TEAM-ANDRO: Hallo John. Ich bin sehr froh, dass Du Dir die Zeit genommen hast die Fragen unserer User zu beantworten. Kannst Du Dich für all diejenigen, die Dich bisher noch nicht kennen, einmal kurz vorstellen?

John Meadows: Ich wuchs bei meiner Großmutter in einer kleinen Stadt in Ohio auf. Die meiste Zeit meiner Kindheit verbrachte ich mit Leichtathletik, Football und Ringen. Besonders liebte ich Football. Mit dem Krafttraining begann ich im Alter von 13 und bestritt in diesem Jahr auch meinen ersten Wettkampf. Vom ersten Tag an wusste ich, dass ich ein Bodybuilder sein wollte. Ich war einfach verrückt nach diesem Look von großen, prallen und venenüberzogenen Muskeln. Ganz schön verrückt für einen 13jährigen.

TEAM-ANDRO: Zunächst einmal möchte ich Dir mitteilen, dass wir Deine letzten Wettkämpfe genau verfolgt haben. Du sahst unglaublich aus und viele unserer User hatten Dich auf dem ersten Platz. Wie denkst Du über Deine letzten Wettkämpfe?

John Meadows: Nun ich möchte mich ungern in Debatten über die Platzierungen einlassen, da dieser Sport so subjektiv ist, aber es fällt schon schwer nicht enttäuscht zu sein, wenn Du das Gefühl hast der massivste und am besten konditionierteste Athlet auf der Bühne zu sein und darum geht es nun einmal im Bodybuilding. Daher war ich schon enttäuscht über den zweiten Platz, aber habe vermieden es zu nah an mich heranzulassen.

TEAM-ANDRO: Wirst Du weiterhin auf die Pro Card hinarbeiten?

John Meadows: Absolut. Das letzte Jahr war das produktivste Jahr meiner Karriere im Hinblick auf die Massezuwächse. Es ist schon verrückt so ein gutes Jahr im Alter von 40 zu haben. Da steckt definitiv noch etwas Kampflust in diesem Hund!

TEAM-ANDRO: Wenn Du in die Vergangenheit schaust: Im Bezug auf Bodybuilding, welche Entscheidung, die Du getroffen hast, bereust Du am meisten und welche war die für Dich bedeutendste?

John Meadows: Nun, die wichtigste Entscheidung war sicherlich die ein Leben und eine Karriere neben dem Bodybuilding zu haben und dafür zu sorgen immer einen stabilen finanziellen Background zu haben. Viele Jungs heute rennen einem Traum hinterher und selbst wenn sie es zu Pro schaffen, realisieren sie dann, dass dieser Sport für die meisten Athleten nicht sonderlich lukrativ ist. Zu der Frage, was ich bereue, wünschte ich, ich hätte schon vor Jahren meinem Instinkt vertraut, wenn es um die letzten Wochen einer Wettkampfvorbereitung geht. Wie alle anderen wollte auch ich durch die Magie der Manipulation von Wasser, Natrium und Kohlenyhdraten noch besser aussehen, aber letztlich sah ich dadurch nur schlechter aus. Nun verzichte ich auf jede Form von Entladen, Laden, Wasserrestriktion oder der Anwendung von Diuretika. Ich bin zwei Wochen vor der Show in Form und konserviere diese dann für die Show. Ich denke meine Form war dieses Jahr durchaus gut.

TEAM-ANDRO: Einer Deiner Klienten, Antoine Vaillant, der auch in Deutschland sehr populär ist, erhielt vor einigen Wochen seine Pro Card. Gibt es schon fixe Zukunftspläne und wie beurteilst Du seine Chancen bei Pro Contests?

John Meadows: Ja, er wird im nächsten Jahr die New York Pro machen. Er hat unendlich Potential. Dazu ist er ein fantastischer Kerl. Er ist immer noch jung, 25 Jahre alt und hat eine wirklich große Zukunft vor sich. Wenn er noch etwas mehr Muskelreife entwickelt und noch etwas mehr Fleisch auf seinen Rücken packt, wird er einigen Athleten Sorgen bereiten.

TEAM-ANDRO: Deine Workouts mit Dave Tate sind legendär. Wie ist die Zusammenarbeit mit Dave?

John Meadows: Nun Dave und ich versuchen uns gegenseitig umzubringen. Wir tun das nicht indem wir uns anschreien, wir tun das indem wir selbst etwas völlig verrücktes tun und hoffen, dass der andere es nicht tun kann!!! Es ist fantastisch einen solchen Trainingspartner zu haben, bei dem Mittelmäßigkeit nicht akzeptabel ist.

TEAM-ANDRO: Wie Dave hast auch Du Erfahrungen mit Westside Barbell. Wie denkst Du über die Arbeit von Louie Simmons?

John Meadows: Louie hat meine Ansichten bezüglich Bodybuilding durchaus beeinflusst. Besonders die Verwendung von Bändern und Ketten. Louie war großartig und die Aussage von ihm, die sich mir besonders eingeprägt hat, war, dass er KEIN System hatte. Das impliziert, dass er glücklich mit dem Status Quo war. Er war ständig dabei Dinge zu ändern und anzupassen um Verbesserungen zu erzielen und hielt nie stur an einem System fest. Ich denke genauso. Ich versuche ständig mein Trainingssystem zu verändern und einzelne Dinge zu verändern.

TEAM-ANDRO: Kannst Du uns von dem "Creeping Death"-Experiment erzählen? Hat das Deine Meinung zu dem Thema Periodisierung geändert?

John Meadows: Nun ich hatte eine Menge Jungs, die meinen Rat annahmen und ihre Workout Nutrition perfektioniert haben. Wenn Du das tust, bereitest Du den Weg für eine optimale Regeneration. Vor diesem Hintergrund wollte niemand nur langsam das Volumen erhöhen oder gar Deloads einbauen, also habe ich ein Programm entwickelt, das diesen Ansprüchen gerecht wird. Das ist definitiv eines der populäreren Programme, die ich entwickelt habe und die Leute scheinen wirklich gut damit zu fahren.

TEAM-ANDRO: Wie wichtig ist Stretching in Deiner Trainingsphilosophie?

John Meadows: Ich mag es einen Muskel zu dehnen, wenn er voll aufgepumpt ist. Ich denke, dass das der Regeneration dienen kann, aber ich bin mir unsicher über diese Thesen bezüglich der Hyperplasie. Ich weiß nur, dass ich mich am nächsten Tag besser fühle.

TEAM-ANDRO: Eine Sache, die die meisten Bodybuilder hassen, ist Cardio. Wie denkst Du darüber? Denkst Du, dass Cardio wichtig ist, auch in der Offseason? Und welche Art des Cardiotrainings bevorzugst Du?

John Meadows: Auch ich hasse Cardio. Ich denke im Hinblick auf den Abbau von Körperfett ist es überbewertet und das Risiko es zu übertreiben (besonders im Rahmen einer niederkalorischen Diät) ist hoch, was Deinen Körper in einen höchst katabolen Zustand versetzen kann. Das ist exakt das Gegenteil davon, was wir tun sollten.

TEAM-ANDRO: Wir alle kennen Deine Trainingspläne und wissen, dass sie extrem verrückt sind. Wie pushst Du Dich um solche Workouts zu überstehen?

John Meadows: Nun ich habe gewisse Erwartungen an mich selbst, mich extreme zu pushen, aber noch mehr ist es wohl die Tatsache, dass ich es liebe zu sehen, wie stark ich mich pushen kann. So verrückt es auch klingt, ich genieße das wirklich. Umso härter eine Einheit ist, desto größer ist das Gefühl der Erfüllung im Anschluss. Die härtesten Einheiten würde ich mit einer religiösen Erfahrung gleichsetzen, für mich ist es der beste Weg das zu beschreiben.

TEAM-ANDRO: Aus Deinen Artikeln wissen wir, was Deine Empfehlungen für die großen Muskelgruppen sind, aber was schlägst Du für die kleineren und oftmals störrischen Muskelgruppen wie Unterarme und Waden vor?

John Meadows: Die Vorder- und Rückseite eines Muskels zu trainieren und das bis zu fünf Mal pro Woche. Als Beispiel solltest Du nicht nur Deine Gastrocnemius und Soleus trainieren, sondern auch Deine Tibialis wenn Du dicke Waden haben möchtest. Genauso verhält es sich mit den Unterarmen. Pump die komplette Region mit Blut voll und Du wirst nicht glauben, wie diese ehemals störrischen Muskeln auf einmal wachsen.

TEAM-ANDRO: Wenn man einen Blick auf populäre Trainingspläne wirft, findet man oft Angaben wie "4 Sätze zu je 8 Wiederholungen". Denkst Du, dass das funktioniert, oder ist es nicht so, dass die ersten Sätze im Grunde reine Energieverschwendung sind und nur der letzte Satz, der bis zum Maximum ausgereizt wird, der ist, der zählt?

John Meadows: Nun Du wirst kaum direkt zu den härtesten Sätzen gehen wollen, wie es das klassische HIT-System vorschlägt, wenn Du nicht gerade scharf auf eine Verletzung bist. Die ersten Sätze müssen keinen Effekt auf das Muskelwachstum haben, sie sollen Deine Muskeln aufwärmen und für die großen und entscheidenden Sätze vorbereiten. Weiterhin sorgen diese Sätze dafür, dass Nährstoffe in die Muskeln gepumpt werden, was äußerst bedeutsam ist, wenn Du magere Muskelmasse aufbauen willst (vorausgesetzt, Deine intraworkout nutrition ist sinnvoll zusammengesetzt). Die Muskeln mit Blut zu füllen bevor es an die wirklich schweren Sätze geht, ist ein bedeutender Aspekt meines Systems.

TEAM-ANDRO: Kommen wir zur Ernährung. Du bist ja bekannt als jemand, der die Bedeutung der Mikronährstoffe betont, während die meisten Bodybuilder nur auf die Makros schauen. Wenn man nun anfängt sich nach Deinen Vorgaben zu ernähren, was denkst Du, wie lange es dauert, bis man die ersten Erfolge verzeichnet?

John Meadows: In der Regel fühlen sich die Leute direkt besser, da ihr Blutzucker sich stabilisiert und sie solche Nahrungsmittel ersetzen, die voller Toxine sind, die Dich wirklich enorm belasten können. Im Hinblick auf sichtbare Veränderungen dauert es eine Weile. Bei einigen ein paar Wochen, bei einigen ein paar Monate. Das hängt von vielen Faktoren ab, wie dem aktuellen Leistungsstand, dem Grad an Erfahrung, wie sehr sie ihren Körper gequält haben, bevor sie zu mir kamen, etc.

TEAM-ANDRO: Für all diejenigen, die Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt haben, Schritt für Schritt, welches Vorgehen würdest Du empfehlen?

John Meadows: Sie sollten meinen Artikel Du bist, was Du absorbierst lesen.

TEAM-ANDRO: Systeme wie Doggcrap empfehlen eine extreme Form des Bulkings in der Offseason. Wie denkst Du darüber?

John Meadows: Ich halte nichts davon, sich in der Offseason fett zu fressen. Fettzellen enthalten Hormone, die die Insulinsensitivität reduzieren. Das sorgt dafür, dass Du langsamer aufbaust, statt schneller. Ich versuche meine Leute im Bereich von 15-20 lbs überhalb des Bühnengewichts zu halten.

TEAM-ANDRO: Momentan sehr populär ist das andere Extrem: Viele Jungs nutzen Intermittend Fasting um das ganze Jahr über in Form zu bleiben. Taugt das auch für Bodybuilder?

John Meadows: Für die Gesundheit und Langlebigkeit ist es gut Essenspausen einzurichten. Wenn Dein Ziel ist so viele Muskeln aufzubauen, wie nur möglich, so schnell wie nur möglich, dann ist die Antwort nein!

TEAM-ANDRO: Für all diejenigen, die die Menge der zugeführten Kohlenhydrate reduzieren müssen, was hältst Du für den besten Zeitpunkt diese zuzuführen?

John Meadows: Rund um das Workout. Wenn Du das richtig hinbekommst, hast Du schon einmal 80% des Kampfes gewonnen, wenn es um die Ernährung geht.

TEAM-ANDRO: Ich denke wir alle wissen, wie wichtig die Regeneration ist. Gibt es besondere Tipps, die Du unseren Usern geben kannst, damit sie ihre Regeneration verbessern können?

John Meadows: Die Regeneration wird massiv durch die Ernährung rund um das Training beeinflusst, besonders darüber, was man während dem Training an Nährstoffen zuführt. Wenn du es schaffst, die Insulinausschüttung anzukurbeln um dem Abbau von Muskelprotein entgegenzuwirken und hochwertiges Hydrosolat bereitstellst um die intramuskuläre Proteinsynthese anzutreiben, all das während dem Training, läuft alles nach Plan.

TEAM-ANDRO: Viele Kerle jammern über den zeitlichen Aufwand, der benötigt wird um all die nötigen Mahlzeiten vorzukochen und bevorzugen daher Shakes an Stelle von festen Mahlzeiten. Denkst Du, dass das die gleichen Ergebnisse bringen wird?

John Meadows: Also ich mag feste Nahrung, aber ich muss Dir sagen, dass ich einen Haufen Leute sehe, die sehr gut damit fahren normales Essen mit Shakes zu ersetzen. Ich praktiziere das selbst häufig und es funktioniert wunderbar, solange man ein hochwertiges Proteinpulver verwendet und nicht diesen billigen, mit Maltodextrin versetzten Müll, den man häufig angeboten bekommt. Der Preis für den Rohstoff (Protein) hat sich verdreifacht, vielleicht sogar vervierfacht, wenn Du also Dumpingpreise von manchen Herstellern siehst, weißt Du, was Dich erwartet.

TEAM-ANDRO: Es war mir eine Ehre die Chance zu haben, dieses Interview zu führen. Ich wünsche Dir das Beste für die Zukunft. Deine deutschen Fans werden Deine Karriere mit Spannung weiter verfolgen.

John Meadows: Es war mir eine Freude. Ich werde Euch bei der Masters National im nächsten Juli sehen.

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