwicklung des LDL- Levels (populärwissenschaftlich auch als "schlechtes Cholesterin" bekannt) variierte innerhalb der Zimt-Gruppe von Konstanz bis zu starker Reduzierung. Optimistisch stimmende Ergebnisse wurden auch in Tierversuchen erzielt. Die zweitgenannte Studie konnte wiederum weder für Triglyzeride noch für LDL, HDL oder das Gesamtcholesterin signifikante Veränderungen zeigen.

Die Studienlage ist also bezüglich der Cholesterin-Thematik ebenfalls wenig eindeutig. Diskutiert wird derzeit, ob der im Zimt enthaltende Stoff Cinnamat bestimmte Enzyme in der Leber deaktiviert, aus denen Cholesterin synthetisiert wird.

Weitere Wirkungen, die dem Winter-Gewürz nachgesagt werden: Entzündungshemmend, wachmachend, förderlich für die Gedächtnisleistung, vieles mehr. Tatsächliche Nachweise stehen jeweils aus.

Ein Gift namens Zimt?

Wie oben angeschnitten, hat Zimt vor einigen Jahren einige Schrammen in seinem niedlichen Image erleiden müssen. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere an die Schlagzeilen, die vor einem Übermaß an Zimtsternen in der Weihnachtszeit warnten. Das im Gewürz enthaltene Cumarin war schuld, ebenfalls ein Sekundärer Pflanzenstoff, der in größeren Mengen toxisch wirkt. Doch was sind diese größeren Mengen?

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Zunächst: Cumarin ist leberschädigend, bei empfindlichen Personen schon bei tatsächlich realistischen Dosen abseits von Phantasiewerten aus dem Labor. Auch eine krebserregende Wirkung wurde (wie ja eigentlich für alles) zur Diskussion gestellt, allerdings basiert diese Annahme bislang auf Tierversuche mit extremen Langzeit-Dosen (die Komplexität der Tumorbildung ist ja ohnehin so groß, dass sich schwerlich ein Lebensmittel, bzw. einen Lebensmittelbestandteil als Übeltäter identifizieren lässt).

Mittlerweile ist ein wenig Ruhe in die Thematik eingekehrt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat eine tolerierbare Verzehrmenge pro Tag formuliert, die sich im Bereich von 0,1 mg Cumarin pro Kilogramm Körpergewicht bewegt. Für eine 60 kg schwere Person entspricht dies 6 mg. Der Cumarin-Gehalt von Zimt liegt bei durchschnittlich 0,3 %, die Tagesdosis wäre also ab 2 g überschritten (und Sophia kommt mit ihrem Konsum den medizinisch bedenklichen Sphären wahrscheinlich schon recht nahe).

Wer auf Nummer Sicher gehen will, kauft nicht den Cassia-Zimt chinesischer Herkunft, der im Supermarkt günstig angeboten wird, sondern investiert in den praktisch Cumarin-freien Ceylon-Zimt.

Wer braucht Zimt-Präparate?

Die Blutzucker-stabilisierenden Eigenschaften des Zimts hat sich die Pharmaindustrie bereits zu Eigen gemacht. Zimt-Präparate sollen Diabetikern bei der Kontrolle ihres Blutzuckers helfen, werden aber auch jedem unter Stichworten wie "Blutfettwerte senken" oder "Fettstoffwechsel regulieren" angepriesen. Insbesondere für tatsächlich Zuckerkranke gefährliche Bauernfängerei: Was nicht offiziell als Arzneimittel zugelassen ist, sollte nicht in einen derart heiklen Vorgang wie die Regulierung des Blutzuckers chronisch Erkrankter eingreifen.

Dennoch: Zimt in moderaten Zuführmengen scheint gesund zu sein, oder ist zumindest eine quasi kalorienfreie Bereicherung für die tägliche Sportlernahrung, die irgendwie mental befriedigt. Zum Beispiel:In Körnigem Frischkäse mit ein wenig Honig oder Süßstoff – kreiert die Illusion von Milchreis
  • in Kaffee & Tee
  • in Grünen Smoothies
  • auf Obst (Kracher: Gegrillte Ananas mit Zimt!) oder
  • in Low Carb Kuchen-Rezepten jeder Art.
  • Regt vielleicht doch nicht die Fettverdauung an, aber bringt gewiss Abwechslung in jede Diätkost.

    Funfacts: Cinnamon Challenge

    Schon mal obengenanntes auf Youtube angesehen? Dann wird’s aber Zeit! Das halbe Internet versucht schon seit Jahren vergeblich, einen Teelöffel Zimt ohne Wasser zu schlucken. Es scheint nicht zu funktionieren. Das staubige Pulver entzieht den Mundschleimhäuten sofortig den Speichel und wird reflexartig wieder ausgehustet – ein Schutzinstinkt des Körpers wohl, denn in die Lunge sollte eine derart große Menge (ob Ceylon-Zimt oder nicht) besser nicht geraten. Vom Nachahmen wird abgeraten.

    Quellen

    • Khan A, Safdar M, Khan M MA et al. Cinnamon improves glucose and lipids of people with type 2 diabetes. Diabetes Care. 2003; 26 3215-3218.
    • Mang B, Wolters M, Schmitt B et al. Effects of a cinnamon extract on plasma glucose, HbA1C and serum lipids in diabetes mellitus type 2. Eur J Clin Invest. 2006; 36 340-344.
    • Vanschoobeek K, Thomassen B JW, Senden J M et al. Cinnamon supplementation does not improve glycemic control in postmenopausal type 2 diabetic patients. J Nutrition. 2006; 136 977-980.
    • Anderson R A, Broadhurst C L, Polansky M M et al. Isolation and characterization of polyphenol type-A polymers from cinnamon with insulin-like biological activity. J Agric Food Chem. 2004; 52 65-70.
    • Qin B, Nagasaki M, Ren M et al. Cinnamon extract prevents the insulin resistence induced by a high-fructose diet. Horm Metab Res. 2004; 36 119-125.
    • Lee J S, Jeon S M, Park E M et al. Cinnamate supplementation enhances hepatic lipid metabolism and antioxidant defence system in high cholesterol-fed rats. J Med Food. 2003; 6 183-191.