Jeet Kune Do (chin., jié quán dào „Weg der abfangenden Faust“) ist ein von Bruce Lee entwickeltes Kampfkunstsystem bzw. Selbstverteidigungskonzept. Ursprünglich wurde das Kampfsystem Jun Fan Gung Fu bzw. Jun Fan Kung-Fu genannt, wobei Jun Fan von Lees chinesischem Namen herrührt.
Jeet Kune Do (auch JKD abgekürzt) ist ein Konzept, das in einem Kampf auf größtmögliche Effektivität ausgerichtet ist. Die von Bruce Lee erforschten und gesammelten Kampfkunsttechniken selbst werden nach ihm Jun Fan Kung Fu (Jun Fan = eigentlicher Vorname Bruce Lees) benannt. Dazu unterschied Bruce Lee das Kämpfen in 3 Distanzen, nämlich Lang-, Mittel- und Nahdistanz. Er kombinierte Elemente aus diversen klassischen Stilen wie dem Wing Chun mit Techniken aus verschiedenen anderen östlichen und westlichen Kampfkünsten, darunter auch das westliche Boxen, Fechten und Judo bzw. Jiu Jitsu.
Das System verzichtet dabei auf traditionelle Elemente fernöstlicher Kampfkünste, insofern sie seiner Meinung nach die Effektivität beeinträchtigen, wie z. B. Atemübungen, wie sie in den inneren Kampfkunststilen vorkommen.
Lee schuf somit ein offenes Kampfkunst-System, welches nicht den Beschränkungen traditioneller Kampfkunststile unterworfen sein sollte. Er legte daher stets großen Wert darauf, dass Jeet Kune Do nicht als ritualisierte Kampfkunst verstanden wurde, anders als das etwa zur gleichen Zeit in Deutschland entwickelte Ju-Jutsu, das zwar grundsätzlich ebenfalls stiloffen ist, aber doch selbst ein Stil ist, eben eine ritualisierte Kampfkunst.
Erwähnenswert ist, dass Bruce Lee zuweilen in Deutschland als eine Art falscher Wing-Chun-Kämpfer bzw. falscher Wing-Chun-Lehrer geführt wird, der zwar hervorragend trainiert gewesen, aber nicht fertig ausgebildet worden sei. Das ist unzutreffend, Bruce Lee hat nie Wing Chun unterrichtet. Bereits in seiner ersten Schule, dem Jun Fan Gung Fu Institute (nicht „Wing Chun Institute“) in Seattle, unterrichtete er eine Komprimierung aus Techniken des Wing Chun, Tang Lang, Boxen und Fechten, nämlich die frühe Version des Jun Fan Kung Fu. Schon damals versuchte Bruce Lee also der Reglementierung eines einzelnen Stiles zu entkommen, was später zu dem Konzept des JKD führte. Bruce Lee unterrichtete immer nur wenige Schüler auf einmal und versuchte diese individuell zu fördern, so bekamen diese auch individuell auf sie zugeschnitte Trainingspläne.
Jeet Kune Do (JKD) ist somit nicht als Kampfkunststil, sondern als Prinzip oder Philosophie zu verstehen. Bruce Lee hat es stets als wichtig erachtet, dass „Jeet Kune Do“ nur ein Name sei, der nicht überinterpretiert werden sollte. Er beschrieb sein Wirken mit den Worten „Having no way as way–having no limitation as limitation“ und verfolgte damit primär die Vorstellung vom Daoismus. Man soll Dingen ihren Lauf lassen und keine feste Form oder Vorstellung entwickeln, sondern vielmehr sich dem Fluss der Dinge aktiv hingeben. Im Chinesischen spricht man hier vom wu wei, dem „Leer-“ bzw. „Nicht-sein“; eine weitere Beschreibung ist „Handeln durch Nicht-Handeln“.
Als er aufgrund einer Wirbelsäulenverletzung mehrere Monate an das Bett gefesselt war, beschrieb Bruce Lee das System in Zusammenarbeit mit seiner Frau Linda im Buch Tao of Jeet Kune Do. Das Buch wurde 1978 postum veröffentlicht und enthält viele eigenhändige Skizzen und philosophische Erläuterungen; unklar ist, ob es von Bruce Lee überhaupt zur Veröffentlichung gedacht war.
„Nimm die Dinge, wie sie sind: Schlage, wenn du schlagen musst, tritt, wenn du treten musst.“
– Bruce Lee
Bruce Lee selbst verwies des Öfteren auf das Wasser als elementare Kraft der Natur: Anpassungsfähig, nicht greifbar und doch in der Lage, einen Stein auszuhöhlen. Diese Natur des Wassers nahm er sich zum Vorbild für den Zweikampf: Nicht der Boxer, der Karateka oder der Taekwondoin allein ist der beste Kämpfer, sondern jener, der sich – ohne an bestimmten, einstudierten Techniken festzuhalten – der Situation und dem Gegner am besten anpassen kann. Dazu gehört auch, den Menschen als Individuum zu betrachten. Jeder Mensch soll seinen eigenen, individuellen „Stil“ entwickeln, auf seinen Körper hören und diesem folgen. Es spielt nicht nur die Körperkraft eine Rolle, sondern vielmehr der Impuls, die Kombination aus „Kraft“ bzw. Masse und Schnelligkeit. Letzteres ist vor allem für kleine, aber schnelle Kämpfer wichtig, da diese die fehlende Masse durch Schnelligkeit ausgleichen können. Darüber hinaus hat JKD einen hohen philosophischen Anspruch und ist daher viel mehr als eine rein körperliche Ausdrucksform.
Aufgrund seiner kritischen Ausführungen zu den traditionellen Kampfsportarten und der Tatsache, dass er jedwede Person, die den erforderlichen philosophischen Ansprüchen des JKD gerecht wurde, unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft unterrichtete, geriet Bruce Lee in Amerika schnell in Auseinandersetzungen mit den traditionellen chinesischen Meistern. Diese waren der Ansicht, dass die Geheimnisse der asiatischen Kampfkünste nicht an die westliche Welt weitergegeben werden durften. Daher kam es zu einem historischen Zweikampf zwischen Bruce Lee und einem der Meister. Nachdem Bruce Lee innerhalb weniger Minuten den Meister besiegt hatte, durfte er von dem Zeitpunkt an ohne weitere Einwände die westlichen Schüler unterrichten. Wie hart Bruce Lee hinsichtlich der Weiterentwicklung seiner Prinzipien zu sich selbst war, kann man gut an der Tatsache erkennen, dass er sich nach dem besagten Kampf darüber ärgerte, dass dieser „zu lange gedauert hätte“.
Eine der berühmtesten Techniken des JKD, die man unweigerlich mit Bruce Lee in Verbindung bringt, ist der sog. One Inch Punch (eine Technik, die der sog. Langen Brücke aus dem Wing Chun ähnlich ist). Dabei führte er aus einer sehr kurzen Entfernung (daher der Name) einen Fauststoß aus, dessen Wucht den Gegner trotzdem mehrere Meter nach hinten stößt. Mit der Demonstration dieser und weiterer Techniken auf einer Kampfsportgala wurde der Meilenstein für Bruce Lees Karriere als Filmstar und Ikone als Kung-Fu-Kämpfer gelegt. Von vielen ehemaligen Schülern und angesehenen Kampfkünstlern wird er als der beste Kung-Fu-Kämpfer des letzten Jahrhunderts angesehen.
Bruce Lee gab sein JKD zu Lebzeiten nur an wenige auserwählte Schüler weiter, darunter auch Schauspielgrößen wie James Coburn, Steve McQueen und Chuck Norris. Des Weiteren waren seine Schüler Lees Ehefrau Linda, Ted Wong, Larry Hartsell, Bob Bremer, Taky Kimura, Jesse R. Glover, Richard Bustillo, Jerry Poteet, Dan Inosanto und noch einige mehr. Dan Inosanto war der einzige Schüler Lees, der von ihm persönlich zertifiziert wurde, Jeet Kune Do zu unterrichten. Unter Inosantos Führung entwickelten sich zahlreiche hervorragende Kampfsportler, wie z. B. Paul Vunak, der Begründer des Progressive Fighting System (PFS).
„Leere deine Gedanken! Sei ohne feste Gestalt und Form, so wie Wasser. Wenn man Wasser in eine Tasse füllt, wird es zur Tasse. Füllt man es in eine Flasche, wird es zur Flasche, füllt man es in einen Teekessel, wird es zum Teekessel. Wasser kann fließen, oder es kann zerstören. Sei Wasser, mein Freund.“
– Bruce Lee
Eine gute Schule in der CH, Kanton ZH -
http://www.jkd.ch/
Die LEGENDE:
Auch ein guter JKD-Master: Tommy Carruthers