Trainer und Athlet stehen über Jahre in einer engen, freundschaftlichen Beziehung. Der Trainingsprozess ist daher, ausgehend von dieser zwischenmenschlichen Beziehung, von Missverständnissen; Infragestellungen und Problemen gekennzeichnet, welche möglichst sensitiv, kompromissbereit und freundlich beiderseits gelöst werden sollten und müssen.

Im ersten Artikel dieses Zweiteilers werde ich Klassiker wie das Infragestellen von Fachwissen des Trainers, das immerwährende Rechthaben des Stärkeren, den Sinn von Internetcoachings und das Misstrauen Jüngeren gegenüber erkennen und erörtern. Im zweiten Teil beschäftige ich mich mit dem Eroieren der eigenen Möglichkeiten, den Grenzen des Zumutbaren und der Gegenüberstellung von Erfahrungswissen und Theorie. All diese geschilderten Themen beruhen vielfach auf persönlichen Erfahrungen, sammelten sich aber auch im Laufe eines Seminars über Trainer-Athlet-Beziehungen an, welche ich euch gerne im weiteren Verlaufe näher darlegen möchte. Viel Spaß beim Lesen!

Fachwissen in Frage stellen

Man kennt es aus dem Studio oder aus den Foren. Letzteres ist prekär als Situation beziehungsweise als längerfristige Angelegenheit. Insofern man selber als "Coach" oder Trainer im Internet auftritt, gibt es immer wieder Absprachen der Kompetenz: "Zeig erstmal was von dir, bevor du hier laut rumtönst!", "Wer zum Himmel bist du überhaupt, dass du sowas behauptest?" oder "Woher beziehst du dein vermeintliches Wissen?" stellen noch simple und eher freundlichere Varianten der Infragestellung der Trainerposition dar. Natürlich, und so kann man es auch am eigenen Leib beobachten, ist diese Art der Kommunikation seitens des Hilfesuchenden nur ansatzweise im realen Leben zu beobachten - zumindest offensichtlich. Mehr wird hier im Hintergrund; hinter dem eigenen Rücken mit anderen über die Kompetenzabsprache getuschelt. Ich möchte dies in keinster Weise werten, da jeder ausnahmslos irgendwie "lästert". Nichtsdestotrotz ist diese Form eine Art Beziehungsproblem zwischen Trainer und Athleten, zwischen Helfer und dem Hilfesuchendem, die es zu lösen gilt - es heisst nicht umsonst Trainer-Athlet-Beziehung. Wie kann man eine Problemlösung in solch einem Fall angehen? Und dies wird wahrscheinlich bei fast jeder Trainer-Athlet-Beziehung in irgendeiner Form auftreten.

Es würde sich kein Absprechen des Fachwissens ergeben, wenn die Trainer-Athlet-Beziehung schon länger besteht. In diesem Fall weiß jede Person vom Gegenüber seit längerem ihre Kompetenzen und hat sie dementsprechend schätzen gelernt. Dies kann nicht auf den Prozess des Kennenlernens von Athlet und Trainer übertragen werden, deshalb müssen von Beginn beiderseits gewisse Verhaltensregeln erbracht werden, um den größtmöglichen Erfolg zu schöpfen oder gar Misserfolg vorauszusehen.

Der Trainer kann vorab, wenn es nicht schon in der Werbung geschah, seine Kompetenzen klar niederlegen: Lebenslauf, Zertifikate, Arbeiten und Praktika sowie Projekte, bei denen man mitwirkte (und die zur Kompetenz zutragen) sollten hierbei erwähnt werden. Es eignet sich nicht, diese beim ersten Kontakt mit dem Athleten direkt ins Gespräch zu bringen, vielmehr sollte man indirekt über Erzählungen von wissenschaftlichen Arbeiten über Thema XY oder die eigenen Erfahrungen im Bereich von XY berichten, und damit klarstellen, dass man der Richtige für diesen Athleten ist und ihm weiterhelfen kann. Nichts ist schlimmer, würde der Athlet gleich von Anfang an seinem neuen Trainer (ob selbst ausgesucht oder zugewiesen) zweifeln, weil er sich nicht sicher ist, ob dieser Trainer das ist, was er nach außen hin gibt, oder aber weil er von Anfang an einen schlechten Eindruck vermittelt.
Dieser schlechte Eindruck kann schon allein durch das äußere Auftreten keimen. Deshalb ist ein seriöses Auftreten mit Einhaltung von Etiquette eine Bedingung, die der Kunde oder Athlet sofort und unbewusst an den Trainer stellt. Als Vergleich eignet sich das Aussuchen eines Partners. Der Charakter kann noch so toll sein, wenn der Phänotyp nicht stimmt.

Aber auch die Art und Weise, wie ich etwas umschreibe und belege, vermittelt dem Athleten die Seriösität, welche Trainer ausstrahlen sollten. Dies ist zwar im Internet schwer zu realisieren, kann aber auch wie im richtigen Leben anhand von Formulierungen, Fachwissen und sprachlicher Gewandtheit manifestiert, nicht zuletzt aber auch verschleiert werden. Die nötige Transparenz seitens des Trainers ist so gewährleistet, und der Athlet oder Kunde kann sich ungetrübt eine eigene Meinung bilden.

Aus Athletensicht sollte man nie voreingenommen über Themen urteilen, die man in keinster Weise zu 100 % beherrscht, über diese Bescheid weiß. Aber auch selbst der Trainer ist nicht allwissend in allen Belangen des Trainingsprozesses. Das beste Beispiel für mich aus der letzten Zeit war Kai Greene und sein Trainingsgewicht beim Bankdrücken: Andere jüngere Sportler beobachteten ihn beim Ausführen des Bankdrückens mit 60 kg und urteilten vorschnell. Warum gerade Kai Greene solche Frauengewichte benutze, könne er doch wesentlich mehr drücken. Es ist doch eben ... KAI GREENE! Selber machte ich die Erfahrung, meinen damaligen Trainer auch schnell zu bevormunden. - "Warum benutzt du im Butterfly nur 40 kg, dich lachen doch die anderen aus, wenn sie das sehen? Du kannst weit über 180 kg drücken!" - Man selber merkt dann später nach Jahren, oder eventuell nach der guten Erklärung des Trainers, dass man vorschnell handelte und irgendwelche falschen Aussagen traf. Es gibt mehrere Wege nach Rom und man muss für das eine Ziel nicht den einen Weg wählen, den die Mehrheit geht - ganz egal, ob es nun richtig oder falsch zu sein scheint. Keiner weiß alles über das jeweilige Thema, sei es Trainingsformen, Ernährung oder "wie brate (denaturiere) ich mein Fleisch?". Der eine benutzt die Herdplatte, der andere den Backofen, wenige benutzen die Mikrowelle.

Es hilft aber auch die fundamentale Eigenschaft Vertrauen. Wer solch eine Beziehung eingeht, sollte wie auch in der Partnerschaft damit klarkommen, dass Menschen unterschiedliche Wege bestreiten, um ihre Ziele zu erreichen. Er sollte lernen zu akzeptieren, dass es auch andere Formen des Daseins gibt, und man nicht alle über den einen Kamm scheren kann.


Der Stärkere hat Recht

Gleich im Zusammenhang mit der Infragestellung der Trainerposition treten meistens ähnliche Formulierungen auf wie: "Zeig doch erstmal, dass du überhaupt was leisten kannst!", "wieviel beugst / drückst / hebst du?" oder "Du sprichst von Kniebeugetechnik, wie sieht denn deine überhaupt aus?". Ist es richtig beispielsweise als Hilfesuchender für eine Technikanalyse in einem Forum vorerst nach den Kompetenzen im Bereich Technikdemonstration zu fragen? Grundsätzlich: Ja, so meine Meinung. Warum sollte man auch nicht wissen dürfen, wie der Postende (jetzt in der Position Coach) selber sich anstellt? Aber eigentlich müsste sich doch rein aus der Beschreibung, der Hilfe des Coaches für den Hilfesuchenden, die Kompetenz in dem Bereich ergeben - jedenfalls theoretisch. Was veranlasst den Fragenden dennoch dazu?

Meistens ist das Expertisewissen in solchen Foren beziehungsweise in solchen Belangen nicht derart einzigartig, dass auch mehrere sich als Coach berufen fühlen können und tatsächlich antworten. Dies ergibt dementsprechend auch viele Varianten der Lösungen und damit viele richtige Lösungen, denn viele Wege führen nach Rom. Häufig sind der Großteil der Antworten irgendwie übereinstimmend, aber dennoch anders formuliert, woraus sich Verständigungsprobleme ableiten. Hieraus könnte demnach eine Konfliktsituation entstehen, woraufhin der Hilfesuchende nach den Kompetenzen des Gegenüber fragt.

Woran soll sich nun der Hilfesuchende halten? Es liegt nahe, dass man sich an den Stärkeren oder den besser Aussehenden, mit dem größeren Bizeps hält, wenn es sich beispielsweise um die Technik einer Bizepsübung mit Augenmerk auf die Vergrößerung des Bizeps handelt.
Eine andere Variante der Selektion wäre es, die Kompetenzen des jeweiligen, postenden Coach zu recherchieren: Hat er in einem ähnlichen Thema schon geantwortet? Wem hat er noch geholfen? Ist er gänzlich fachfremd und spielt in seiner Freizeit mehr Hallenhalma? Oder eben, wie sieht er aus? Welche Bildung hat er erfahren?

Oder aber der Athlet hat die Zeit und probiert je nach Zeitumfang eine Lösungsstrategie nach der anderen von den einzelnen Coaches aus. Das kann von einem zum nächsten Thema sehr unterschiedlich lang andauern. Bizepsübungen sind eher kurz in der Anwendung bis man erfährt, ob der Bizeps tatsächlich wie gewünscht belastet wird. Bei Bankdrücktechniken im Maximalkraftbereich muss man eher auf anderen Wegen erfahren, welche Varianten sich besser eignen als jene, und das je nach Ziel unterschiedlich betrachtet.

Es stellt sich aber auch die Frage, ob es sich eignet, demjenigen zu glauben, welcher sich die meiste Mühe gab, matieriell gesehen das meiste schrieb, um dem Hilfesuchenden Beistand zu leisten. Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten.

Es kann aber auch vorselektiert werden, indem vorher überlegt wird, wer für welches Thema mir am meisten helfen könnte und dementsprechend wird dann nur eine Person privat zu Rate gezogen.
Grundsätzlich wird jeder Athlet mit der Zeit seine Erfahrungen sammeln, und Fragestellungen von vor über einem Jahr oder länger werden auch in Zukunft aktuell werden, da sich die Betrachtungsweise bei jedem selbst immer wieder erneuert und auch neue Informationen das alte Wissen im anderen Glanze erstrahlen lassen. So tritt jeder mal einerseits in die Rolle des Fragenden und andererseits in die Rolle des Coaches, des Trainers. Wichtig ist nur, dass man selber hierbei stets in der Lage sein kann, die Rolle artgerecht, beziehungsweise verhaltenskonform zu spielen. Dabei weise ich gezielt auf Frank-Holger Ackers Artikel "Der Weg zum Erfolg", welchem nach Veröffentlichung kaum gebührende Resonanz widerfuhr.

Viele Anfänger machen aber den Fehler, und mir ging es nicht anders, dass sie die muskulösen Kanten aus dem Studio, den erfahrenen Trainer und die Foren-Veteranen gleichzeitig fragen und dann, dank ihres Unwissens und der Masse an Informationen, überhaupt nichts mehr wissen, geschweige denn irgendwie vorankommen können. Eine innerliche Blockade von Wissen hat sich eingestellt. Hierbei muss irgend eine Auswahl getroffen werden, denn alles auf einmal kann nicht gehen, und wenn's irgendwie geht, geht's schief. Deshalb sollte man sich an einer Person aufhängen, bestenfalls die Person, mit der man vis à vis in Kontakt treten kann, mit der man schon länger in Kontakt ist und eine stabile, menschliche Beziehung aufbauen konnte. Man erspart sich einfach viele Ungereimtheiten und Missverständnisse, die im Vorfeld mit einer bekannten Person schon geklärt wurden. Und daher ist es auch folgerichtig, diese Betreuung über einen längeren Zeitraum bestehen zu lassen - möglichst durch reale Treffen.

Dies führt zum nächsten anzusprechenden Punkt:

Kontakt zum Trainer - nur über Internet? Was führt zu diesem Weg der Kontaktaufnahme? Viele haben nicht die Möglichkeit, sich verbal vis à vis mit einem geeigneten Trainer auseinander zusetzen, da sie eventuell in einem Studio trainieren, was entweder rein von der Lokalität sich nicht für Trainer des jeweiligen Faches eignet (hier spreche ich gerade auf die Konstellation McFit und Gewichtheben oder Kraftdreikampf an) oder aber man ist so weit vom Schuss entfernt, dass nichts Geeignetes in der Nähe ist, da man sonst eine Stunde Fahrt zum Training bräuchte (auch wieder im Hinblick auf den Kosten-Nutzen-Faktor). Natürlich kann man hier hingehend argumentieren: wer will, der kann. Es gibt aber immer wieder Konstellation im eigenen Leben, die es nicht zulassen, deshalb schließt sich meine weitere Betrachtung nicht auf die Gründe, sondern setzt es als Tatsache voraus.

Folglich wählt der Athlet unter den wenigen Möglichkeiten die Internetbetreuung, um es überhaupt zu einer Betreuung im jeweiligen Fachgebiet kommen zu lassen:

Der Vorteil liegt klar auf der Hand: man kann überall mit dem Trainer in Kontakt treten. Emails oder private Nachrichten in Foren kann man später lesen und auch darauf antworten. Aber hieraus ergeben sich auch eine Menge Probleme, gerade in der Ebene der Kommunikation. Es gibt nur ein Kanal des In-Kontakt-Tretens, und das ist meist der schriftliche Verkehr. Worte werden falsch gedeutet, Emotionen hinter Begründungen oder Smileys falsch verstanden und schnell kommt es zu Missverständnissen die zu einer fundamentalen Natur ausarten können.
Es gibt Trainer-Athlet-Beziehungen auf Internetbasis, die rein vom Charakter und der daraus resultierenden Schreibweise nicht funktionieren, die ich auch selbst erleben musste. Ein Beispiel wäre ein wissbegieriger Athlet, der alles hinterfragt und ein etwas schreibfauler Trainer, der immer mit "es ist nun mal so, frag nicht weiter" begründet. Hier kann von Grund auf keine gut geheißene Beziehung entstehen, und es werden nur abschlagsweise Erfolge beim Athleten generiert.

Auch entstehen Probleme im Visualisieren der eigentlichen sportlichen Übung. Man kann natürlich Verhaltensregeln per Schriftverkehr erörtern und gewisse Technikmaßnahmen vollziehen. Aber sobald es um den Athleten selbst als individuelle Person mit den eigenen Stärken und Fehlern geht - wie soll der Trainer diese schnell ausmachen können? Wie soll er sehen können, dass die Fußstellung beim Beugen richtig ist, dass eventuell die Hüfte etwas verdreht während des Herablassens der Langhantel? Wie soll er so einfach entdecken, dass die Pausenzeiten beim Sportler nicht eingehalten werden, obwohl er sagt, dass er 2-3 Minuten pausiert, aber kurzzeitig sich jede 2. Bankdrückpause mit den Studiokollegen verquatscht? Man könnte etliche ähnliche Beispiele aufführen. Einige lassen sich durch genaue Videoanalyse beobachten, aber wer filmt denn beispielsweise Pausen mit? Ich kenne keinen, der die Kamera wirklich 60 Minuten Training durchlaufen lässt.

Man merkt, die Beobachtung des Athleten seitens des Trainers gestaltet sich viel schwieriger via Internet und daraus leiten sich einige Möglichkeiten, aber auch einige Stressoren ab, die Internetcoaching beherbergen:
  • Erreichbarkeit ist überall gegeben
  • Es lassen sich visuelle und auditive Medien nutzen
  • Möglichkeiten bieten sich in der kurzfristigen Analyse der Übungen selbst
  • Trainingsplangestaltungen lassen sich allgemein klären, stellen via Internet aber Defizite beim individuellen Athleten dar
  • Genauere und feinste Schwächen und Stärken können nicht analysiert werden
  • Kleine Problemstellungen (wie Griffweite beim Bankdrücken) lassen sich bei Grundwissen im jeweiligen Fachbereich erklären
  • Problemlösungen bei Anfängern gestalten sich sehr viel schwieriger
  • Je offensichtlicher das Problem aufgezeigt wird, umso eindeutiger kann der Trainer agieren
  • Probleme allgemeiner Natur brauchen eine längerfristige Trainingsintervention, die per ausschließlichem Schriftverkehr erschwert wird
  • Gerade im Bodybuilding kann man erste körperliche Schwächen anhand von Videos und Bildern erkennen, die genaue Trainingsintervention lässt sich aber nicht mit stupiden "3 Sätze mehr Bizeps pro Woche" feststellen, da der allgemeine und spezielle Überblick über das Training kaum genau geschildert werden kann
  • Der Athlet kann etwas meinen, er meint es aber anders; genauso aus Trainersicht
  • Die Beobachtung des Athleten ist viel mehr Wert als die Schilderungen des Athleten selbst (!!!)
  • Das heißt nicht, dass die Schilderungen überhaupt nichts wert sind
  • Die Schilderungen des Athleten wirken ergänzend nicht hauptursächlich
Die letzten Punkte sind mit das Hauptproblem innerhalb der Kommunikation via Internet. Der Athlet beschreibt beispielsweise seine Körperspannung während der Kniebeuge und sendet dazu ein Video der Beugen an den Trainer. Der Trainer berichtigt und beschreibt die Körperspannung nicht in allen Facetten, er lässt dabei die Beschreibung der Bauchspannung aus, denkt aber, dass er sie irgendwie mit erwähnt hat. Daraufhin übt der Athlet die Körperspannung während der Kniebeuge ein, lässt aber für Wochen die Einbeziehung des Bauches weg, insofern er überhaupt weiß, wie er ihn mit einbeziehen kann. Nach ein paar Wochen wird wieder ein Video zur Analyse gegeben, und jetzt erst bemerkt der Trainer die wochenlang falsche Ausübung des Athleten, und berichtigt ihn darauf hin (diesmal hoffentlich allumfassend).

Es geht wertvolle Zeit verloren, und der Trainingserfolg mindert sich. Wäre ein Trainer vor Ort gewesen, hätte dieser Prozess innerhalb einer Stunde abgehakt werden können, indem er den Athleten separate Übungen für die Bauchspannung ausüben hätte lassen können und gezielt die Bewegungssteuerung während einer Wiederholung korrigiert hätte. Der Informationsfluss hätte so auf verschiedenen Ebenen stattfinden können, innerhalb von Sekunden könnte der Trainer intervenieren und dem Schüler passendes Wissen vermitteln. So zieht sich dieser Prozess aber über mehrere Wochen bis gar Monate hin und man ist wahrscheinlich im Nachhinein immer noch nicht weiter als 1 Stunde Training mit Anwesenheit des Trainers - ausgehend von seiner Kompetenz. Wer aber dennoch nicht auf ein Internetcoaching verzichten möchte, muss den Mehraufwand erkennen und bezahlen. In diesem Beispiel würde es heißen, dass der Gecoachte bis hin zu mehreren Videos täglich filmt, bearbeitet und online stellt und eventuell ein eigenes Resümee anfügt, um das eigene Verständnis zu beschreiben, damit der Trainer gleich Rückinformationen auf verschiedenen Ebenen bekommt. Erst dann könnte es nahe an die Effektivität eines realen Coachens herankommen, wobei die Effizienz auf der Strecke bleibt.

Misstrauen Jüngeren gegenüber

Viel zu häufig gibt es ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber jungen Trainern. Während man im Breitensport der Ballsportarten vielerlei Einsatz für junge Trainer findet und diese von der Mannschaft auch zum größten Teil akzeptiert werden, kommt es im Bodybuilding und generellen Kraftsport zu Tendenzen, Personen zu Rate zu ziehen, die deutlich älteren Semesters sind. Dies stellt keine oberflächliche Kritik meinerseits dar, dass man sich nicht an Ältere wenden dürfe. Mir geht es in der primären Ansicht um die Frage, warum jungen Aspiranten wenig die offensichtliche Chance dargeboten wird, anderen, eventuell auch jüngeren Sportlern ihr jahrelanges angeeignetes Wissen zu vermitteln. Vielleicht steckt die Begründung in "jahrelanges angeeignetes Wissen"? Wenn man von einem 20 jährigen Kraftdreikämpfer, besser noch Bodybuilder, hört, er biete Coaching an, denkt man fast sofort: "In dem Alter? Was will der mir schon erzählen?".

Ich stelle mir aber im gleichen Atemzug die Frage, was mir eine deutlich ältere Person (ohne Bezug auf etwaige Titel und Urkunden) bringen mag. Also wo liegen die Unterschiede?

Offensichtlich ist das Alter, und der damit verbundene größere Erfahrungsschatz seitens des älteren Trainers. Will man in die Tiefe der Materie eindringen, eignet es sich, auf erfahrene Trainer mit jahrlangem Coaching zurück zugreifen. Sie wissen meistens, wo der Schuh drückt, müssen nicht lange experimentieren, um die passende Formula für den individuellen Geschmack zu erproben. Das heißt womöglich, dass man effizient und effektiv sein Ziel verfolgen kann. Kann!

Der Nachteil, welcher aber im weiteren Blick nicht wirklich als solcher gewertet werden soll, denn dieser Nachteil obliegt nur der eigenen Charakterschwäche: Die Versteifung mancher Trainer, beziehungsweise die festgefahrenen Trainer. Es ist auch nicht so, dass für jedes sportliche Individuum es ein Fauxpas ist, einen älteren Trainer zu engagieren, vielmehr muss jeder selber die Klarheit und die Akzeptanz entwickeln sich auch mal forscher Kritik hinzugeben, gerade von älteren Semestern die noch eine ganz andere Erziehung genießen mussten. Jeder überträgt einen eigenen Anteil seiner erfahrenen Erziehung auf der Erziehen seiner Schützlinge - ein leidiger Fakt der "Spiegelneuronen". Wobei die eigentliche autoritäre Trainerweise nicht ausschließlich auf Leute über 50 übertragen werden soll. Je größer aber Altersunterschiede zwischen jungen Sportlern und älteren Trainern liegen, umso mehr wird ein naiv, uneinsichtiger Athlet mit einem etwas stureren, besserwissenden Trainer aneinander geraten. Achtung! Ich greife mit dieser Aussage bewusst in die Verallgemeinerungsschublade!

Um auf die Versteifung an sich zurückzukommen: Wenn sich innerhalb von 40 Jahren Trainerlaufbahn immer wieder besondere Trainingsmethoden kristallisieren, neigen einige Trainer dazu diese auf jeden Individualfall zu übertragen.

Es ist immer ein Individualfall wenn Athlet X Trainer Y zu Hilfe bittet, und so muss auch leider oder glücklicherweise jeder Fall gesondert und filigran auseinandergenommen werden, bevor der der Athlet irgend ein Ziel dank des Trainers erreicht.

Es sei hierbei, wie im generellen Umgang mit Menschen, betont, dass man selber immer zwei oder drei Mal überlegen sollte, ob etwas vom Trainer wirklich böse gemeint war, oder aber er es nett meinte, denn der Trainer ist es ja, der einem hilft, nicht umgekehrt. Dieser Appell richtet sich auch direkt an die Kommunikation via Internet, die manchmal durch die Einseitigkeit der Informationsbreite getrübt wird; die manchmal die Wahrnehmung auf subjektiver Ebene erheblich trübt!

Wiederum haben auch jüngere Trainer ihre Vorteile: Gerade wenn sie noch frisch und neugierig im Sport agieren (eine Fähigkeit, die man auch im Verlaufe seiner Trainingskarriere behalten sollte), bieten sie eine Motivation für den Trainierenden, die seinesgleichen sucht. Es muss nicht mal die permanente Trainerposition sein. Jeder wird irgendwann mal in die Trainerposition gerückt, seien es nur jene Situationen, in denen man gerne mal die Trainerzurufe aus Andy Plates Videos nachahmen möchte. Aber gerade diese Momente lösen in einem die pure Motivation am Sport aus! Auch verweise ich hier auf den finanziellen Aspekt mit der Anstellung jüngerer Trainer, wenn sie es nicht sogar gänzlich umsonst anbieten. Beispielsweise freut sich ein Sportstudent, wenn er für 90 Minuten Training 25 Euro bekommt.

Die Nachteile, welche wieder im Zusammenhang stehen, was jeder Sportler selber eigentlich erreichen will und was er dafür bereit ist zugeben, sind ersichtlich: Junge Aspiranten haben nicht den gleichwertigen Erfahrungsschatz wie ältere Trainer. Sie brauchen länger bis sie das Rädchen finden, welches durch einen kleinen Kieselstein zum erliegen kam. Die Genauigkeit und Erfahrungsbandbreite lernt man nur über jahrelange Trainertätigkeit, da es dafür keine extra Ausbildung, Hochschule oder dergleichen gibt. Auch ist es wahrscheinlicher, dass man öfters den Trainer wechseln muss, bis man einen passenden gefunden hat und mit dieser Trainer-Athlet-Konstellation auch zufrieden ist. Auch aus dem Grund, weil viele anstrebende junge Trainer nicht den Beruf ausüben, der ihnen gefällt (Verweis auf die vielen C-Lizenzen, die vergeben werden), oder aber sie gänzlich das Metier - selbst als Hobby – wechseln.

Viele jüngere Trainer die ich kennenlernte, übertreiben gerne mit ihrem Fachwissen und der daraus resultierenden Preisangleichung. Deshalb ist jedem suchenden Sportler an Herz gelegt eine Probestunde zur Überprüfung der Qualitäten zu vereinbaren, die möglichst ohne Bezahlung einher geht. Es gibt im Internet eine "Sportler sucht Trainer" - Plattform, in der viele angehende Trainer vieles behaupten. Es wird zwar manche Lizenz überprüft, aber viele geben als Expertise Muskelaufbau, Körperstraffung und Bodybuilding an und sehen nach einem Golf aus, und ich rede hier nicht vom neuen 7er.

Vorzeitiges Resümee, aber der Abschied ist nicht von langer Dauer:

Die Themenvielfalt, welche ich angesprochen habe, und die vielen Fragen, welche sich daraus noch ergeben können, weisen das riesige Problemfeld der Trainer-Athlet-Beziehung auf. Ich habe mich in dieser Artikelreihe allein nur auf ein paar wenige Konfliktsituationen spezifiziert, dennoch mag man jetzt einen kleinen Überblick bekommen wie groß diese Sache angelegt werden kann, und dass man innerhalb dieser paar Worte es nicht vermag das Gesamtkonzept widerzuspiegeln.

Ich hoffe, dass ich ein wenig zum Nachdenken anregen konnte und freue mich, wenn ihr im zweiten Teil auch wieder mit von der Partie seid.

Mit sportlichen Grüßen,

der Rote Planet
Maars