Die Anfänger. Die Neulinge. Die Anwärter auf den Pokal der körperlichen Ertüchtigung. Warum kommen sie alle Jahre wieder, am ersten Ersten? Warum verflüchtigen sie sich auch so schnell wieder – wie Gratisshakes in der Banane?

Am Neujahrstag - besser durchdacht schon vor Silvester - ermutigt der Wunsch zu neuen Höchstleistungen, der Drang zur positiven Selektion der eignen Person den Gang ins Fitnessstudio zum neuen Jahr hin. Nun, jetzt stehen wir hier, wir "Alt-" oder "Länger"-Eingesessenen, und begutachten dieses Phänomen schon seit Anbeginn unserer Trainingszeit. Einige Monate sind seit Neujahr vergangen und was erblickt das scharfsinnige Auge der durchlauchten Trainingssippe? Keine Anfänger. Wo sind sie? Zu Hause. Was tun sie dort? Auf der Couch sitzen und Chips fressen.

Nein. Wir erspähen auch ein geringen Teil der Hartgesottenen, der teils trainings-eingeweichten Neuankömmlinge. Neuankömmlinge in der Welt des Bodybuildings. Pardon. Ihr habt nicht Bodybuilding gelesen, das Wort steht in dem Zusammenhang, den Ihr sofort erahnt habt: Fitnesstraining. Körperliche Courage. Die Versinnbildlichung des Anfangs. Des Trainings.

Sie erspüren sukzessive das Gefühl des Muskels. Können es riechen. Den Schweiß. Die Anstrengung. Die Stunden häuften sich bis zum heutigen Tage. Die noch-zähligen Stunden des Trainings.

Was hält sie bei Uns? Wir sind nicht gerade das Praliné der Studiotorte, abgesehen von unserem Aussehen, und das nur wenn wir noch nicht fünf Trainingsjahre oder mehr als Unser ansehen. Denn dann, manche sogar früher, sieht uns die normale Gesellschaft als zu kantig, als zu faschistisch orientiert an. Wir Trainingsfaschisten, welche das normale Volk als unwürdig deklarieren; abstufen. Sie sind nichts anderes als das, was wir niemals sein wollen. NIEMALS!

Oder etwa doch? Zumindest befindet sich der fortschreitende Anfänger in einer Metamorphose, in einer Interphase zwischen Nichts und Allem. Er kann wählen: "Möchtest Du die rote Pille, sie verführt Dich in das Reich der Kraft und Masse, der Bitches und des Antlitzes. Oder möchtest Du die Blaue? Sie bringt Dich dahin wo Du herkommst. Denk' nicht lange darüber nach, oder es entlarvt Dich als Anhänger der Lust, und der Pein wird dich nie mehr begnadigen!" Was hast du gewählt?

Jeder von Uns, jeder Leser weiß, welche Pille er gewählt hat. Keine Frage. Nicht umsonst hat der Leser es geschafft, bis hierhin vorzudringen.

Was macht uns aus? Wir sind ja schließlich auch alle mal Anfänger gewesen? Sind wir eine natürliche Selektion der Trainingswelt? Sind wir das, was am Ende eines Trennungsprozesses rauskommt? Der Trainingsprozess mit dem beiläufigen Namen "Ketzerei des Körpers" und dem Untertitel "Töte mich oder ich töte dich, Eisen!".

Wie alles begann

Meinen Trainingsanfang kenne ich genau. Ich fing mit spärlichen Bewegungen auf einer Rüttelplatte an. Ein guter Freund schleppte mich, weil er ja gut ist, zu solch einem Fitnesstempel. Einer Oase der schweißlosen Bewegungs-Aneinanderreihung. Nein, diese Fitnessgenres haben schon ihre Berechtigung. Nicht umsonst kostete damals der Monatsbeintrag 60 Euro und jetzt weitaus mehr. Sex Sells. In diesem Sinne: Vibration Sells. Oder besser noch: Befriedigung des Gewissen Sells!
Ja ich glaube, das ist die richtige Bezeichnung. Wir alle haben doch mit einem Unfrieden unserer Selbst begonnen. Der eine zu dick, der andere wie ich, rank und schlank, konnte sich hinter einem Laternenmast ohne Müh' verstecken. Manch einen plagte die Unruhe. Jener mochte nicht, diese ungünstige Fettverteilung. Oder aber ein Freund schleppte einen zum Training. Ja.

Zwei Menschen. Zwei Trainingsalter. Der eine Anfänger. Der andere Jahrzehnte an der Hantel. Aber worin unterscheiden sie sich? Ein Kriterium wäre die Sichtweise auf die Koryphäen des Bodybuilding, des Mister Olympias. Ich erinnere mich an meine eigene Situation. Das Bodybuilding wurde von diesem Freund, der mich in die Trainingswelt einführte, in der Schule vorgestellt. Ich vermute, dass es sich um die 11. Klasse im Französischunterricht handelte. Ein Wahnsinn. Eine Farce! Viele negative Interjektionen wurden wild durch den Klassenraum gewürgt, als einige Bilder die Runde machten. Der alt bekannte Spruch "Das ist doch nicht mehr schön!" fand dabei vermutlich Anwendung. Er sollte mich noch einige Jahre danach begleiten. Oh, wie wahr...

Die Mentalität wandelt sich. Aber warum hat sie sich gewandelt? Haben wir es nur zugelassen? Warum mag ich jetzt – zumindest wesentlich mehr – den Anblick der Streifen auf den Beinen, der nach Wasser-lechzenden Körper auf dem erhöhten Fundament? Es ist doch wirklich ein Lustspiel! Finde ich es jetzt auf einmal geil? Oder vergleiche ich mich unbewusst und strebe nach Höherem? Das Streben nach Masse und Kraft? Das Streben nach Muskeln und Wachstum! Je höher das Ziel, je divergierender der eigene Zustand zum Auserkorenen, desto größer die Geilheit? Oder etwa doch nicht. Zumindest muss ein Anfang gesetzt werden, sonst würde der normale Bürger oder wenigstens der Anfänger nach solchen Zielen streben. Er tut es nur nicht. Vermutlich hat er bis dato noch keine Ziele. Oder sie sind in andere Richtungen formuliert. Oder seine ureigene Motivation hat sich noch nicht gefunden. Wie bei mir damals, als ich die Rüttelplatte bediente. Liegestütze, Kniebeugen, Curls. Es waren mir alles keine Fremdwörter, dennoch verband ich damals nichts mit diesem Sport, mit diesen Muskelprotzen und diesem Muskel-Protzen. Dieses Machogehabe. Heute werde ich sicherlich selber als Macho gehandelt. Was solls...

Anfänger für immer

Manch einer bleibt es für ewig. Er sieht sich selber nicht als Anfänger. Immerhin. Er verbringt schon etliche Jahre an dem kalten Blech. Für ihn ist Metall oder Eisen aber immer noch eine unverformbare, kalte und schwere Sache. Er setzt mal Wochen, gar Monate aus. Und er tritt wieder ein, in den vermeintlichen Trainingsalltag.
Wir kennen sie alle. Zwar nicht beim Namen, aber solche Gesichter werden ständig vor unseren Augen verwischt. Da wo sie reinkommen, gehen sie auch wieder hin. Die Türklinke erfährt zumindest von ihnen keine Abnutzungserscheinungen. Sie sind die willkommensten Gäste, denn sie kommen nur nie. Und der gegenseitige Drang, die Anziehungskraft von Eisen und Körper ist nicht gegeben. Zwar hat jeder Körper eine eigene Anziehungskraft. Dieses Gesetz gilt in diesem Zusammenhang aber nicht. Es hat schon etwas Metaphysisches an sich.

Wie durchbricht der durchlauchte Anfänger diesen Teufelskreis? Er muss mit dem Teufel schlafen! Er muss lernen, jeden Tag aufs Neue den inneren Dämon zu besänftigten, gar zu töten! Er muss sterben! Ihm muss die Lust gefallen, den Schmerz zu lieben. Die größte Erfüllung des Alltages muss der Blutstau in den Venen werden. Das Blut darf nicht abfließen. Die Kontraktion muss vergöttert werden.

Das Ziel muss definiert werden!

Erst dann wird der Anfang durchbrochen. Struktur und Disziplin finden Einzug in das Trainingsleben. Der Trott wird an den Nagel gehangen. Die Wünsche werden abgenommen und angezogen. Das Trainingskleid eng anliegend und wohlgeformt, pocht mit dem Herzschlag der Sehnsucht. Die Sehnsucht nach Wachstum, nach Muskelmasse und Kraft.

In diesem Zusammenhang besteht auch ein Vers, den ich mir zu jeder passenden Stunde bewusst mache:

"Wenn Du vor dem nächsten Schritt keine Angst hast, ist er nicht groß genug!"

Die Angst wächst mit der Möglichkeit des Versagens. Umso härter wird versucht, das Ziel anzugehen. Es zu befolgen. Es ja zu erreichen. Anfänger müssen lernen, die Hoffnung aus dieser Angst zu entwickeln. Und die Angst selber aus den gemachten Zielen zu filtrieren. Dann sind sie auf dem Weg zum Ziel.

Das definierte Ziel kann aber auch nicht ohne die nötige Disziplin entwickelt werden. Ein Mensch der sein Leben lang Sport getrieben hat, in diversen Leichtathletik-Clubs ein und aus ging, eventuell sogar Kampfsporterfahrungen hat, wird in der ersten Zeit erschreckende Fortschritte erzielen.

Wie viele von Euch bewundern diese Menschen, diese Athleten? Sie waren 2010 noch dünner als eine Langhantel, wogen weniger als die leichteste Kurzhantel im Studio, und nun haben sie Euch, die vorher anfingen oder sogar Jahre vorher, schon um zwei Jahre Entwicklung überrundet.

Beschwert Euch nicht, Ihr seid in in ihren Augen immer noch Anfänger. Oder seid Ihr es nicht?
Was erwartet Ihr?

Ab wann bezeichnest Du Dich nicht mehr als Anfänger?

Ab dem Zeitpunkt, an dem Du nichts Neues mehr lernst, oder Dein Wissen redundant jeden Tag neu aufgekocht wird? Ab dem Zeitpunkt, an dem du den Median der Trainierenden durchbrochen hast, sowohl zeitlich als auch quantitativ und qualitativ?

Du bist dann kein Anfänger mehr, wenn du fortschreitest, dich vom Anfang wegbewegst. Du bist immer weniger ein Anfänger, je länger und weiter du vom Anfang entfernt bist. Dies impliziert im Umkehrschluss, dass in jedem von uns noch ein Anfänger schlummert, er aber mit der Progression immer kleiner wird. Daraus erschließt sich auch die Erkenntnis, dass Trainingsalter keine Leistung ist, sondern erst mit dementsprechenden Werten und Wertevorstellungen eingeordnet werden kann. Der Alte Hase kann genauso Anfänger sein, wie der Curlschwinger, der seit Beginn an den Montag als Brust-Bizeps-Tag feiert. Er kann noch mehr Anfänger sein, als der Trainingsneuling, welcher gezielt und bestrebt den 100 kg im Bankdrücken Tag für Tag näher kommt.

Es ist auch nicht schlimm Anfänger zu sein. Wir sollten uns jeden Tag an unsere eigene Nase fassen und uns auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Wir haben alle noch etwas zu lernen. Und selbst der Alteingesessene, der erfahren auf die jungen Buben im Hantelraum blickt, ihnen sagt, dass sie die Langhantel BIS zur Brust absenken, und keinen Kurzhantelweitwurf veranstalten sollen – selbst er kann noch etwas lernen.

Wie jeder alternde Arzt muss auch der alternde Trainierende sein Wissen auffrischen, seine koordinativen Techniken erneuern; verbessern oder gar umlernen. Sonst kann es im schlimmsten Falle arg enden. Und Wir hören die allseits bekannten Sprüche, dass der Kraftsport an allem Schuld ist. Rücken im Eimer, Gelenke im Eimer. Alles im Eimer. Normalerweise sollte es genau anders herum ausgehen.

Wir sollten jeden Tag an uns arbeiten, um das Beste "Ich" unserer selbst zu werden.

Hach Gott – Das hört sich schon wieder nach Weltenverbesserer und "Wie werde ich ein guter Mensch" an. Was wollt Ihr? Das ist die Frage? Wenn Ihr das Bestehende verbessern wollt, nützt es nichts einen Tag in der Woche dafür abzuschreiben, um hier und da etwas zu entwickeln, zu verbessern.

Wie kommt der verdammte Kerl eigentlich auf solch einen Absatz im Artikel "Anfänger"? Was machen denn Anfänger? Sie erlernen alles neu, und dies können sie nicht mal eben Freitag-Abend vor der Disse machen, nein. Jede Trainingseinheit stellt eine Weltenverbesserung ihrer selbst dar. Der Anfänger ist im Zwang, das Beste aus jeder einzelnen Bewegung herauszuholen; sogar mit mehr Bewusstsein bei der Sache zu sein als der fortgeschrittene Trainierende.

Wir sollten Uns diese Eigenschaft zu eigen machen.

Um nochmal auf den Punkt, dem Point of View einzugehen:

Ich weiß, hier würden viele wieder und abermals auf den Artikel "Dont overanalyze it!" eingehen. Ich möchte dennoch zum Abschluss die verschiedenen Standpunkte und deren optimalen Entwicklungsziele von und für Anfänger besprechen:

Der Anfänger sollte

  • sich als oberste Prämisse auf seine Disziplin konzentrieren. Du sollst nicht ausbrennen, sondern längerfristig am Ball bleiben! Das ist das entscheidende Kriterium zwischen Anfänger und Fortgeschrittenen. Mach' nicht zu viel, aber wenigstens so viel, dass Du locker nochmal mindestens die Hälfte deines Trainingspensums darauf packen kannst. Du kannst nach und nach deine Intensität und Umfang steigern, Hauptsache ist, du bleibst auch in ein paar Monaten und Jahren noch bei diesem Sport. Er soll dir schließlich auch Spaß machen! Meine Einleitung fürs Laufen, beziehungsweise fürs Cardiotraining von Einsteigern lautet ähnlich: Laufe soviel, dass Du noch mal dieselbe Strecke am Ende deiner Einheit laufen könntest. Easy Going. Und ich denke, dass damit jeder einigermaßen klar kommen kann.
  • seine Ernährung nicht als oberste Prämisse wählen. Das Thema Ernährung kann und muss einfach gehalten werden. Die erste Nachkommastelle der täglichen Proteinmenge ist nicht relevant! Ob und wie ungünstig ein Verhältnis von 30 % Eiweiß zu 50 % Kohlenhydraten ist, sollte nicht Dein Bier werden! Keep it simple stupid - KISS. Kraftsportler verstehen das. Bodybuilder wollen leider alles gleich perfekt machen. Die Perfektion steckt aber am Anfang darin, es locker angehen zu lassen. Hab Spaß an der Sache und lass' es unkompliziert angehen, sonst gefährdest Du Punkt Eins.
  • sich weiterbilden. Wieder: Nicht zu viel aber nicht zu wenig. Es nützt Dir nichts, wenn du gar nichts weißt und am Ende behauptest Klimmzüge wären für die Bizepsbildung da. Es nützt dir aber auch rein gar nichts, jede Woche etwas Neues in Dein Training einzufügen.
  • sich auf die Bewegungen konzentrieren. Arbeite an der Ausführung, nicht an der Quantität, in dem du jede Woche einen Satz Bankdrücken am Ende ergänzt bis du 20 voll hast. Behalte den Überblick! Und freue Dich auf das nächste Training!
  • sich stetig motivieren (nicht: motivieren müssen). Motivation ist nicht einfach gegeben oder nicht vorhanden. Schreib deine Fortschritte auf, mache die Zwischenziele klar, dokumentiere sie an der Wand, visualisiere sie! Mach' sie fühlbar! Nimm ein Trainingskollegen auf selbem Stand (besser ist ein erfahrenerer) mit. Vergleiche dich, werde aber nicht überheblich! Du bist nicht Arnold! Du bist aber auf dem Weg zu deiner besten Version!
  • sich nicht überfordern!
  • stetig die Freude am Sport wahren.