Ich stellte meine Ernährung um.
IF und CBL
...waren und sind jetzt auch noch irgendwie der Bestandteil meines Lebensstils. Sie haben aber nur rudimentäre Anteile innerhalb meines Ernährungsverhaltens.Ich fing konsequent an mein Gewicht von 116 kg zu reduzieren. Ich hatte noch Semesterferien und einen Artikel übers Fasten gelesen. Also nahm ich mir die Zeit und inkludierte, dieses Experiment in mein Vorhaben abzunehmen. Hier ein Rückblick aus meinem Tagebuch:
Ich habe ab Donnerstag zu Freitag um Mitternacht mit dem Fasten begonnen.
Freitag hatte ich effektiv eine Samenmischung (Anm. d. A.: es handelt sich hierbei um Ägyptische Flohsamen), eine Nektarine und eine Tomate gegessen.
Samstag eine Samenmischung, zwei Nektarinen, ca. 550 g Tomaten, den Nahrungsbrei, wie oben beschrieben , und 5 Brühen.
Sonntag habe ich vor dem Sport eine Nektarine gegessen, eine Brühe getrunken und nach dem Sport direkt mit 2 Nektarinen und einem 350 g Steak plus 150 g Räucherlachs das Fasten gebrochen.
Da ich das Steak gerne salzig esse, kam es nachts zwar gut verdaut, aber per Durchfall wieder raus. :/
Ich habe heute etwas länger geschlafen, bis 11.30 Uhr, und wog gleich im Anschluss nur noch 110,1 kg. Na das ist ja was. Ich habe mit über 113 kg begonnen. Wenn man die vergangene Woche mit gluten- und milchfreier Nahrung mit einrechnet habe ich vorher 114,2kg gewogen (Anmerkung: alte Waage, also nochmal ungefähr plus 1,3 kg).
Ansonsten habe ich jeden Morgen meinen Kaffee getrunken, während des Tages Tee, Wasser und Coke Zero.
Es war eine lehrreiche Erfahrung, auch mal mit Hunger auszukommen. Tatsächlich hätte ich aber einen extremeren Hungerzustand erwartet, mit Magenknurren und Co.KG, was aber nicht eingetreten ist. Gestern, am letzten Tag, fühlte ich mich am besten, ein Gefühl der Freiheit und Unabhängigkeit überkam mich. Im Studio wurde es mir im Gegenzug aber das erste Mal leiiicht schwindelig (am ersten Tag an der Kauflandkasse auch, aber da wegen Zuckerabfall im Blut), das aber kurz vor dem Training, während und danach nicht. Ich hätte es gerne noch einen weiteren Tag durchgezogen, aber ab heute wartet Arbeit auf mich, weshalb ich körperlich etwas fitter sein muss, als die vergangenen Tage. Kurze Intensivbelastungen sind jederzeit möglich, aber 8 Stunden im Lager arbeiten, ist nicht das Gelbe vom Ei mit Fasten.
Ich kann es jedem empfehlen, man muss aber jedes Mal zur Not etwas zu Essen und zu Trinken bei sich haben, für den Fall der Fälle. Die ersten Tage, eigentlich der erste Tag ist / sind schwer, danach wird es wesentlich leichter! Nur Mut, wer Zeit und Lust dazu hat es auch mal länger durchzuziehen, es hat Spaß gemacht, und ich konnte damit die Grenzen meines Körpers ein bisschen austesten (ein bisschen nur, weil es ja gerade mal 65 Std. waren).
Ich habe gestern Abend dann noch eine kleine Schale Kornflakes, 3 Bananen, ein paar Nektarinen gegessen, einen Whisky getrunken und ein wenig von einem selbst gemixten Cocktailgetränk von meiner Freundin probiert.
Wenn man heute die Relation zu dem Heißhunger von Samstagnachmittag zieht (Anm. d. A.: Ich bin im Supermarkt gewandelt und sah ein Buttercroissant. Man möge sich vorstellen, wie gierig man während des Fastens wird), und ich den Heißhunger auf 10 von 10 Punkte setze, habe ich jetzt einen Wert von 3 Punkten auf der Maarsschen Richterskala.
Werde jetzt erst einmal ein 221 g Entre Côte essen und dann weitersehen, wie sich der Hunger bemerkbar macht, ob ich PSMF voll durchziehe, oder anderweitig agiere.
Gruß
Eine Anmerkung generell: Vor diesem Experiment hatte ich ungefähr eine Woche lang jegliche Milch- und Glutenprodukte gestrichen, daraufhin wechselte ich in das Fasten von einem Tag zum nächsten.
Ich fuhr ein paar Tage mit striktem PSMF fort. Für die Leute, die es nicht kennen: Fleisch, Fisch - alles, was hauptsächlich aus Proteinen besteht, darf man essen, sonst nichts, mit Ausnahme von Gemüse. Dazu soll sehr viel Tee getrunken werden. Insgesamt beträgt die Diätdauer ungefähr 2 - 6 Wochen je nach Ausgangsposition. Sicherlich kann PSMF so oder anders auslegt werden, dies bleiben aber die Grundprinzipien. Der Effekt ist, dass durch dieses fastenähnliche Essverhalten kaum körpereigenes Protein (also Muskeln) verbrannt werden soll. Teilweise wurde dies auch wissenschaftlich nachgewiesen. Und dazu möchte ich auch betonen, dass es bei manchen K3K-Wettkämpfern vor einem Wettkampf angewandt wird, um die Gewichtsklasse zu drücken. Ein Beispiel wäre Fab! von unserem Board: Mehrfacher Rekordhalter im Kraftdreikampf (nun genug der Glückwünsche).
PSMF machte sich schnell und stark bemerkbar, innerhalb von ein paar Tagen bis zu den ersten 2 Wochen nahm ich rapide ab. Ich war schnell bei 107 kg. Wobei ich hier auch wieder anmerken muss, dass ich damals kein richtiges PSMF betrieb. Ab und an gab es dann doch mehr Kohlenhydrate oder Fette, je nachdem was sich für mich in Aussicht stellte. Ein gutes Dinner mit Freundin und Familie lässt man meiner Meinung nach nicht einfach ausfallen, oder bringt sein Steak mit, wenn es Braten gibt.
Ich steigerte slow and steady meine Kohlenhydratzufuhr. Reiswaffeln, Obst und Gemüse wurden mehr und mehr Bestandteile meiner Komposition. Es ergab zum Schluss und bis jetzt folgende Aufteilung:
- 3-6 Eier je nach Größe, meistens morgens
- Eine Packung Reiswaffeln mit einer Packung Harzer Käse, meistens mittags
- Obst und Gemüse zwischendurch, meistens Banane, ein Salat, eine Tomaten, lose oder die kleinen Cherry mit groben Salz
- Nach dem Training (meistens gegen 17 - 19 Uhr) 1 Liter 1,5 - 3,8 %ige Milch als Wheyshakeersatz (persönliche sowie wissenschaftlich evidente Abneigung)
- Zum Abend hin weniger Fleisch, das kam aber ab und an vor, mehr Erdnüsse - davon 150 - 200 g oder aber als Ersatz Pistazien 125g
- Den ganzen Tag sehr viel Tee und Mineralwasser
- Ab und an ein Refeed
Mein Bauchumfang reduzierte sich von anfangs 98cm auf ca. 85cm. Ich vergleiche die Werte gerne mit damaligen Zeiten. Als ich in meiner zweiten Anlaufphase 95kg erreichte, hatte ich auch 85cm, jetzt bin ich 5kg schwerer bei gleicher Ausgangslage, was etwa einem Muskelzuwachs von 3 - 5kg gleichkommen müsste, wenn man dem Muskelzuwachs am Rumpfkorsett und damit dem größeren Umfang bei gleichem Körperfettanteil Rechnung trägt. Der Vergleichszeitraum beträgt ungefähr 1,5 Jahre - ein guter naturaler Schnitt.
Den Refeed, also das bewusste Schlemmen, ging ich meistens nach Erreichen eines bestimmten Gewichtszwischenstandes ein. Ich orientierte mich nicht an Intervallen: jeden Samstag oder aller 14 Tage, sondern hauptsächlich an Ein-Kilogramm-Schritten. Dies hat den Vorteil, dass sich tatsächlich am Fortschritt orientiert wird und keine fadenscheinigen Argumente wie "sechs Tage Diät einen Tag Bulk" ziehen, womit man sich schnell die Bilanz versauen kann, insofern man nicht auf die Menge des Refeeds achtet. Mit dieser Methode wird direkt am Diätfortschritt gearbeitet, ohne sich unnötig mit Zeiten oder Kalorien-Rechnen auseinander zusetzen. Wenn ich es einen Tag übertrieb, musste ich nur länger ein Kaloriendefizit halten. Und ich konnte wieder meine Lieblingsmahlzeiten verschlingen.
Auch die Psyche und das Gedankenkonstrukt rund um "ungesundes Essen" verlor sich, trübte sich. Anfangs hatte ich Schwierigkeiten mit diesem Verlust klarzukommen. Ich entwickelte richtige Stop-Uhr-Gedanken: "Nur noch 500g Fett, also ungefähr 4 bis 5 Tage... Dann kann ich wieder [Lieblingsmahlzeit einsetzen] essen". Jeden Tag morgens, mittags, abends wiegen? Kein Problem. Eigentlich irgendwie pervers?! Pervertierte Gedanken rund ums Essen. Dieses Gefühl legte sich aber mit den Monaten, die Zwischenmahlzeiten wurden immer weniger, ich konzentrierte mich mehr auf hochwertige Nahrung: Ein frisches 15-Euro-Steak vom Rind; mehr Gemüse oder ein guter Salat mit italienischem, roten Balsamico wurden bevorzugtere Favoriten.
Immer stärker entwickelte sich auch der Bio-Gedanke: Wozu brauch man billiges Hähnchen- oder Schweinefleisch als Eiweißquelle? Wozu Whey, wenn es Bio-Milch auch tut, und man damit den Tieren und sich selbst auch etwas Gutes tut? Wozu eigentlich überhaupt Milch, wenn es genug Dokus als Beweis für unmenschliche Tierhaltung gibt, deren Produktionsstätten wie den selbigen der Orcs aus Herr Der Ringe gleichen? Irgendwo ist das alles abartig geworden - für mich. Und dahingehend veränderte sich meine Psyche; meine Wahrnehmung der Gesellschaft und ihrer Ernährungsformen. Der ganze Wahn intensivierte sich bei mir noch mit dem Ergebnis einer Diplomarbeit, dass 25 Liter Leitungswasser eine Babypille enthalten.
Meine Zukunftsaussichten...
... beschreiben ein gesünderes und körperbewussteres Verhalten, welches ich entwickeln und behalten möchte. Ich denke, dass dies auch ein guter Schritt in Richtung Familienplanung und gesellschaftliche Integration ist. Natürlich möchte ich gerne die 200kg drücken oder 300kg heben, soll meine Haut mal dünn wie Pergament werden oder knallharte Adern am unteren Bauch hervorschießen, eventuell offenbaren sich auch noch Wege dorthin. Mit der Reifung meiner eigenen Person und der Herauskristallisierung anderer Ziele sind extreme Varianten aber leider nicht vereinbar, dies muss letztendlich jeder für sich selbst entscheiden, wie weit der Weg führen wird. "Jeder kann leben wie er will, solange er nicht anderen schadet oder Schaden zufügt." Ein Leitspruch, den mir mein Vater in mein Poesiebuch schrieb. Und ich denke, dass dieser Vers auch einer Anwendung bei Bodybuildern bedarf, welche leicht zu einer extremen Lebensführung neigen, die schnell der Familie oder den Freunden schaden kann. Genug vom Ethos.Die Diät beziehungsweise das Abnehmen, das Annehmen einer gesellschaftlich geeigneteren Form, ohne ein Extrem zu bedienen, war wohl der wichtigste Schritt meiner körperlichen Entwicklung in der letzten Zeit. Ich hätte dem Klischee eines Powerlifters gerecht werden können. Bei einer Körpergröße von 195cm sind 120-130 Kilogramm Körpergewicht keine Seltenheit - aber warum? Ich könnte jetzt auch exzessiver Bodybuilder werden und meinen Lebensstil rigoros dem anpassen - aber warum? Die Frage nach der objektiven Richtigkeit der eigenen Ziele.
Resümee
Wie es schnell auffällt, ist die Diät nicht nur das sture Ab- oder Zunehmen. Es gehört mehr dazu. Es steckt mehr dahinter. Leicht kann der eigene alte Lebensstil zum Verruf erklärt werden und es entwickeln sich andere übergeordnete Ziele, die bis dato überhaupt nicht in Erwägung gezogen, gar verachtet wurden. Der Mensch ist einem stetigen Wandel ausgesetzt. Zurückblickend, und während des Schreibens wurde dies mir erst bewusst.Ich möchte hiermit auch auf die Diskussionen im Thema Milch und Die Vitaminlüge: warum Vitamine so gefährlich sein können sowie ähnliche Themen auf Team Andro hinweisen! Schaut einfach mal hinein und bildet Eure Meinung zum Thema Ernährungsverhalten.
Ich hoffe, ich konnte ein wenig zum Nachdenken anregen.
Euer Maars