String-Tangas am Strand, entblößte Hintern in der Werbung, nackte Gesäße in der Kunst von Scham keine Spur. Dabei ist doch so ein Po pure Erotik. "Frauenhintern sind ein mächtiger sexueller Stimulus für den Mann", sagt Ingelore Ebberfeld, Privatdozentin an der Uni Bremen. Die Kulturwissenschaftlerin hat sich mit der Erotik des Gesäßes beschäftigt und kann uns Gründe nennen, warum Männer so fasziniert sind vom Frauen-Po. Ein Blick zurück auf unsere Ahnen in grauer Vorzeit gibt Aufschluss.
Die Rundungen der Frau an Brust und Po, so glauben einige Ethnologen, signalisierten dem Mann Gesundheit und Fruchtbarkeit. Zudem wurden die Polster als Art Fettreserven gesehen. Ebberfeld: "Auf den Punkt gebracht heißt das: Frauen mit genügend Fett können Kinder bekommen und diese auch in schwierigen Zeiten versorgen. " Ein dicker Po als Garant für die erfolgreiche Fortpflanzung.
"Mir scheint es allerdings wahrscheinlicher, dass die Gesäßerotik auf unsere archaische Begattungsweise zurückzuführen ist", sagt die Kulturwissenschaftlerin. Denn die Steinzeitliebe fand bevorzugt "a tergo", also von hinten, statt. Und die Retro-Stellung, bei der der Neandertaler nicht nur den Überblick, sondern auch den Blick auf den Hintern der Frau behielt, erfreut sich auch heute noch großer Beliebtheit.
Wie auch immer, der Po ist ein hocherotischer Hingucker. Und gegenüber dem wahrscheinlich nicht weniger attraktiven Dekolleté hat er einen unbestreitbaren Vorteil: Er sitzt hinten. Mann muss der Frau nicht standhaft in die Augen stieren, um nur ja nicht Richtung Busen abzuschweifen und sich damit den Vorwurf einzuhandeln, ein lüsterner Gaffer zu sein. Die Kehrseite einer Frau kann er ganz ungeniert und ungestraft in Augenschein nehmen.
Nun ist es ja nicht so, dass Frauen nicht wüssten, wie verlockend ihr verlängerter Rücken sein kann. Und das nicht erst seit Pop-Star Jennifer López, auch "The Butt" (der Hintern) genannt, ihr rundes Prachtgesäß, wo immer es geht, so schön in Szene setzt.
Im Gegensatz zu J. Lo waren die Damen Ende des 19. Jahrhunderts zwar hoch geschnürt bis zum Kinn, doch in Sachen Gesäßinszenierung kaum zu übertreffen. Dicke Polster sorgten in ihren "Cul de Paris"-Roben für die Illusion eines ausladenden XXL-Podex. In der Mode wurde immer wieder geschnürt und geschneidert, um eine po-etische Silhouette zu erzielen. Für die Frau von heute gibt es spezielle Mieder und Strumpfhosen, um einen etwas zu flach geratenen Popo aufzupeppen.
Doch nicht nur die reine Optik zählt. Was wäre der schönste Hintern ohne die Bewegung, ohne das pendelnde Hin und Her der Hüften? Das hat wohl keine sinnlicher gezeigt als Marilyn Monroe. "Das Schwingen des Gesäßes weckt unzweifelhaft Assoziationen an den Beischlaf", sagt Ingelore Ebberfeld. "In manchen Kulturen, etwa auf Tahiti, glaubt man, am Hüftschwung der Frau erkennen zu können, wie sie sich beim Koitus verhält. ".
Apfel-, birnen-, herz- oder kastenförmig, groß oder klein, weich oder fest gibt es den perfekten Hintern? Wohl nur im Auge des Betrachters. Die Vorlieben sind so vielfältig wie die Po-Formen. Und wie die Kulturen. Liebt der Japaner eher kleine Bäckchen, so hat man es in den meisten Gegenden Afrikas traditionell gerne etwas fülliger.
"Männer interessiert vor allem die Proportion, das Verhältnis von Brust, Taille und Hintern", sagt die Wissenschaftlerin und legt den Frauen ans Herz, sich nicht von den Barbie-Idealen der Werbung und den mädchenhaften Models verrückt machen zu lassen. Denn, so ist sie überzeugt: "Jeder Po findet seinen Liebhaber!".
Gibt es den perfekten Po? Eine Frage der Verhältnismäßigkeit. Denn die Attraktivität eines Menschen hängt unter anderem von den Proportionen des Körpers ab. Für den weiblichen Hintern hat der englische Psychologie-Professor John Manning das optimale Verhältnis auf eine Formel gebracht: TU : HU = 0,7 PPI. Was heißt: Wenn Taillen-Umfang geteilt durch Hüft-Umfang die Zahl 0,7 ergibt, ist der Po perfekt. Zumindest was die Größe betrifft. Claudia Schiffer (90 62 91) käme da auf einen Wert von 0,681 - etwas zu klein. . .
Text: Berliner Kurier
